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Nachbarkreise

Wasserbüffel als Landschaftspfleger am Elmer Berg

Die Wasserbüffel auf dem Elmer Berg bieten einen exotischen und imposanten Anblick. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Rotenburg und die Ökologische Nabu-Station Oste-Region setzen sie zur Landschaftspflege ein. Landwirt Kai Ahre

Die Wasserbüffel auf dem Elmer Berg bieten einen exotischen und imposanten Anblick. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Rotenburg und die Ökologische Nabu-Station Oste-Region setzen sie zur Landschaftspflege ein. Landwirt Kai Ahre

Vier Wasserbüffel weiden seit einigen Wochen auf dem Elmer Berg bei Bremervörde. Doch nicht alle Bürger sind begeistert von ihren neuen Nachbarn, den Landschaftspflegern.

Sonntag, 04.08.2019, 08:00 Uhr

Bereits 2012 seien laut Bernd Spreckels, der als Landschaftswart des Landkreises Rotenburg für die Region Bremervörde zuständig ist, erste Überlegungen zur Beweidung des Areals angestellt worden. Vor etwa drei Jahren seien die Planungen, Wasserbüffel anzusiedeln, dann konkreter geworden. „Seit rund 20 Jahren werden Wasserbüffel in der Landschaftspflege und im Naturschutz eingesetzt“, erklärt Landschaftsökologin Sarina Pils, Leiterin der Ökologische Nabu-Station Oste-Region (ÖNSOR). Ziel des Beweidungsprojekts sind der Erhalt und die Entwicklung der Artenvielfalt von Flora und Fauna rund um den Elmer Berg.

Das Areal gliedert sich in drei Biotopzonen: Magerwiese, Heidefläche und Reetwiese. „Die Flächen können nicht sich selbst überlassen werden. Würde die Heide beispielsweise nicht regelmäßig von Hand oder maschinell geschlegelt beziehungsweise abgefressen werden, würden die Pflanzen verholzen und vergreisen“, erörtert Pils. „Gleichzeitig legen sie, indem sie sich im Dreck suhlen, neue Feuchtbereiche an und schaffen damit neuen Lebensraum für Insekten und Amphibien.“

Wasserbüffel gelten als genügsam, robust und wenig krankheitsanfällig. Sie zeichnen sich durch hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Klima- und Umweltbedingungen aus. Aufgrund ihrer besonderen Klauenphysiologie können sie im Gegensatz zu Heidschnucken, den wildpferdartigen Exmoor-Ponys oder Robustrinderarten wie Galloways auch auf den feuchten Reetwiesen gehalten werden.

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Doch es wurde auch Kritik an dem Projekt laut. Anwohner fühlten sich schlecht informiert. Spaziergänger waren verärgert über den Zeitpunkt der Arbeiten, die mitten in der Brut- und Setzzeit stattfanden. „Mit dem Forstmulcher wurde eine mehrere Meter breite Schneise geschlagen und viel Natur zerstört, um die Zaunpfähle zu setzen – und das mitten in der Brut- und Setzzeit. Hätte man das nicht eleganter lösen können?“, beklagte ein Anwohner, der anonym bleiben möchte.

„Natürlich sind wir nicht glücklich darüber, dass der Zaun in der Brut- und Setzzeit gezogen werden musste“, betont Sarina Pils. Das Arbeiten mit schwerem Gerät sei in den feuchten Reetwiesen am Fuß des Elmer Bergs nur in einer Trockenperiode möglich, da die Maschinen sonst im weichen Boden einsinken würden, ergänzt Landschaftswart Bernd Spreckels. Ausgeführt wurden die Arbeiten von einem Zaunbauunternehmen, das wiederum an Termine gebunden sei. Die Projektverantwortlichen hätten Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die Tierwelt nicht zu gefährden.

Die gesamte Zauntrasse, die ein rund zwölf Hektar großes Gebiet eingrenzt, sei über Monate hinweg von den Naturschützern beobachtet worden. „Das ist keine Hauruck-Aktion. Wir haben dieses Projekt von langer Hand geplant. Bevor der Mulcher gefahren ist, wurden die Strecken abgelaufen und nach Nestern abgesucht“, betonte Pils. „Was hier abgemäht wurde, schadet der Vegetation nicht.“

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Sorge bereitet einigen Bürgern der Stromzaun, für den vor kurzem ein Stromverteilerkasten aufgestellt wurde. Gerüchte, es handele sich um einen extrem schlagstarken Zaun, konnte Sarina Pils entkräften: „Es handelt sich um einen ganz normalen Weidezaun, wie er an jeder Kuhweide steht. Natürlich kann es wie bei jedem Weidezaun sehr schmerzhaft sein, den Zaun zu berühren. Die angebrachten Warnschilder mögen vielleicht irritieren und sehr abschreckend wirken. Diese sind vorgeschrieben.“ Angst muss laut Landschaftswart Spreckels niemand vor den imposanten Tieren haben: „Wasserbüffel gelten als sehr ruhig und friedlich.“

Das Beweidungsprojekt wurde durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie in Höhe von 55.000 Euro möglich. In einigen Monaten wird sich die Büffelherde auf dem Elmer Berg vergrößern. Alle vier Wasserbüffeldamen sind zurzeit trächtig. Ob die Herde dann weiter vergrößert werden kann oder der Bestand doch wieder verringert werden muss, wird die Zeit zeigen, wie Landespflegeingenieur Rainer Rahlfs betont: „Wir tasten uns ganz vorsichtig ran. Diese Herde ist gewissermaßen die Keimzelle für dieses Projekt.“

Wie sich die „Arbeit“ der tierischen Landschaftspflegerinnen auf die heimische Flora und Fauna auswirken wird, werde sich laut Sarina Pils aber bald zeigen: „Ein paar besondere Arten werden sich wahrscheinlich schnell einstellen. Einige Bläulingsarten, Wiesenvögel, Ameisenlöwen, Kreuzottern und Eidechsen dürften auf lange Sicht ebenfalls von den Wasserbüffeln profitieren“, sagt sie.

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