2012 in Stade verurteilt: „Maskenmann“ erneut auf der Anklagebank
Dem wegen dreifachen Kindsmordes verurteilten Martin N. – hier vor der Urteilsverkündung am 27. Februar 2012 im Landgericht in Stade – wollen französische Ermittler eine weitere Tat nachweisen. (Archivbilder) Foto: dpa/Hecker/Jaspersen
Die grausamen Taten des dreifachen Kindsmörders Martin N. lassen einen bis heute erschaudern. Hat er auch in Frankreich gemordet? Das sagt der 55-Jährige zum Prozessauftakt.
Nantes/Stade. Gegen den in Deutschland bereits wegen dreifachen Kindsmordes zu lebenslanger Haft verurteilten sogenannten Maskenmann hat in Frankreich ein Prozess wegen Mordes an einem kleinen Jungen begonnen. Der 55-jährige Martin N. muss sich vor Gericht im westfranzösischen Nantes wegen des Mordes an dem damals zehnjährigen Jonathan im April 2004 verantworten.
Der Junge wurde damals aus einem Schullandheim in Saint-Brevin-les-Pins in Westfrankreich entführt. Seine Leiche wurde wenige Wochen später unbekleidet in einem Teich circa 30 Kilometer entfernt entdeckt.
In Norddeutschland hatte der „Maskenmann“ jahrelang kleine Jungen missbraucht und drei von ihnen im Alter von 8, 9 und 13 Jahren ermordet. Zahlreiche weitere Kinder hat er missbraucht. 2012 wurde er vom Landgericht Stade verurteilt. Die meisten seiner Taten hatte er in seinem Prozess gestanden.
Drei Morde in neun Jahren
Am 31. März 1992 hatte er den 13-jährigen Stefan Jahr aus einem Internat in Scheeßel verschleppt. Fünf Wochen später entdeckte eine Spaziergängerin die Leiche des mit den Händen auf dem Rücken gefesselten Jungen in den 40 Kilometer entfernten Verdener Dünen. In der Nacht auf den 24. Juli 1995 lockte er den achtjährigen Dennis Rostel aus dem Zeltlager am Selker Noor und fuhr mit dem Jungen nach Dänemark. Zwei Wochen später fanden Touristen die gefesselte Leiche in einer Sanddüne bei Skive.
Am 5. September 2001 entführte der „Maskenmann“ den neunjährigen Dennis Klein während einer Klassenfahrt aus einem Zimmer des Schullandheims in Wulsbüttel, missbrauchte und tötete ihn. Pilzsammler entdeckten das Opfer vierzehn Tage später an einem Waldweg.
Maskenmann führte Doppelleben
Lange führte der Mann ein Doppelleben, ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Tagsüber kümmerte er sich als Betreuer auf Ferienfreizeiten und in Heimen um seine Schützlinge. Nachts verwandelte er sich in den „Maskenmann“ - so wurde er bekannt, weil er sein Gesicht bei den Verbrechen hinter einer dunklen Sturmhaube verbarg.
Zu Prozessauftakt wies der gebürtig aus Bremen stammende Martin N. den Vorwurf zurück, den kleinen Jonathan getötet zu haben. „Ich habe das nicht getan“, sagte er aus, wie der Sender ICI aus dem Gerichtssaal berichtete. Der Angeklagte erklärte sich aber bereit, auf alle Fragen des Gerichts zu antworten. Der Prozess soll bis zum 5. Juni dauern.

Der sogenannte Maskenmann hat vor Gericht in Frankreich bestritten, den kleinen Jonathan getötet zu haben. Foto: Loic Venance/AFP/dpa
Zeuge beobachtet deutsches Auto
Da der Fall des kleinen Jonathan Parallelen zur Tatserie des Maskenmannes in Norddeutschland aufwies, untersuchten die französischen Fahnder bereits ab 2008 auch, ob der Deutsche für die Tat in der Bretagne infrage kommen könnte. Konkrete Beweise wie DNA-Spuren etwa wurden zwar nicht gefunden.
Ein Zeuge aber beobachtete abends einen Wagen mit deutschem Kennzeichen in der Nähe eines Teichs, der dort anscheinend etwas ausladen wollte, dann aber wegfuhr. Und 2017 berichtete ein Mitgefangener, Martin N. habe ihm gestanden, in Frankreich ein Kind getötet zu haben.

Dem wegen dreifachen Kindsmordes verurteilten Martin N. – hier vor der Urteilsverkündung am 27. Februar 2012 im Landgericht in Stade – wollen französische Ermittler eine weitere Tat nachweisen. (Archivbilder) Foto: dpa/Hecker/Jaspersen
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