Trotz Rückkehr des „Maskenmanns“: Französische Behörden ermitteln weiter
Dem wegen dreifachen Kindermords verurteilten Martin Ney – hier vor der Urteilsverkündung am 27. Februar2012 im Landgericht in Stade – konnten französische Ermittler keine weitere Tat nachweisen. Archivfotos: dpa/Hecker/Jaspersen
Dem in Stade verurteilten dreifachen Kindermörder Martin Ney konnte in Frankreich keine weitere Tat nachgewiesen werden. Im dem Fall soll aber weiterermittelt werden. Die grausamen Taten des „Maskenmannes“ bewegen bis heute.
Von Guido Behsen
Für die Morde an drei Jungen verbüßt Martin Ney nach seiner Verurteilung 2012 im Stader Landgericht eine lebenslange Haft in der JVA Celle. Zuletzt wurde der sogenannte Maskenmann von den deutschen Behörden im Januar dieses Jahres allerdings nach Nantes ausgeliefert. Dort sollte dem heute 50-Jährigen der Prozess gemacht werden, weil er auch in Frankreich ein Kind umgebracht haben soll.
Wie berichtet, wird es zu diesem Verfahren nicht kommen. Ney wird in den kommenden Tagen in seine Zelle in Deutschland zurückkehren. Zuvor hatte „Ouest France“ berichtet, dass eine achtmonatige Frist zur Vorbereitung eines Prozesses verstrichen sei. Offenbar gibt es nicht genügend Beweise dafür, dass Ney den elfjährigen Jonathan Coulom im April 2004 aus einem Zeltlager an der Atlantikküste entführte und anschließend tötete.
Ney streitet Tat in Frankreich ab
Dem Bericht der französischen Zeitung zufolge hat der Verdächtige, der seit seiner Ankunft in Frankreich viermal intensiv vernommen wurde, jede Tatbeteiligung bestritten. Ney habe versichert, dass er weder zur Tatzeit noch an einem anderen Tag in Saint-Brevin-les-Pins gewesen sei. Jonathan war am 6. April 2004 aus einem Jugendlager an der französischen Westküste entführt worden. Sechs Wochen später wurde 30 Kilometer entfernt ein mit Steinen beschwertes Bündel in einem Teich gefunden, in dem sich die gefesselte Leiche des Jungen befand.
Die Tat erinnert an die Morde in Norddeutschland, die Ney nach seiner Festnahme 2011 gestand. Am 31. März 1992 hatte er den 13-jährigen Stefan Jahr aus einem Internat in Scheeßel verschleppt. Fünf Wochen später entdeckte eine Spaziergängerin die Leiche des mit den Händen auf dem Rücken gefesselten Jungen in den 40 Kilometer entfernten Verdener Dünen. In der Nacht auf den 24. Juli 1995 lockte er den achtjährigen Dennis Rostel aus dem Zeltlager am Selker Noor und fuhr mit dem Jungen nach Dänemark. Zwei Wochen später fanden Touristen die gefesselte Leiche in einer Sanddüne bei Skive.
Am 5. September 2001 entführte der „Maskenmann“ den neunjährigen Dennis Klein während einer Klassenfahrt aus einem Zimmer des Schullandheims in Wulsbüttel, missbrauchte und tötete ihn. Pilzsammler entdeckten das Opfer vierzehn Tage später an einem Waldweg.
Mithäftling belastet Ney
2012 wurde der ehemalige Pädagoge wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in Stade zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Dass es nun zur Auslieferung nach Frankreich kam, lag an der Aussage eines Mithäftlings. Dieser hatte behauptet, Ney habe ihm gegenüber bei mehreren Gelegenheiten erklärt, in Frankreich einen Jungen missbraucht und getötet zu haben. Auch wundere er sich darüber, nie überführt worden zu sein. Denn er habe am Tatort einen Rucksack mit persönlichen Gegenständen verloren.
Ermittlungen werden weitergeführt
Französischen Medien zufolge sagte Ney im Verhör aus: „Ich kann Ihnen sagen, dass das, was er (der Mithäftling, d. Red.) gesagt hat, absolut nicht der Wahrheit entspricht.“ Das Gegenteil konnten ihm die französischen Ermittler offenbar nicht nachweisen, obwohl viel für ihn als Täter spricht. So geht der Fallanalytiker Alexander Horn, dem Ney nach seiner Festnahme 2011 gestand, der „Schwarze Mann“ zu sein, davon aus, dass Norddeutschland nach dem dritten Kindermord „als Tatgebiet verbrannt“ gewesen sei und er deswegen nach Frankreich auswich.
Der Mörder Jonathan Couloms sei mit großer Wahrscheinlichkeit derselbe wie der von Stefan Jahr, Dennis Rostel und Dennis Klein. Darauf deute der Tathergang hin. Nun könnte es sein, dass der Mord an dem französischen Jungen niemals gesühnt wird, auch wenn die Ermittlungen weitergeführt werden sollen. Laut „Ouest-France“ soll Ney bereits vor Ablauf der Frist am 22. September nach Deutschland zurückkehren. Dies bestätigte das Ministerium in Niedersachsen indes nicht.