TWie hässlich: Ein Rap gegen den Stader Ankerplatz
Wo geht's lang auf dem Ankerplatz? Foto: Strüning
Die Bilder sind bunt, die Worte hart: Mit einem Rap-Text versehen wendet sich ein Beitrag auf Youtube gegen den Ankerplatz auf dem Platz am Sande in Stade.
Stade. Die erste Idee: Oh, ein Stück, das das eher alternativ-künstlerisch angehauchte Containerdorf lobpreist. Dieser Eindruck ist falsch. Mit deftigen Worten rechnet der Künstler in seinen Zeilen mit dem Ankerplatz ab.
Florian Riesling schenkt reinen Wein ein
Es handelt sich um Florian Riesling. Das ist kein Künstlername. Die entsprechende Nachfrage weist er im TAGEBLATT-Gespräch fröhlich von sich. Dem Verein, der sich um den Ankerplatz kümmert, hat er reinen Wein eingeschenkt. Nicht, dass der sauer aufstößt.

Das Cover zum Song. Foto: Riesling
„Dieser Platz wirkt wie falsch abgebogen“, heißt es im Sprechgesang zum Touristenparadies. Container stehen im Kreis wie ein Lego-Projekt, nur habe leider keiner die Anleitung gecheckt. Die Paletten als Sitzmöbel sähen aus wie ein Baumarkt nach Feierabend. Und dann: „Ankerplatz mitten in der Stadt, alle zahlen mit, keiner hat gelacht.“
Ein Künstler? Nein, ein ganz normaler Mensch
Wer ist der kreative Kopf im Hintergrund? Ein ganz normaler Mensch. Florian Riesling ist 40 Jahre alt, wohnt in Hammah mit Freundin und zwei Kindern, will bald heiraten im Stader Rathaus, wenn er nach diesem Schmähbeitrag dort noch erwünscht ist. Den Rap brachte er unter dem Namen „Mister Stade“ heraus.

Kreativer Kopf: Florian Riesling aus Stade-Haddorf. Foto: Privat
Riesling ist Notfallsanitäter und Schifffahrtskaufmann, saß sogar im Haddorfer Ortsrat und kann sich den Hinweis nicht verkneifen, dass das Gremium mit den Steuergeldern pfleglicher umgegangen sei, als es der Rat der Stadt tue. Die Kritik hat er jetzt in eine kulturelle Form gegossen.
Ungebetener Besuch
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„Ankerplatz Holz und Blech, Stade fragt sich, wer baut so ein‘ Fleck?“ Container gehörten zum Hafen ans Meer, doch nicht dahin, wo früher der Marktplatz war. Die komplette Version gibt‘s auf Youtube. Doch wie ist das gute Stück entstanden? Florian Riesling erklärt‘s. Es klingt vergleichsweise einfach.
Künstliche Intelligenz erzeugt Text und Rap
Die natürliche Person Riesling hat künstliche Intelligenz eingesetzt, ChatGPT mit Textbausteinen gefüttert und eine spezielle Software für Musik und Illustration angeworfen. Fertig war der Rap, der auf einer Länge von 2:19 Minuten schon erschreckend professionell ausfällt.
Der Cartoon vom Platz am Sande zeigt Kirche und Fachwerk im Hintergrund, dafür Müll und Paletten im Vordergrund. Ein Strohballen fliegt durch die Luft.
Schon nach wenigen Tagen hat er mehr als 1700 Aufrufe und wohl eine große Fangemeinde. Viele Hinweise per WhatsApp gingen mit Verweis auf den Ankerplatz-Rap in der Redaktion ein. „Das Ganze war nur als Gag gedacht“, sagt Florian Riesling. Der ist ihm gelungen.
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