Brauchtum

TZapfenstreich in Buxtehude: Das steckt hinter der Schützenfest-Tradition

Der Zapfenstreich findet jedes Jahr auf dem Rathausplatz statt.

Der Zapfenstreich findet jedes Jahr auf dem Rathausplatz statt. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

Ein rosa Zettel am Hut, ein geheimnisvoller goldener Vogel und vier verschiedene Uniformen: Was steckt hinter den Traditionen der Buxtehuder Schützengilde?

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Von Pauline Meyer
05.07.2026, 12:22 Uhr

Buxtehude. Wer den Zapfenstreich der Schützengilde Buxtehude am Samstag besucht hat, wurde Zeuge gelebter Tradition. Hinter Uniformen, Fahnen und Königskette verbergen sich Bräuche, die seit Jahrhunderten das Schützenwesen in der Hansestadt prägen. Manche dieser Traditionen reichen sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Durch die Kameralinse wirft das TAGEBLATT einen Blick hinter die Bedeutungen der Brauchtümer, die den Zapfenstreich zu einem besonderen Bestandteil des Buxtehuder Stadtlebens machen.

Gute Stimmung beim Versammeln vor dem Gildenhaus.

Gute Stimmung beim Versammeln vor dem Gildenhaus. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

1. Antritt am Gildehaus: Gemeinschaft reicht Jahrhunderte zurück

„Die Schützengilde Buxtehude ist eine der ältesten in der Region“, erklärt Ehrenpräsident Hans-Jürgen Lindner. Bereits die Schützenordnung von 1594 beschreibt die Schützengilde als Gemeinschaft, die regelmäßig gemeinsam übte und zum Schießen antrat. Aus der Ordnung wurde auch das Gründungsjahr 1539 abgeleitet. Die Wurzeln der Schützengilde liegen in der Bürgerwehr der mittelalterlichen Stadt. Jeder Bürger war verpflichtet, Waffen bereitzuhalten und die Stadt im Ernstfall zu verteidigen.

Ehrenpräsidenten Hans-Jürgen Lindner (von links), Präsident Reinhard Meier, der amtierende Schützenkönig Jürgen Meyer sowie der Zweite Vorsitzende Nils Lohmann.

Ehrenpräsidenten Hans-Jürgen Lindner (von links), Präsident Reinhard Meier, der amtierende Schützenkönig Jürgen Meyer sowie der Zweite Vorsitzende Nils Lohmann. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

2. Gilde gliedert sich in Rotts: Wie sind die Zugehörigkeiten?

Die Schützengilde Buxtehude ist seit Jahrhunderten in sogenannte Rotts gegliedert. Schon in der Schützenordnung von 1609 ist festgelegt, dass die Schützen in Rotten zum Schießen antreten. Woher die Einteilung stammt, ist nicht eindeutig überliefert, doch es wird vermutet, dass sie auf die drei Quartiere der damaligen Stadt oder ihre drei Stadttore zurückgeht. 1876 wurde die heutige Dreiteilung der Gilde festgeschrieben.

Das Grüne Rott mit guter Stimmung beim Versammeln vor dem Gildenhaus.

Das Grüne Rott mit guter Stimmung beim Versammeln vor dem Gildenhaus. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

Früher sei es so gewesen, dass das Schwarze Rott, das älteste der drei Rotts, das wohlhabendere Bürgertum repräsentierte. Zum grünen Rott hätten Handwerker und Landwirte gehört. Das Joppenrott erhielt seinen Namen von der Schützenjoppe, einer Uniformjacke, die die uniformierten verheirateten Schützen ab 1866 trugen.

Johann Wille schießt dreimal mit einem Schaftböller - dann setzt sich der Marsch in Bewegung.

Johann Wille schießt dreimal mit einem Schaftböller - dann setzt sich der Marsch in Bewegung. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

„Heute kann sich jeder selbst entscheiden, zu welchem Rott er sich zuordnet. Das hängt oft damit zusammen, wo schon Freundschaften bestehen“, erklärt Gilde-Präsident Reinhard Meier. Es müsse sich allerdings auf eines beschränkt werden.

Präsident Reinhard Meier (links) mit dem Zylinder des Schwarzen Rotts und der amtierende König Jürgen Meyer mit dem Hut des Grünen Rotts. Links und Rechts die Hüte des Joppenrotts.

Präsident Reinhard Meier (links) mit dem Zylinder des Schwarzen Rotts und der amtierende König Jürgen Meyer mit dem Hut des Grünen Rotts. Links und Rechts die Hüte des Joppenrotts. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

3. Jacke, Hut und Handschuh: Die Uniform zeigt Zugehörigkeit

Während es früher, vor dem 19. Jahrhundert, keine einheitliche Uniform gab, ist heute genau festgelegt, was die Schützen tragen. Jedes Rott hat eine eigene Kleiderordnung: Jacke, Hose, Kopfbedeckung und Handschuhe sind vorgeschrieben. „Und schwarze Strümpfe sind wichtig“, sagt der amtierende König Jürgen Meyer.

Während das Grüne Rott und das Joppenrott eine grüne Krawatte tragen, ist beim Schwarzen Rott eine weiße Fliege vorgesehen. Die Hüte sind mit künstlichem Adlerflaum, einer langen Fasanenfeder sowie einer gebogenen Hahnenfeder verziert.

Die Uniform des Ehrenpräsidenten Hans-Jürgen Lindner zieren verschiedene Auszeichnung und Orden.

Die Uniform des Ehrenpräsidenten Hans-Jürgen Lindner zieren verschiedene Auszeichnung und Orden. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

4. Orden, Anstecker und Schulterstücke

Beim genauen Blick auf die Uniformen der Buxtehuder Schützen fallen vor allem die Orden und Anstecker auf. Drei verschiedene Arten gibt es, erklärt Reinhard Meier: Die für schießsportliche Erfolge, Ehrennadeln für besondere Verdienste sowie die für weniger offizielle Veranstaltungen oder Empfänge.

Die Schulterstücke sind je nach Funktion angebracht. Während die goldenen nur vom Ehrenpräsident, dem Präsidenten und seinem Stellvertreter getragen werden, gibt es auch innerhalb der Rotts verschiedene Schulterstücke, je nach Funktion.

Die Schützen stecken sich die rosa Schießkarte an den Hut.

Die Schützen stecken sich die rosa Schießkarte an den Hut. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

4. Rosa am Hut

Weniger ein Brauch, als einfach praktikabel sind die Schießkarten, die viele Schützen sich an den Hut klemmen. In diesem Jahr sind sie rosa, die Farbe wechselt jährlich. Auf den Karten werden die Ergebnisse des Königs- sowie des Bestmannschießens eingetragen. Während der Festumzüge am Sonntag und Montag müssen sie am Rathaus abgestempelt werden. Nur wer daran teilgenommen hat, ist auch schießberechtigt.

Rund 27 Kilogramm wiegt die Königskette der Buxtehuder Schützengilde.

Rund 27 Kilogramm wiegt die Königskette der Buxtehuder Schützengilde. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

5. Schwer und geheimnisvoll: die Königskette

Sie ist etwa 27 Kilogramm schwer und besteht aus 210 Silberscheiben. Die älteste ist von 1609, damals noch rund - heute eher wappenförmig. „Die älteren Scheiben sind aus Silberblech“, erklärt Rainer Päper, Kettenmeister der Gilde. „Damals hatte man nicht das Geld für echtes Silber.“ Einige alte Stücke habe er im Laufe der Jahre vorsichtshalber abgemacht und eingelagert, da sie zu zerfallen drohten.

Die Königskette zieren 210 Silberscheiben und ein vergoldeter Vogel, dessen Herkunft ungewiss ist.

Die Königskette zieren 210 Silberscheiben und ein vergoldeter Vogel, dessen Herkunft ungewiss ist. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

Ungewiss ist die Herkunft eines vergoldeten Vogels, der an der Kette angebracht ist. „Der muss aus dem 17. Jahrhundert stammen“, so Päper, dessen Ehefrau Geschäftsführerin der früheren Buxtehuder Goldschmiede Brunckhorst war. Vor der Schließung wurden hier viele der Schilder angefertigt.

Die Damenabteilung der Schützengilde Buxtehude trägt rot.

Die Damenabteilung der Schützengilde Buxtehude trägt rot. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

6. Rot statt Rott: die Damenabteilung der Gilde

Seit 1997 tragen die Damen der Schützengilde Buxtehude ihre roten Uniformen, erklärt Vorsitzende Annegret Schuckar. Zuvor marschierten die Damen noch nicht mit. Rund 65 Mitglieder gibt es bei den Damen, die kein Rott, sondern eine eigene Abteilung bilden. Neu in diesem Jahr ist es, dass der Festumzug der Besten Dame und des Besten Manns erstmals am Sonntag gemeinsam abgehalten wird.

Mit der Königsfahne geht es los zum Marsch durch die Innenstadt.

Mit der Königsfahne geht es los zum Marsch durch die Innenstadt. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

7. Fahne wehte zu Ehren des Königs

Die Fahnen sind nicht nur schön anzusehen: Bereits 1846 führte die Schützengilde unterschiedliche Feldzeichen ein, um die einzelnen Rotts bei Schießen und Umzügen besser unterscheiden zu können. Bis heute tragen die Rotts ihre eigenen Fahnen und Banner und machen so ihre Zugehörigkeit sichtbar. Während des Zapfenstreichs wurde allerdings nur eine Fahne getragen: die Königsfahne.

Beim Marsch der Schützengilde Buxtehude ging es durch die Innenstadt.

Beim Marsch der Schützengilde Buxtehude ging es durch die Innenstadt. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

8. Musik als Herzstück stärkt die Freundschaft

Die Musik ist die tragende Säule des Zapfenstreichs. Weil die Buxtehuder Schützengilde keinen eigenen Spielmannszug hat, helfen die Gäste aus Altkloster aus. „Diese Hilfe unter den Buxtehuder Vereinen ist etwas ganz besonderes, wir haben eine lange Freundschaft“, sagt Uwe Gährs vom Altklosteraner Schützenverein. Der Spielmannszug begleitet den Marsch bis zum Rathausplatz - dort warten bereits die Blasmusiker. Vor Ort wird unter anderem die Nationalhymne gespielt.

Der Zapfenstreich auf dem Rathausplatz.

Der Zapfenstreich auf dem Rathausplatz. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

9. Zapfenstreich: von durstigen Soldaten zur offiziellen Zeremonie

„Das ist ein echter Gänsehautmoment“, sagt Ehrenpräsident Lindner über den Zapfenstreich. Auch der amtierende König Jürgen Meyer hatte ein Jahr lang auf seinen Moment hingefiebert. Die Wurzeln des Zapfenstreichs liegen weit zurück: 1596 findet der Begriff „Zapfenschlag“ erste Erwähnung, als der Wirt auf den Zapfhahn des Fasses schlug, um den Soldaten zu zeigen, dass der Ausschank beendet sei. Auch geht der Zapfenstreich, wie er heut bekannt ist, auf eine militärische Zeremonie zurück.

Kommandeur des Grünen Rotts, Joost Bochynski, führte in diesem Jahr das erste Mal den Zapfenstreich an.

Kommandeur des Grünen Rotts, Joost Bochynski, führte in diesem Jahr das erste Mal den Zapfenstreich an. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

10. Das Säbel: eine Ehre für jeden Kommandeur

„Die Verwendung des Säbels kommt, ebenso wie das Zeremonielle, aus dem Militärischen“, erklärt Kommandeur Sascha Tiedemann, dessen Säbel aus dem 19. Jahrhundert stammt. In der Gilde werde der Paradesäbel als sichtbares Zeichen der Kommandeure verwendet, die den Ehrenzug führen - scharf ist er natürlich nicht. In diesem Jahr darf erstmals Joost Bochynski, Kommandeur des grünen Rotts, den Zapfenstreich anführen, da der amtierende König aus dem grünen Rott ist. „Das ist was ganz Besonderes für mich“, sagt er.

Die Schützengilde Buxtehude beim Marsch durch die Innenstadt.

Die Schützengilde Buxtehude beim Marsch durch die Innenstadt. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

Das Schützenfest ist damit noch lange nicht vorbei. Am Sonntag stehen unter anderem der Festumzug durch die Innenstadt sowie das Schießen um die Titel Bester Mann und Beste Dame auf dem Programm.

Zum zweiten Mal in Folge Kinderkönig: Der elfjährige Johann Lattki.

Zum zweiten Mal in Folge Kinderkönig: Der elfjährige Johann Lattki. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

Am Montag folgt mit der Proklamation des neuen Schützenkönigs vor dem Rathaus um 21 Uhr der Höhepunkt des Festes, bevor das Schützenfest am Dienstag mit dem traditionellen Papageien- und Vogelschießen zwischen 9.30 Uhr und 14 Uhr ausklingt.

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