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TWo soll ich mein Kreuzchen machen? Fragen Sie das lieber nicht ChatGPT!

Wen soll ich wählen?

Wen soll ich wählen? Foto: Strauch/dpa

Es soll ja Menschen geben, die sich vor ihrer Wahlentscheidung mit ChatGPT beraten. Ein Selbstversuch zeigt, wem das etwas bringt - und wem nicht.

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Von Anping Richter
06.09.2026, 06:00 Uhr

Landkreis. Den Chatbot einer künstlichen Intelligenz in Fragen des alltäglichen Lebens zu konsultieren, ist inzwischen verbreitet. Sogar bei medizinischem Rat, was der Hausärzteverband mit Sorge sieht: Laut einer repräsentativen Umfrage haben 16 Prozent der Befragten sogar schon einmal eine ärztliche Empfehlung absichtlich nicht befolgt und lieber einem Chatbot vertraut.

Auf medizinische Beratung von ChatGPT verzichte ich dankend. Doch politisch beschäftigt mich das mit der Wahlempfehlung angesichts der nahenden Kommunalwahlen. Ich tippe also versuchsweise eine Frage ein: „Ich möchte eine familienfreundliche, sichere, offene Stadt, in der die Bildung unserer Kinder Priorität hat. Wen soll ich bei der Kommunalwahl in Stade wählen?“

Chatty, wie wir bei uns zu Hause der Einfachheit halber manchmal sagen, schlägt mir vor, die Programme abzugleichen, um zu sehen, welche Angebote am besten zu meinen Schwerpunkten passen. Ja, gerne.

Huch! Die SPD ist gar nicht dabei

Dann soll ich noch in einem Zehn-Punkte-System bewerten, welche meiner vier Punkte mir am wichtigsten sind. Am Ende habe ich eine Tabelle mit bis zu 5 Sternchen pro Stichwort. Huch! Die SPD ist ja gar nicht aufgeführt. AfD und Linke auch nicht. Nur CDU, WG Stade, FDP, Grüne, Piraten und Volt. Ich hake nach.

ChatGPT gibt mir recht und räumt einen „methodischen Fehler“ ein. Inzwischen frage ich mich, ob andere KI-Chatbots auch so arbeiten. Nacheinander gebe ich meine Frage bei Grok, Perplexity und Gemini ein.

Die AfD wird auch weggelassen

Die Ergebnisse haben vor allem eines gemeinsam: rätselhafte Lücken. Gemini setzt etwas andere Schwerpunkte, lässt die AfD aber auch weg. Ebenso Perplexity. Begründung: Sie konnten kein lokales Wahlprogramm finden. Perplexity spricht zwar hochtrabend von „neutral-evidenzbasierter Übersicht“, lässt neben der AfD aber auch noch Volt weg. Grok nennt immerhin alle antretenden Parteien und Bürgermeisterkandidaten, hebt aber nur Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU) als „wichtig“ hervor.

Der politische Informationsfluss per KI-Chatbot hat offenbar gefährliche Untiefen.Trotzdem wende ich mich nicht ganz enttäuscht ab. Denn immerhin gibt’s ein paar gute Tipps: „Nutzen Sie lokale Quellen“, sagt Grok und nennt das TAGEBLATT. Perplexity empfiehlt mir als Wahlhilfe den Stad-O-Mat des Stadtjugendrings - eine Empfehlung, die ich gerne weitergebe: stad-o-mat.de. Und ChatGPT empfiehlt mir unser TAGEBLATT-Forum zur Kommunalwahl in Stade am 8. September: „Dort stehen alle Kandidaten auf dem Podium, so dass du dir selbst ein Bild machen kannst.“

Ja, ich weiß. Und wie die drei anderen Podiumsdiskussionen im Landkreis, die schon über die Bühne gegangen sind, ist auch diese längst ausverkauft. Doch natürlich werden wir ausführlich berichten, damit Sie eine gut informierte Entscheidung treffen können - ohne Chatbot.

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