TWegen Trump: Stader Klimabündnis gegen LNG warnt vor Erpressbarkeit
Auf der Baustelle für das feste LNG-Terminal an Land sind hier die Gründungspfähle für die Gastanks zu sehen. Foto: HEH
Die Inbetriebnahme des LNG-Terminals an Land in Stade verzögert sich. Derweil schreibt das Klimabündnis gegen LNG einen Protestbrief. Es geht um Trump und die Frage: Wie erpressbar macht US-amerikanisches LNG?
Stade. 2025 hat Deutschland mehr als zehn Prozent seiner Gasimporte über die LNG-Terminals abgewickelt. Bisher aber ohne Stade: Die Ankunft des schwimmenden LNG-Terminals (FSRU) wurde im März 2024 gefeiert. Doch bisher ist noch kein einziger Kubikmeter LNG regasifiziert worden.
Das schwimmende Terminal liegt schon länger nicht mehr im Stader Energiehafen. Foto: Vasel
Die FSRU wurde sogar wieder abgezogen. Der staatliche Betreiber DET (Deutsche Energy Terminal) hat sie nach Jordanien verchartert. Die „rechtzeitige Rückkehr“ sei aber gewährleistet.
Wann die FSRU in Stade frühestens in Betrieb geht
„Unsere Inspektion der Suprastruktur, also der Anlage im Hafen von Bützfleth, läuft auf Hochtouren“, teilt die DET mit. Nach aktuellem Stand sei davon auszugehen, dass die FSRU „nicht vor Ende des zweiten Quartals 2026“ in Betrieb geht. Sie soll so lange betrieben werden, bis das feste Terminal an Land fertig ist, und spätestens sechs Monate nach dessen Inbetriebnahme abgezogen werden.
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Auch das zieht sich wohl noch etwas hin, wie die privatwirtschaftliche HEH, die das Terminal an Land baut, bekanntgibt. Anfangs war die Inbetriebnahme Mitte 2028 geplant, jetzt wird sie für 2029 angekündigt. „Großprojekte dieser Art sind durch viele Abhängigkeiten geprägt - Bauablauf, Schnittstellen und Lieferketten - und erfordern daher mitunter Anpassungen im Zeitplan“, teilt HEH als Begründung mit.
Klimabündnis warnt vor neuen Abhängigkeiten
Vor Ort in Stade machen sich das Klimabündnis gegen LNG und Fridays for Future andere Sorgen. Deren Vertreter Martin Lüdders, der zurzeit in Bochum nachhaltige Entwicklung studiert, findet, dass Deutschland sich mit der Energieversorgung durch LNG erpressbar macht. Ein Großteil des angelandeten LNG kommt aus den USA, denn die dominieren die Flüssiggas-Importe nach Deutschland.
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Lüdders gehört mit dem Klimabündnis gegen LNG und Fridays for Future zu 120 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die dieser Sorge mit einem gemeinsamen Brief an die EU-Regierungschefs Ausdruck geben: „Jeder Euro, der für US-amerikanische fossile Brennstoffe ausgegeben wird, und jede Investition europäischer Unternehmen und Banken in fossile Brennstoffe in den USA befeuert Trumps autoritäre Agenda im Inland und seine imperialen Ambitionen im Ausland.“
Die Unterzeichner heben hervor, dass Trump mit wirtschaftlich verheerenden Zöllen drohe, um die EU zur Übernahme von US-Energieprodukten im Wert von 750 Milliarden US-Dollar in den nächsten drei Jahren zu bewegen. Die verstärkte Abhängigkeit von US-amerikanischen fossilen Brennstoffen werde die Klimakrise verschärfen und voraussichtlich die Energiepreise für EU-Haushalte erhöhen.
Stade soll Energiedrehscheibe werden
Dabei sollten die LNG-Terminals das Gegenteil bewirken. Noch im November 2025 hatte Stades Erster Stadtrat Lars Kolk gesagt, er hoffe, dass die letzten Schritte für den LNG-Import nun umgesetzt würden. Die weltpolitische Lage habe sich nicht verbessert, und Stade wolle seinen Beitrag zur Energiesicherheit leisten und zur Energiedrehscheibe für Deutschland werden.
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Die Unterzeichner des Briefs fordern einen verbindlichen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Gasen, insbesondere aus US-amerikanischem LNG, und eine Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten, um bestehende langfristige Verträge für den Import oder die Finanzierung von US-amerikanischem LNG zu beenden und neue Verträge zu verhindern.
Wo Merz und Lüdders sich einig sind
Bundeskanzler Friedrich Merz scheint in einem Punkt übrigens mit Martin Lüdders übereinzustimmen: Auch er will in Sachen Gas nicht erpressbar werden. Es ist kalt, die deutschen Gasspeicher sind aktuell kaum zu einem Drittel gefüllt. Dass Merz gerade in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterwegs ist, liegt auch daran, dass er Möglichkeiten für neue Gaslieferverträge ausloten will.

Der Stader Martin Lüdders vom Klimabündnis gegen LNG übergibt am Rande der Energieministerkonferenz 2024 eine Petition mit 50.000 Unterschriften gegen Flüssigerdgas. Foto: Frank Molter/dpa
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