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Handball-Bundesliga

TWeltmeisterin Litvinov: „BSV-Fans werden Freude an ihr haben“

Ruslana Litvinov im Alten Land: Die BSV-Handballerin ist vor Kurzem erst in Buxtehude angekommen.

Ruslana Litvinov im Alten Land: Die BSV-Handballerin ist vor Kurzem erst in Buxtehude angekommen. Foto: Scholz

Ruslana Litvinov gilt als Mentalitätsmonster. Wie wurde die 18-Jährige zum Top-Talent? Was macht sie so kampfstark? Und was macht sie neben dem Handball?

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Von Tim Scholz
06.08.2026, 16:00 Uhr

Buxtehude. Ruslana Litvinov ist erst seit wenigen Wochen in Buxtehude, scheint aber schon Gefallen an der Gegend gefunden zu haben. Bei einer Radtour mit ihrer Mannschaft ins Alte Land geriet die 18-Jährige ins Schwärmen. Die kleinen Dörfer, die schönen Häuser, „wie im Märchen“, sagt sie.

Dabei hat sie kürzlich erst selbst ein Handballmärchen erlebt. Mit der deutschen U20-Nationalmannschaft holte sie den WM-Titel und wurde als wertvollste Spielerin des Turniers (MVP) ausgezeichnet.

„Ein krasses Erlebnis“

Ihr größter Erfolg: Der WM-Titel in China ist der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere. „Das war ein krasses Erlebnis. Es fühlt sich immer noch unwirklich an“, sagt sie. Mit dem MVP-Titel habe sie nicht gerechnet. „Ich habe einfach versucht, in jedem Spiel 100 Prozent zu geben.“ Litvinov überzeugte mit 22 Toren, 28 Vorlagen und 14 Ballgewinnen.

BSV-Handballerin Aida Mittag holte zusammen mit Ruslana Litvinov den WM-Titel.

BSV-Handballerin Aida Mittag holte zusammen mit Ruslana Litvinov den WM-Titel. Foto: Vuk Raicevic/DHB (nomo)

Ihre Nationalmannschafts- und Buxtehuder Vereinskollegin Aida Mittag erklärt, wie ihr das in China gelungen ist: „Sie ist unglaublich reaktionsschnell, extrem spielintelligent und liest das Spiel einfach.“

Doch beinahe wären ihre Erinnerungen an den Erfolg verloren gegangen. Im anschließenden Urlaub auf Rhodos fiel ihr Smartphone ins Wasser, doch Fotos und Videos konnten gerettet werden.

Der große Schritt aufs Internat

Ihre Anfänge: Litvinov wurde in Wetzlar geboren, ihre Eltern waren einige Jahre zuvor aus Russland nach Deutschland ausgewandert. Die Begeisterung für Handball liegt in der Familie: Schon ihr Vater spielte an der Universität, durch ihre ältere Schwester war sie häufig in der Halle und fing selbst an.

Litvinov hatte Talent und durfte in der Jugend bereits gegen Ältere spielen. Vereine wie Bensheim buhlten um sie. Mit 15 entschied sie sich jedoch für das Handball-Internat der HSG Blomberg-Lippe - 200 Kilometer entfernt von ihrer Heimat. „Vor allem das erste Jahr war hart“, erinnert sie sich. Doch sportlich zahlte es sich aus.

Ruslana Litvinov überzeugte bei der U20-WM in China und wurde als wertvollste Spielerin ausgezeichnet.

Ruslana Litvinov überzeugte bei der U20-WM in China und wurde als wertvollste Spielerin ausgezeichnet. Foto: kolektiff

Litvinov entwickelte sich zur Führungsspielerin in der zweiten Mannschaft, trainierte in der ersten Mannschaft mit und sammelte erste Spielpraxis in der Bundesliga und im Europapokal. Außerdem holte sie mit dem DHB-Nachwuchs Bronze bei der U17-EM, Gold bei der U19-EM und nun den Titel bei der U20-WM.

„Ich hatte ein paar Angebote“

Ihr Vereinswechsel: Nach drei Jahren Blomberg wollte Litvinov einen „Tapetenwechsel“, wie sie sagt. „Neues Umfeld, neue Leute und mehr Einsatzzeit.“ Blomberg bot ihr zwar einen Vertrag für die Bundesliga an, doch Litvinov lehnte ab. Sie befürchtete, durch die gestiegenen Ambitionen beim Deutschen Meister nicht so viele Spielminuten zu bekommen.

„Ich hatte ein paar Angebote“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Berater überzeugte sie vor allem der BSV um den neuen Trainer Jonas Schlender. Litvinov unterschrieb bis zum Saisonende.

In Buxtehude wohnt sie in einer WG mit Spielmacherin Anika Hampel, übernahm damit das Zimmer von BSV-Abgang Jolina Huhnstock. Die WM-Medaille blieb allerdings in ihrem Elternhaus in Wetzlar - da ist sie gut aufgehoben. „Meine Eltern sind sehr stolz darauf.“

Der Blomberger Coach Steffen Birkner schätzt vor allem den kämpferischen Einsatz der 18-Jährigen.

Der Blomberger Coach Steffen Birkner schätzt vor allem den kämpferischen Einsatz der 18-Jährigen. Foto: Jan Iso Jürgens

Blombergs Trainer Steffen Birkner bestätigt, dass es ein Vertragsangebot gegeben habe, und fügt hinzu: „Wir werden ihre Entwicklung weiter verfolgen und gegebenenfalls findet man nochmal zueinander.“

100 Prozent Einsatz

Ihr Spielstil: Trainer bezeichnen Litvinov als Instinkthandballerin. Sie selbst stimmt zu und erklärt, dass sie hin und wieder bewusst aus dem System ausbreche, wenn sich eine Situation anders lösen lasse. „Manchmal brauche ich aber auch eine Ansage, wenn mir das häufiger passiert“, sagt die Rückraumspielerin und lacht.

Als größte Stärke gilt allerdings ihre Mentalität. Schon früh trainierte sie mit älteren Spielerinnen und musste sich behaupten. „Das hat mich abgehärtet, und ich musste nochmal mehr Gas geben“, sagt sie.

BSV-Trainer Jonas Schlender bezeichnet sie daher auch als „Mentalitätsmonster“. Bei der U20-WM habe sie vorne wie hinten überragende Leistungen gezeigt, viele Ballgewinne provoziert, viele Treffer vorbereitet und viele Siebenmeter herausgeholt.

BSV-Trainer Jonas Schlender.

BSV-Trainer Jonas Schlender. Foto: Jan Iso Jürgens

„Die BSV-Fans werden Freude an Ruslana haben - an 100 Prozent Einsatz“, sagt HSG-Trainer Birkner über die 1,71 Meter große Rechtshänderin. Sie sei sehr kampfstark, stelle die Räume in der Defensive gut zu und scheue keinen Zweikampf.

Litvinov selbst betont, dass sie gerne Verantwortung übernimmt. „Ich habe die Möglichkeit, andere zu beeinflussen, gebe ihnen aber auch die Chance, sich zu profilieren“, sagte sie dem Portal handball-world.news.

Mega locker und entspannt

Ihre Persönlichkeit: Und neben dem Spielfeld? Litvinov beschreibt sich als laut, selbstbewusst und gelassen. „Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich einen großen Kopf macht.“ Mitspielerin Aida Mittag sagt, Litvinov sei eine „mega lockere und entspannte Person“.

Bei der U20-WM in China holte Ruslana Litvinov bereits ihre dritte Medaille mit dem deutschen Nachwuchs.

Bei der U20-WM in China holte Ruslana Litvinov bereits ihre dritte Medaille mit dem deutschen Nachwuchs. Foto: kolektiff

Zum Abschalten schaut sie Serien wie Brooklyn Nine-Nine und New Girl. Außerdem backt sie gerne - vor allem Cheesecake-Himbeer-Brownies.

In diesem Jahr hat sie in Blomberg ihr Abitur gemacht. Später kann sie sich ein Studium vorstellen. „Vielleicht in Richtung Sozialarbeit“, sagt sie, „einen Bürojob oder etwas mit Zahlen eher nicht.“

Und was hat es mit der 81 auf sich? Eigentlich habe sie immer mit der Rückennummer 18 gespielt, sagt sie. Da diese beim BSV schon an Johanna Andresen vergeben ist, gab es den Zahlendreher, ganz einfach.

Gab es schon Kontakt zum Bundestrainer?

Ihre Perspektive: Nach den intensiven Wochen in China sollte Litvinov erstmal in Ruhe in Buxtehude ankommen. „Wir wollen ihr Zeit geben und keinen Druck machen“, sagt BSV-Trainer Schlender. Bleibt die Frage, wie es für sie beim DHB weitergeht.

Litvinov bleibt gelassen. Der Sprung in die A-Nationalmannschaft sei zwar ein Ziel, doch sie betont, dass dafür ihre Leistungen in Buxtehude entscheidend sein werden. „Und wenn es erstmal nicht klappt, wäre das auch in Ordnung.“

Gespräche mit Bundestrainer Markus Gaugisch, der bei der U20-WM in China dabei war, habe es bisher nicht gegeben, sagt sie. Sie will erstmal in Buxtehude durchstarten.

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