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Naturphänomene

TVon gelb zu weiß: Jetzt ist wieder die Zeit zum Pusten gekommen

Pusteblume

Pusteblume Foto: hajo-naturfoto, Hajo Schaffhausen

Mehr als 100 Kilometer weit können Löwenzahnfrüchte durch die Luft fliegen. Und bei einem Tier stehen sie auf dem Lieblings-Speiseplan ganz oben.

Von Kurtze Montag, 04.05.2026, 10:50 Uhr

Landkreis. Der knallgelbe Löwenzahn auf Wiesen und an Wegrändern ist verblüht. Schon ein oder zwei Wochen später bildet seine Korbblüte fast unendlich viele weiße Früchte - die Pusteblumen sind da.

Ihre kleinen Früchte haben einen minikleinen Samen und einen Schirm, mit dessen Hilfe der Samen weit fliegen und verbreitet werden kann. Kindern bereitet es Freude, die vielen, federleichten Früchte vom Löwenzahn wegzupusten. Bei Trockenheit und Westwind, so fanden Botaniker heraus, lösen sich die dem Wind zugewandten Früchte besonders leicht.

Wenn der Wind günstig weht, fliegen die Löwenzahnfrüchte sogar weit und hoch in den Himmel. Mehr als 100 Kilometer weit können sie verbreitet werden, mit Aufwinden auch 10.000 Meter emporsteigen. Bei Windstille sinken die Schirmfrüchte wieder herab. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist der Flug auch bald vorbei: Das Schirmchen klappt zusammen und die Frucht sinkt auf den Boden.

Nur wenige Samen können keimen und wachsen

Etwa 300 bis 500 Schirmfrüchte kann eine einzelne Korbblüte ausbilden. Eine große Pflanze kann manchmal acht oder sogar zehn Blütenstände hervorbringen – mit rund 5000 Früchten im Jahr. Doch eine Löwenzahnpflanze bringt niemals die gleiche Anzahl von neuen kleinen Pflanzen hervor. Denn nur sehr wenige Samen der Löwenzahnfrüchte erhalten die seltene Möglichkeit zum Keimen und Wachsen.

Die Gründe: Viele Samen landen auf Dächern, Asphalt, werden ins Abwasser gespült oder bleiben auf ungeeignetem Sandboden liegen, es verschlägt die Samen auf die Wasseroberfläche von Schwinge oder Elbe, die Samen fallen in eine tiefe Ritze - oder die Konkurrenz durch benachbarte Pflanzen ist so groß, dass eine Keimung unterbleibt. Hat ein Löwenzahnsamen aber Licht, Wärme, Nährstoffe und Wasser, dann kann er schon nach einer Woche keimen. Vielleicht sind es von 500 Samen fünf oder zehn, die im nächsten Jahr eine Chance zum Wachsen und Blühen bekommen haben.

Samen können auch im Fell von Schafen hängen bleiben

Doch manchmal gibt es auch andere Möglichkeiten zur Verbreitung der Löwenzahnsamen: Sie können zum Beispiel in den Hufen von Rindern und Schafen längere Zeit kleben bleiben, sich später lösen und vielleicht keimen. Die Samen können auch im Fell von Schafen hängen bleiben und weit transportiert werden.

Feldmäuse mögen leckere Löwenzahnsamen. In einer Vorratskammer wurden 200 von ihnen gefunden. Werden nicht alle gefressen, ergibt sich die Chance zum Keimen. Löwenzahnsamen können sogar viele Jahre geduldig in der Erde liegen und in der „Samenbank“ warten, bis die Situation günstig ist.

Es soll unter Löwenzahnsamen Methusalems gegeben haben, die 68 Jahre lang keimfähig geblieben sind. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Bedingungen für den Löwenzahn verbessert. Denn diese Pflanze mag stickstoffsatte Böden für ihr Leben gern. Das wird ihr durch die intensive Landwirtschaft immer mehr angeboten.

Der Autor, die Serie und das Buch

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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