TWie die zugfahrende Katze Shila bundesweit für Schlagzeilen sorgte
Zahlreiche Menschen möchten die abenteuerlustige Katze Shila aufnehmen. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Sie fährt gerne mit dem Zug - alleine. Die Halterin konnte die Sicherheit der Draufgängerin nicht mehr gewährleisten und hat Shila schweren Herzens ins Tierheim gegeben.
Nordenham/Oldenburg. Katze Shila aus Berne im Süden der Wesermarsch hat in der vergangenen Woche bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Beamte der Bundes- und Landespolizei sowie des Ordnungsamtes hatten den Stubentiger im Bremer Hauptbahnhof aufgegriffen. Dorthin war sie mit der Regionalbahn gefahren. Sogar die Süddeutsche Zeitung im fernen München hat die Geschichte aufgegriffen. Jetzt ist Shila im Tierheim in Oldenburg gelandet. Und sucht dringend ein neues Zuhause.
Daniela Meyer ist die Leiterin der Katzenabteilung des Tierheims Oldenburg. Sie hat Shila am vergangenen Donnerstag aufgenommen. Der bisherigen Besitzerin, eine Frau aus Berne, habe das Herz geblutet, als sie Shila abgegeben hat, berichtet Daniela Meyer - und betont, dass es der Bernerin einzig um das Wohl der Katze gegangen sei. Shila hat einen solch großen Freiheitsdrang, dass die bisherige Halterin nicht länger für ihre Sicherheit garantieren konnte. Die circa 18 Monate alte Katze zu Hause einzusperren, ist keine Option. „Shila würde die Wände hochgehen“, hat Daniela Meyer von der bisherigen Halterin erfahren. Daher blieb zu deren großem Bedauern nur der Gang ins Tierheim.
Neues Zuhause sollte weit weg von Bussen und Bahn sein
Dort fühlt sich Shila wohl - noch. „Sie hat so viele neue Eindrücke, dass ihr bislang nicht langweilig ist“, sagt Daniela Meyer. Das dürfte sich aber schnell ändern. Deshalb hofft die Tierschützerin, dass sich möglichst rasch ein neues Zuhause für Shila findet - idealerweise ein solches, das weit entfernt von Bussen und Bahn liegt.
Die Bundespolizei hatte am Freitagabend der vorvergangenen Woche den Hinweis erhalten, dass eine Katze durch die Regionalbahn aus Nordenham laufe. Die Beamten fingen das zutrauliche Tier mit Unterstützung von Mitarbeitern des Ordnungsamtes am Bremer Hauptbahnhof ein, nahmen es in ihre Obhut und versorgten es mit Wasser. Wo die Katze in den Zug gestiegen war und wem sie gehört, war zunächst unklar gewesen. Das Rätsel war aber bald gelöst. Shila wurde der Bremer Katzenhilfe übergeben. Kurz darauf meldete sich die Besitzerin aus Berne und holte das Tier in Bremen ab.

Tierpfleger Benjamin Heyer hofft, dass die Katze Shila genau wie andere Tiere aus dem Tierheim Oldenburg ein gutes neues Zuhause findet. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
„Nicht schon wieder!“, war laut Süddeutscher Zeitung der erste Gedanke, als die Besitzerin erfuhr, dass ihre Katze wieder einmal in die Regionalbahn eingestiegen war. Der Gedanke war berechtigt, denn es war nicht das erste Mal, dass sich Shila als Schwarzfahrerin durchgemogelt hatte. Sie hat sich mit der Bahn auch schon in Richtung Nordenham kutschieren lassen, blieb manchmal im Abteil sitzen, bis der Zug wieder in die Gegenrichtung gen Heimat fuhr. Mitunter war Shila aber auch an einem Bahnsteig ausgestiegen, um dann auf die nächste Bahn nach Hause zu warten.
Besuche beim Friseur, beim Blutspenden und im Supermarkt
Dort ließ der Freiheitsdrang nicht nach. Shila, die aus einem großen Wurf aus Polen stammen und wild aufgewachsen sein soll, schaute in Berne gerne mal beim Friseur oder im Supermarkt vorbei, suchte sich in einer Bankfiliale ein Schlafplätzchen. Oder sie ließ sich vom Koch eines Seniorenheims mit Hühnchenfleisch verwöhnen. Einmal habe sie sogar beim Blutspenden zugeguckt.
Shila ist eine kluge Katze. Aber eben auch eine, die gefährlich lebte. Ihre bisherige Besitzerin wollte das Risiko, dass dem Tier auf einem seiner Streifzüge etwas passiert, nicht länger eingehen. Daher wandte sie sich an das Tierheim Oldenburg.

Im Oldenburger Tierheim wartet eine reiselustige Katze auf ein neues Zuhause. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Familie mit viel Action wäre am besten geeignet
Dort sitzt Shila nun buchstäblich hinter Gittern. Hoffentlich nicht allzu lange. Der Adressatenkreis, an den sich Daniela Meyer auf der Suche nach neuen Besitzern wendet, ist allerdings eingeschränkt. Infrage komme nur eine Familie, die weit ab vom Schuss wohnt und in der möglichst viel Action ist. „Dann ist Shila vielleicht nicht so schnell langweilig, und sie geht nicht mehr so viel auf Wanderschaft“, sagt Daniela Meyer. Wer die Kriterien erfüllen kann und der verschmusten Draufgängerin ein neues Zuhause bieten möchte, kann telefonisch unter 0441/504293 oder per Mail an tiere@tierheim-ol.de Kontakt mit dem Tierheim aufnehmen.
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