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Serientäter

TVom „Maskenmann“ im Schlaf entführt: Der Fall Dennis erschüttert bis heute

In Deutschland wurde Martin N. bereits wegen dreifachen Kindsmordes verurteilt. Jetzt steht er in Frankreich vor Gericht.

In Deutschland wurde Martin N. bereits wegen dreifachen Kindsmordes verurteilt. Jetzt steht er in Frankreich vor Gericht. Foto: dpa/Hecker/Jaspersen

Dennis‘ Schicksal bleibt unvergessen. 2001 wurde der Neunjährige aus dem Schullandheim Wulsbüttel (Kreis Cuxhaven) entführt und ermordet. Jahre später wurde der „Maskenmann“ in Stade verurteilt.

Von Tobia Fischer Donnerstag, 21.05.2026, 13:00 Uhr

Stade. Der sogenannte Maskenmann ließ bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2011 wahre Alpträume wahr werden. Über Jahre hinweg überfiel der heute 55-jährige Martin N. kleine Jungen und missbrauchte sie. Drei von ihnen ermordete er nachweislich. 2012 wurde er zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Jetzt wurde der Serienmörder auch in Frankreich angeklagt.

Martin N. muss sich zurzeit vor Gericht in Nantes wegen des Mordes an dem damals zehnjährigen Jonathan im April 2004 verantworten. Der Junge wurde aus einem Schullandheim in Saint-Brevin-les-Pins in Westfrankreich entführt. Seine Leiche wurde wenige Wochen später entdeckt. Doch der aus Bremen stammende ehemalige Kinderbetreuer, der für den Prozess nach Frankreich ausgeliefert wurde, bestreitet die Tat.

Foto mit Pokemon-Plüschfigur hat sich ins Gedächtnis eingebrannt

Der Prozess erinnert an das tragische Schicksal von Dennis K. aus Osterholz-Scharmbeck. Das Foto des blonden Neunjährigen mit seiner Pokémon-Plüschfigur in den Händen hat sich ins Gedächtnis zahlreicher Menschen eingebrannt. Es zeigt Dennis mit ernstem Blick auf dem Bett sitzend. Als es am Abend des 4. September 2001 entstand, muss der Mörder schon auf der Lauer gelegen haben. Wenige Stunden später war der Neunjährige aus dem Schullandheim Wulsbüttel (Landkreis Cuxhaven) verschwunden.

Dieses Bild werden viele Landkreisbewohner nie vergessen: Der neunjährige Dennis ist im September 2001 aus dem Schullandheim in Wulsbüttel entführt und ermordet worden. Das Foto entstand wenige Stunden vor der Tat.

Dieses Bild werden viele Landkreisbewohner nie vergessen: Der neunjährige Dennis ist im September 2001 aus dem Schullandheim in Wulsbüttel entführt und ermordet worden. Das Foto entstand wenige Stunden vor der Tat. Foto: Archiv

Noch gegen Mitternacht hat die Lehrerin den Jungen schlafend im Bett gesehen. Am nächsten Morgen ist er weg. Dennis verschwindet, wie er schlafen gegangen ist – barfuß, nur mit einem Pyjama bekleidet. Keiner der fünf Jungs, die mit ihm das Zimmer teilen, hat irgendetwas bemerkt. Das Gebäude war verschlossen, nur ein Fenster war auf Kipp geöffnet. Es sei völlig mysteriös, wie der Junge aus dem Schullandheim verschwinden konnte, sagte die Polizei damals. Die Bevölkerung steht unter Schock.

Pilzsammler finden Leiche erst zwei Wochen später

Eine beispiellose Suche beginnt. Über 200 Polizisten durchkämmen tagelang mit Spürhunden den Wald, Hunderte Jäger mit ihren Jagdhunden, Bundeswehrsoldaten und Feuerwehrleute helfen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Ohne Ergebnis. Erst zwei Wochen später, am 19. September, findet ein Pilzsammler die kaum bekleidete Leiche des Jungen 40 Kilometer entfernt, in einem Gebüsch in der Nähe von Kirchtimke bei Zeven im Landkreis Rotenburg. Eine DNA-Analyse gibt die traurige Gewissheit: Bei dem toten Jungen handelt es sich um Dennis K. Der Junge wurde erstickt, nachdem er sexuell missbraucht worden war. „Wir werden Dennis nicht vergessen“, sagte die damalige Pastorin Anke Diederichs bei der Beerdigung Ende September in Osterholz-Scharmbeck.

Tagelang wurde rund um Wulsbüttel nach Dennis gesucht. Dabei wurden auch Bundeswehrsoldaten aus Garlstedt eingesetzt.

Tagelang wurde rund um Wulsbüttel nach Dennis gesucht. Dabei wurden auch Bundeswehrsoldaten aus Garlstedt eingesetzt. Foto: Archiv

Die Ermittler der anfangs 40-köpfigen Sonderkommission (Soko) „Dennis“ machen sich daran, mehr als 2.000 Spuren auszuwerten. Nach wenigen Wochen schält sich ein unheimliches Bild heraus, denn die Ermittler stoßen auf zahlreiche ähnlich gelagerte Missbrauchsfälle in Norddeutschland und sind sich sicher: Dennis war nicht das erste Opfer. Ein Serienmörder geht um in der Region, ein Triebtäter auf der Suche nach kleinen Jungen. Einer, der letztlich auch nicht vor Mord zurückschreckt.

Täter zeigte sich stets schwarz gekleidet und mit einer Sturmhaube

Die Soko „Dennis“ erstellt ein Profilbild des Täters. Er soll zwischen 30 und 40 Jahre alt, auffallend groß und stets schwarz gekleidet sein. Immer zeigt er sich den Kindern mit einer Wollmütze, einer Sturmhaube, über dem Gesicht. Der Mann mit der Maske. So geschickt im Umgang mit Kindern, dass keines seiner Opfer schreit, auch wenn er sie aus voll belegten Schlafsälen entführt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter mit Kindern arbeitet oder gearbeitet hat.

Mit dieser Phantombildzeichnung suchte die Polizei nach dem „Maskenmann“, der bei seinen Taten immer eine Sturmhaube trug.

Mit dieser Phantombildzeichnung suchte die Polizei nach dem „Maskenmann“, der bei seinen Taten immer eine Sturmhaube trug. Foto: picture alliance / Ingo Wagner/dpa

Ab Anfang der 90er bis Anfang der 2000er Jahre schlug das Phantom immer wieder zu. 40 Missbrauchsfälle listete die Polizei auf. Der „Maskenmann“ kam stets nachts. Er schlich sich in Kinderzimmer, Schullandheime und Zeltlager. Seine Vorgehensweise war immer gleich: Der Täter spionierte die Objekte aus, besaß Schlüssel oder ließ sich in den Gebäuden einschließen. Er weckte die Jungen vorsichtig, lockte sie aus den Zimmern oder belästigte sie dort.

Die Verhaftung des Täters gelang erst im Jahr 2011

Die Ermittler sind überzeugt, dass der Täter in drei Fällen seine Opfer ermordete: 1992 entführt er den 13-jährigen Stefan J. aus einem Internat in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) und bringt ihn um. Sein nächstes Opfer, den achtjährigen Dennis R., holt er 1995 nachts aus einem Zeltlager bei Schleswig. 2001 tötete er Dennis K.. „Die bisherige Energie des Täters lässt leider befürchten, dass seine Aktivitäten auch nach dem Tod von Dennis weitergeführt werden“, sagte im November 2001 der Soko-Leiter Uwe Jordan.

Im Jahr 2012 fand der Prozess gegen Martin N. am Landgericht Stade statt. Jetzt steht der „Maskenmann“ erneut wegen der Ermordung eines Jungen vor Gericht, dieses Mal in Frankreich.

Im Jahr 2012 fand der Prozess gegen Martin N. am Landgericht Stade statt. Jetzt steht der „Maskenmann“ erneut wegen der Ermordung eines Jungen vor Gericht, dieses Mal in Frankreich. Foto: David Hecker Pool

Erst 2011 konnte Martin N. in Hamburg, wo er lebte, festgenommen werden. Er gestand die Taten. 2012 wurde er vom Stader Landgericht wegen dreifachen Kindesmordes und weiteren sexuellen Missbrauchsfällen zu einer lebenslangen Haft bei besonderer Schwere der Schuld mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das härteste Urteil, das die deutsche Justiz vergeben kann.

Doch die Polizei war bereits damals überzeugt, dass der ehemalige Jugendbetreuer für weitere Morde verantwortlich ist. So an dem zehnjährigen Jonathan 2004 in Frankreich.

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