TWarum dieses Hamburger Duo kleine Brötchen für Buxtehude brennt
Sarah Drath und Anja Dietmann haben die Buxtehuder Kunstpreis-Jury mit einer humorvollen Idee überzeugt. Foto: Weselmann
Zwei Hamburgerinnen haben ein spannendes Stück Buxtehuder Stadtgeschichte ausgegraben. Das nehmen sie jetzt zum Ausgangspunkt für ein humorvolles KunSTück.
Buxtehude. Die Gewinner für den Kunstpreis sind gekürt: Das dritte Buxtehuder KunSTück wird von den Hamburgerinnen Sarah Drath und Anja Dietmann gestaltet. Ihr Konzept zum ausgeschriebenen Thema „Freundschaft und Zusammenhalt“ überzeugte die Jury durch die humorvolle und vielschichtige Verbindung von lokaler Geschichte mit einem partizipativ angelegten Kunstansatz.
Ein archäologischer Fund bildet den Ausgangspunkt
Für ihre Idee haben die beiden Künstlerinnen in der Buxtehuder Stadtgeschichte gegraben und sind auf ein ungewöhnliches Detail gestoßen: den halben „Spitzwecken von Övelgönne“. Dieses archäologische Fundstück aus vorrömischer Zeit wurde 1952 bei einer Ausgrabung in der Buxtehuder Gemarkung entdeckt. Dessen zweite Hälfte jedoch fehlt bis heute.

Sarah Drath und Anja Dietmann haben ein spannendes Detail aus der Stadtgeschichte ausgegraben, das sie bei ihrem Buxtehuder „KunSTück“ in den Mittelpunkt rücken. Der Sandhaufen hat bei dieser Aufnahme nur symbolischen Charakter. Foto: Weselmann
Bei dem verkohlten Brotrest handelt es sich um das älteste erhaltene Kleingebäck Europas. Zu sehen ist es in der Dauerausstellung des Archäologischen Museums in Hamburg-Harburg. Von dem Exponat waren Sarah Drath und Anja Dietmann sofort in den Bann gezogen.
„Wir lieben einfach Archäologie“, sagt Anja Dietmann. „Und wir haben uns sofort die Frage gestellt, was wohl mit der anderen Hälfte passiert ist, ob die vielleicht gegessen wurde“, ergänzt Sarah Drath.
Spielerische Kunstaktion zum Spitzwecken von Övelgönne
Diese Leerstelle(n) wollen Sarah Drath und Anja Dietmann künstlerisch schließen: Mit keramisch nachgebildeten Brötchenhälften schaffen sie skulpturale Gegenstücke. Diese sollen gemeinsam mit einer Rekonstruktion des historischen Spitzweckens in der Nähe des ursprünglichen Fundortes in der Buxtehuder Ortschaft vergraben und Teil einer interaktiven Kunstaktion werden.
Unter dem Motto „Die Besseren Hälften“ sind Menschen jedes Alters dann eingeladen, nach den fehlenden Hälften zu suchen und diese wieder zusammenzuführen. „Wir möchten uns in die Stadt einbringen und ein gemeinsames Erlebnis schaffen“, sagt Anja Dietmann.
Die Hamburgerinnen wollen ein Erlebnis schaffen
Gefunden werden bei dem künstlerischen Ereignis also nicht nur Objekte, sondern Begegnungen: Die Suchenden kommen ins Gespräch, tauschen sich und Objekte aus und finden neue Bekanntschaften. „Wir möchten das KunSTück so umsetzen, dass etwas in Buxtehude bleibt“, sagt Sarah Drath.„Die Suche ist für uns der Hauptakt“, so die Filmemacherin weiter.
Zusammenarbeit ist auch gelebte Praxis des Künstlerinnen-Duos. Dieses gemeinsame Wirken, ihre persönliche Freundschaft habe sich der Jury bei der Präsentation des Konzeptes auch sofort vermittelt, erläutert Torsten Lange als Leiter der Fachgruppe Kultur, Tourismus und Marketing und Mitglied der Jury.
„Die Besseren Hälften machen auf eindrucksvolle Weise erfahrbar, dass Freundschaft zeitlos ist. Wie das uralte Brotstück selbst überdauert sie zuweilen Generationen und entfaltet ihre Bedeutung erst im Miteinander. Das Projekt zeigt, wie Kunst Geschichte lebendig werden lässt, indem sie Menschen zusammenbringt“, heißt es in der Begründung der Jury.

Kein Buxtehuder Kunstpreis ohne Förderer: Matty Neumann (Sparkasse Harburg-Buxtehude) und Christian Bruns (Kulturförderung Sibylle Bruns-Decker & Michael Bruns) mit den Preisträgerinnen Sarah Drath, Anja Dietmann und Kulturchef Torsten Lange. Foto: Weselmann
Zusätzlich zum Preisgeld in Höhe von 2000 Euro erhalten die Künstlerinnen Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Konzeptidee. Möglich machen das Mittel der Kulturförderung Sibylle Bruns-Decker & Michael Bruns und der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Um Buxtehuder zum Mitmachen zu bewegen, haben die Künstlerinnen bereits vielfältige Kontakte in der Stadt geknüpft.
Im Februar kommen die ersten Buxtehuder Brötchen in den Ofen
Ein konkreter Termin - voraussichtlich im Juni - für die gemeinsame Kunstaktion in Buxtehude steht noch nicht. Aber schon im Februar starten die Preisträgerinnen mit den Keramikarbeiten in der privaten Tonwerkstatt von Ingrid Jäger. Während ihres Studiums haben die Künstlerinnen bereits bei der ehemaligen Leiterin der Keramikwerkstatt der Hochschule für bildende Künste Hamburg gearbeitet. Mit ihrem Schaffen sind die beiden auf vielfältige Weise im In- und Ausland unterwegs.
Anja Dietmann ist Gründungsmitglied des Verlags Montez Press und seit 2012 Herausgeberin des Pfeil Magazins. Jüngst war sie im Kunstverein München zu Gast und wurde mit dem Förderpreis für junge Buchgestaltung der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Die Künstlerin und Filmemacherin Sarah Drath war zuletzt etwa im Rahmen der „Glitzer“-Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg präsent. Nach einer Auszeichnung der deutschen Filmkritik in der Kategorie Best Short schreibt Drath jetzt an ihrem Debütfilm „Königreich Toskana“.
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