T„Wachposten“: Darum kommen hier Gummi-Flamingos ins Moor
Tjade Handke (links) und Carlo Walter, Mitarbeiter der Stadt Geestland, bringen Flamingo-Badereifen in die Moorfläche, auf der wieder Rohrkolben wachsen sollen. Foto: Stadt Geestland
Wer sagt denn, dass Vogelscheuchen immer hässlich sein müssen? Am Rand der Stadt Geestland geht es knallpink zu. Ein Projekt soll so gerettet werden.
Geestland. Vier knallpinke Flamingos baden jetzt auf einer Fläche am Kanal in Bad Bederkesa. Dabei handelt es sich um Badeinseln. Doch die Stadt Geestland will damit nicht zum Baden auf der nassen Moorfläche einladen. Sie versucht, ein echtes Problem mit der ungewöhnlichen Maßnahme zu lösen. Dem Klimaschutzprojekt soll damit geholfen werden.
Was ist das Problem? Gänse grasen immer wieder auf der wiedervernässten Paludi-Fläche. Die aufblasbaren Flamingos sind die moderne Variante einer Vogelscheuche. Die rosa Vögel haben eine wichtige Aufgabe: Sie sollen Gänse davon abhalten, sich an den dort angebauten Rohrkolben zu bedienen.
Moor-Wiedervernässung mit Rohrkolben
Vor genau einem Jahr ist das Projekt gestartet. Die 1, 3 Hektar große Grünlandfläche wurde unter Wasser gesetzt. 13.200 Rohrkolben-Pflanzen wurden in die Erde gesetzt. Idee des Versuchs ist, dass die Biomasse später als Dämmmaterial oder auch als Torfersatzstoff im Gartenbau zum Einsatz kommen sollte. So soll das Moor nutzbar gemacht werden. Doch das Projekt ist noch nicht so richtig in die Gänge gekommen.
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In der Vergangenheit hatten Gänse immer wieder die jungen Rohrkolben angefressen. Nun sollen die Flamingo-Badeinseln die Pflanzen vor Verbiss schützen.
Forschungsprojekt soll durch Flamingo-Attrappen vorankommen
Hinter der ungewöhnlichen Vergrämungsmaßnahme steckt ein ernstes Anliegen, teilt Stadtsprecher Merlin Hinkelmann mit. Die Versuchsfläche ist Teil des Projekts PALUDIFarming, in dem die Stadt Geestland gemeinsam mit Partner aus Wissenschaft und Praxis erforscht, wie Landwirtschaft und Moorschutz miteinander in Einklang gebracht werden können.
Landesforsten wollen weitere Moore renaturieren
Im Mittelpunkt steht dabei der Anbau von Rohrkolben auf wiedervernässten Moorflächen. Die Pflanze gilt als vielversprechender nachwachsender Rohstoff und könnte künftig als nachhaltiges Dämmmaterial im Bauwesen eingesetzt werden. Gleichzeitig trägt die Bewirtschaftung nasser Moorflächen dazu bei, klimaschädliche Kohlenstoffdioxid-Emissionen aus entwässerten Mooren zu reduzieren.
Die Stadt hofft, dass die vier rosa Wachposten ihre Aufgabe erfüllen und die Gänse künftig einen Bogen um die Rohrkolben machen.
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