Von Abbenfleth bis Zesterfleth: Was die Ortsnamen im Kreis Stade bedeuten
Michael Flöer von der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hält das Ortsnamen-Buch in Händen. Foto: Vasel
Was Wisch mit einer Wiese zu tun hat - und warum Asseler auf dem Trockenen sitzen: Das verraten die Wissenschaftler Michael Flöer und Josef Dolle in ihrem neuen Buch.
Stade. Was bedeutet Stade? Was steckt hinter den Ortsnamen Wisch, Assel, Stade oder Horneburg? Diese Fragen können sich heimatverbundene Geschichtsinteressierte jetzt mit einem Blick in das informative und lesenswerte Werk „Die Ortsnamen des Landkreises Stade“ beantworten.
270 Ortsnamen erklären die beiden Wissenschaftler Dr. Michael Flöer und Dr. Josef Dolle - von Abbenfleth bis Zesterfleth. Damit nicht genug: Im Anhang des 384 starken Werkes finden sich eine Sammlung und eine Karte der Ortschaften in Plattdeutsch.
Sprachwissenschaftler nutzen Urkunden und Karten
Einige dieser vor dem Jahr 1600 belegten Ortschaften existieren heute nicht mehr, weil die Orte untergingen oder durch Ortsnamenwechsel außer Gebrauch gerieten, erklärt der Germanist und Geschichtswissenschaftler Dr. Michael Flöer von der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.
65 von ihnen sind verschwunden.
Oftmals würden Ortsnamen falsch gedeutet. So glaubten einige, dass Diepholz für den „Wald der Diebe“ stehe. Doch Sprachwissenschaftler deuten den Namen anders. Mit Blick auf die indogermanische Grundform wäre ein feuchter, tiefer Wald die richtige Deutung.

Dr. Hans-Eckhard Dannenberg (Landschaftsverband), Landrat Kai Seefried, Michael Flöer (Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen), Heinz Mügge (De Plattdüütschen) und Dr. Thomas Bardelle (Landesarchiv) mit dem Ortsnamen-Buch (von links). Foto: Vasel
Die Entstehung von Ortsnamen sei von verschiedenen Faktoren beeinflusst: den naturräumlichen Gegebenheiten der Landschaft, der Siedlungstätigkeit der Menschen, die an der Elbe Land erschlossen und manchmal wieder verloren, und schließlich von den Menschen selbst, deren Personennamen in vielen Ortsnamen enthalten sind.
Das Buch stelle jeden dieser Namen in kritisch ausgewählten, geprüften historischen Belegen - von Urkunden bis zu Karten wie der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1764/1786 - vor, die von der Ersterwähnung bis zur heutigen Form reichen. Das biete „eine sprachwissenschaftlich fundierte Deutung“.
Es ist für sprachgeschichtliche, namenkundliche, landesgeschichtliche und kulturgeografische Fragen ebenso von Interesse wie für alle, die sich mit der Geschichte ihrer Heimat befassen wollen. Der Band ist ein weiterer Baustein für die Erforschung der Siedlungsnamenlandschaft Niedersachsens im Rahmen des Forschungsprojekts „Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe“.
Doch wofür stehen nun die Ortsnamen Wisch, Assel, Stade oder Horneburg? Wisch bedeutet Wiese, so Dr. Michael Flöer. Assel heißt auf dem Trockenen. Stade leite sich von stath her - Gestade/Ufer. Horn ist ein spitz zulaufendes Landstück, im Fall Horneburg eine Burg am Aue/Lühe-Horn.
Plattdeutsch-Förderer als Beschleuniger
Dass das Buch in diesem Jahr erscheinen konnte, sei insbesondere Heinz Mügge vom Verein „De Plattdüütschen“ aus Düdenbüttel zu verdanken. Mügge hatte 1997 erstmals Kontakt mit der Namenforscherin Dr. Kirsten Casimir. Gemeinsam brachte der Förderer der plattdeutschen Sprache das Projekt mit der Anfang 2026 verstorbenen Leiterin der Forschungsstelle auf den Weg.
Ursprünglich sollten vorher Abhandlungen über Harburg, Rotenburg und Soltau-Fallingbostel erscheinen. „Doch Mügge katapultierte den Landkreis Stade an die erste Stelle der Bearbeitungsliste“, sagte Flöer. Mügge holte seinen Verein als Mitfinanzier sowie den Landschaftsverband und den Landkreis Stade als weitere Sponsoren mit ins Boot. „Es ist das erste Buch mit Ortsnamen in plattdeutscher Schreibweise“, betonte Mügge bei der Präsentation im Niedersächsischen Landesarchiv in Stade.
Landrat Kai Seefried (CDU) sieht in dem Buch eine Stärkung der lokalen Identität, des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Verwurzelung der Menschen mit ihrer Heimat.
„Die Ortsnamen des Landkreises Stade“ ist im Aschendorff Verlag erschienen und kostet 35 Euro (ISBN 978-3-7395-1538-0).
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