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Geschichte

TWiedergeburt der Horneburg: Auf der Burginsel ins Mittelalter reisen

Zeitreise zurück ins 14. Jahrhundert: Florian Timm von der HafenCity Universität Hamburg im Gespräch über die Horneburg mit Kreisarchäologe Daniel Nösler (von links).

Zeitreise zurück ins 14. Jahrhundert: Florian Timm von der HafenCity Universität Hamburg im Gespräch über die Horneburg mit Kreisarchäologe Daniel Nösler (von links). Foto: Vasel

Die Horneburg steht wieder: Experten der HafenCity Universität haben eine Visualisierung der Burg erstellt. Bei der sogenannten Augmented Reality sind die Horneburger Vorreiter.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 27.05.2026, 12:10 Uhr

Horneburg. Ab sofort können Spaziergänger, Ausflügler, Touristen und Geschichtsinteressierte weltweit eine Zeitreise zurück in das Mittelalter buchen - kostenlos. „Wir haben unsere Internetseite burginsel-horneburg.de scharfgeschaltet“, verkündete die Projektleiterin im Horneburger Rathaus, Gunda Kiefaber am Dienstag bei der Präsentation.

Zeitsprung ins Mittelalter mit dem Smartphone

Jetzt hat der Vermessungsingenieur Florian Timm von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) die 1255 von Erzbischof Gerhard II. von Bremen als Bollwerk gegen die Welfen errichtete Burg für den Flecken Horneburg wiederaufgebaut - in digitaler Form.

Auf dem Smartphone wird die alte Burg sichtbar, im Hintergrund das Horneburger Schloss.

Auf dem Smartphone wird die alte Burg sichtbar, im Hintergrund das Horneburger Schloss. Foto: Vasel

Wer den Zeitsprung ins 14. Jahrhundert wagen will, muss auf dem Erlebnispark Burginsel lediglich die Homepage auf seinem Smartphone oder Tablet öffnen oder mit einer AR-Brille über die Insel laufen, um bei den „Burgmännern“ zu landen. Auf dem Bildschirm verschmelzen Gegenwart und Vergangenheit. Florian Timm und Malte Marsmann von der HafenCity Universität haben diese Niederungsburg zu neuem Leben erweckt.

„Wir Fachleute sprechen von der Augmented Reality, kurz AR“, erklärt der Baumeister der virtuellen Horneburg, Florian Timm. Augmented Reality - auf Deutsch „erweiterte Realität“ - stehe für die computergestützte Überlagerung der realen Welt mit virtuellen Informationen wie 3D-Modellen, Info-Texten und Bildern zur Geschichte der Burg.

Horneburger sind Vorreiter bei Augmented Reality

Die Horneburger gehören zu den ersten Kommunen in Deutschland, die eine Kombination von VR- und AR-Technologie nutzen, um ein im Boden schlummerndes Kulturdenkmal „wieder sichtbar zu machen“, sagt Professor Dr. Thomas P. Kersten von der HafenCity Universität.

So blicken Zeitreisende über den Touchscreen zeitgleich auf das heutige, 1886 im Tudor-Stil erbaute Herrenhaus auf dem Gelände der früheren Vorburg und auf die Horneburg vor mehr als 500 Jahren. Die Zeitreisenden schauen auf den mächtigen Wohnturm, der den Burgmännern als Schutzraum und zur herrschaftlichen Repräsentation diente.

Hier trafen sich die Burgmänner - zu Beratungen und Festessen. Dabei mussten die Angehörigen des Niederadels nicht frieren. Denn der Luxus-Bau aus mächtigen, wehrhaften Feldstein-Mauern und Fachwerk verfügte über Buntglasfenster und Öfen. Dieser Turm stand in der Mitte der durch Palisaden und Aue/Lühe geschützten Burg. Die Burginsel hat einen Durchmesser von 77 Metern.

Die Dächer der Wohn- und Wirtschaftsgebäude waren hart mit Ziegeln eingedeckt. Die Burgmänner waren keine armen Schlucker, ist Kreisarchäologe Daniel Nösler überzeugt. Im Schatten des Wehrturms standen die Wohn- und Verwaltungsgebäude der Burgmänner, die Ganerbenhäuser.

Sogenannte Ganerben-Burgen wurden von den Burgmännern und ihren Familien gemeinschaftlich bewohnt und verwaltet, wie eine Genossenschaft. Bis 1510 wohnten sie auf der Burg, nach dem Umzug auf ihre Güter diente sie den Burgmännern als Zufluchtsort.

Zunächst waren Archäologen am Zug

Doch wie konnte Timm die Burg mit neun Gebäuden rekonstruieren? Im Vorfeld hatten Archäologen - unter anderem der Universität Hamburg - mit ihren Geomagnetik- und Bodenradar-Messgeräten den Untergrund gescannt. Alte Fundamente wurden so sichtbar - ohne Ausgrabung. Die Wissenschaftler gehen von einem Wohnturm, einer Bäckerei, vier Wirtschaftsgebäuden und vier Ganerbenhäusern aus.

Horneburger holen Burgenforscher und HCU-Experten ins Boot

Nösler und Kiefaber holten Dr. Joachim Zeune vom Büro für Burgenforschung aus Bayern ins Boot. Gemeinsam mit Menno Mennenga von Reunion Media rekonstruierte dieser auf der Grundlage der Erkenntnisse von Archäologen und vergleichbaren Burgen die Burg.

Ihre Architekturzeichnungen bildeten die Basis für „eine idealtypische 3D-Visualisierung der historischen Horneburg vor der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg“ durch die beiden HCU-Experten Marsmann und Timm.

Die Wohnhäuser der Burgmannen verfügten über bunte Bleiglasfenster, 1632 ging die Burg in Flammen auf. Der Klumpen aus Glas und Blei blieb übrig.

Die Wohnhäuser der Burgmannen verfügten über bunte Bleiglasfenster, 1632 ging die Burg in Flammen auf. Der Klumpen aus Glas und Blei blieb übrig. Foto: Vasel

Auch während der Umgestaltung der Burginsel zum Erlebnispark kamen Funde ans Tageslicht, wie geschmolzenes Buntglas, Bleikugeln sowie kaputte Ziegel. Letztere sind pechschwarz, vom Feuer gezeichnet.

Blutige Kämpfe um die Horneburg

Der Grund: 1627 nahmen Truppen des obersten Heerführers der Katholischen Liga und des Kaisers, Johann T‘Serclaes von Tilly, im Dreißigjährigen Krieg die Horneburg ein.

Die Deformation zeigt: Diese Musketenkugel aus Blei durchschlug den Harnisch eines Soldaten bei der Schlacht um Horneburg.

Die Deformation zeigt: Diese Musketenkugel aus Blei durchschlug den Harnisch eines Soldaten bei der Schlacht um Horneburg. Foto: Vasel

1632 tobte bereits die nächste Schlacht, die schwedischen, protestantischen Truppen eroberten die Burg zurück. Bleikugeln durchschlugen Mauern und Harnische der Soldaten, Flammen fraßen sich durch die Burg. „Ob 1627 oder 1632, es muss ein schreckliches Inferno gewesen sein“, sagt Nösler. Im Jahr 1645 ließ der schwedische Heerführer Hans Christoph von Königsmarck die Burg schleifen.

Silbermünze mit dem Gesicht von König Philipp II. von Spanien.

Silbermünze mit dem Gesicht von König Philipp II. von Spanien. Foto: Vasel

Auf der Burginsel-Homepage werden die wichtigsten Funde gezeigt - unter anderem ein silberner Philippstaler. Der Rand der Münze fehlt, ein Zeichen für die Not des Dreißigjährigen Krieges. Um Silber zu gewinnen, wurden Münzen verkleinert. Vielleicht verlor ein katholischer Pappenheimer nicht nur Leben, sondern auch die Münze bei der Schlacht um die Horneburg.

Gunda Kiefaber und Kreisarchäologe Daniel Nösler präsentieren auf der Burginsel-Website die archäologischen Funde.

Gunda Kiefaber und Kreisarchäologe Daniel Nösler präsentieren auf der Burginsel-Website die archäologischen Funde. Foto: Vasel

Damit nicht genug. Im Handwerksmuseum können Zeitreisende zukünftig mit einer VR-Brille ins Mittelalter reisen - und den Alltag im 13./14. Jahrhundert erleben. Spiele wie Bogenschießen, Hochziehen der Zugbrücke oder Schöpfen von Wasser aus dem Brunnen, ergänzen die VR-App.

Burginselfest in Horneburg

Beim Burginselfest am Freitag, 12. Juni, 16 bis 24 Uhr, gibt es Zeitreisen für alle, in naher Zukunft folgt ein Info-Banner mit QR-Code auf der Insel.

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