TZwischen Harry Kane und SG Lühe: Frithjof Hansen coacht Heimatverein
Frithjof Hansen in Steinkirchen: „Hier habe ich meine Liebe zum Fußball entdeckt.“ Foto: Scholz
Frithjof Hansen steht in der 2. Bundesliga an der Seitenlinie. Für einen Abend kehrt er aber zur SG Lühe zurück und bringt die Amateure ordentlich ins Schwitzen.
Steinkirchen. Finn Spiller ist außer Atem. Der Schweiß auf seiner Stirn glänzt im Flutlicht. „Normalerweise laufen wir zum Aufwärmen zwei Runden um den Platz“, sagt er zwischen den Übungen. Heute hingegen absolvieren die Kreisliga-Fußballer der SG Lühe ein ganz anderes Warm-up. Viel intensiver. Das liegt an einem besonderen Gast.
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Eine Stunde zuvor betritt Frithjof Hansen mit einem breiten Lächeln den Platz in Steinkirchen. Noch sind nur SG-Trainer Steffen Wilkens und SG-Obmann Dieter Junge, Hansens Onkel, da. Neben ihnen steht ein Wagen mit bunten Hütchen, Stangen und Bällen. Heute erwartet die Fußballer ein Training unter Profibedingungen.
Nachwuchs trainieren statt Zeitungen austragen
Hansen arbeitet hauptberuflich in der 2. Bundesliga. Beim VfL Osnabrück ist der 30-Jährige Co-Trainer unter Timo Schultz. Und selbst an einem trainingsfreien Tag steht der A-Lizenz-Inhaber in Steinkirchen auf dem Platz und trägt das blaue Shirt seines „Herzensvereins“ SG Lühe. Hier hat Hansen selbst mit Fußball angefangen.
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Früh begann er, auch den Nachwuchs zu trainieren. „Ich hatte keine Lust mehr, Zeitungen auszutragen, und dachte, ich probiere den Trainerjob mal aus“, sagte Hansen vor einigen Jahren. Mit 22 Jahren wurde das Deutsche Fußball-Internat auf ihn aufmerksam und gab ihm einen Drei-Jahres-Vertrag.

Nach seiner Zeit bei D/A ging Frithjof Hansen zum VfL Osnabrück. Foto: kolbert-press
2020 wechselte Hansen zur SV Drochtersen/Assel, 2022 wurde er mit gerade einmal 26 Jahren Cheftrainer der Regionalliga-Mannschaft. Ein Jahr später, nach einem schwachen Saisonstart, musste er den Posten räumen. Seit 2024 ist Hansen in Osnabrück, zunächst als Jugendtrainer, inzwischen als Co-Trainer bei den Profis.
Hansen bereitet das Training akribisch vor
Der Kontakt zur SG Lühe ist trotzdem nie abgerissen. „Ich kann zwar nicht so oft hier sein, aber ich verfolge natürlich das Geschehen“, sagt Hansen. Er ist Mitglied in einigen WhatsApp‑Gruppen, gratuliert zu Erfolgen und hat noch viele gute Freunde im Verein. Einige seiner früheren Jugendspieler kicken inzwischen in der ersten Mannschaft.
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Die Idee, selbst einmal ein Training zu leiten, sei von Hansen gekommen, sagt Obmann Dieter Junge. Mit SG-Trainer Wilkens bereiteten sie die Einheit über mehrere Tage vor. Sie schickten sich Nachrichten und taktische Videos, diskutierten, was davon umsetzbar ist. „Ich investiere schon viel Zeit in die Vorbereitung, aber das war noch mal eine andere Dimension“, sagt Wilkens.

Der 36-jährige Steffen Wilkens coacht den Kreisligisten SG Lühe. Foto: Scholz
Der Schwerpunkt an diesem Abend: Pressing, Gegenpressing und Umschalten, eines von Hansens Spezialgebieten im Osnabrücker Trainerteam. „Schnell im Kopf sein“, sagt er und legt seine Zeigefinger seitlich an die Stirn.
„Er war schon damals sehr zielstrebig“
Noch eine halbe Stunde bis zum Training. „So, wir müssen jetzt aufbauen“, sagt Hansen. Gemeinsam mit Wilkens platziert er Stangen und Hütchen auf dem Rasen. Immer wieder zieht Hansen einen Zettel aus der Hosentasche. „Warm-up“ steht oben, darunter die geplanten Übungen.

Hansen und SG-Trainer Wilkens haben die Einheit tagelang vorbereitet. Foto: Scholz
Die ersten Lühe-Spieler kommen. Hansen begrüßt sie herzlich per Handschlag und Umarmung. Erik Hansen, nicht verwandt, erinnert sich noch gut an seine Jugendzeit: Als kleiner Junge kickte er den Ball gegen die Wand der benachbarten Sporthalle. „Frithjof hat mich dann angesprochen, ob ich hier mittrainieren will“, erzählt der SG‑Stürmer. „Er war schon damals sehr zielstrebig.“

Die SG Lühe trainiert immer dienstags und donnerstags. Foto: Scholz
23 Spieler versammeln sich jetzt im Kreis. Hansen hält eine kurze Ansprache. Laut, deutlich, auf den Punkt. „Letzte Woche stand ich noch neben Harry Kane. Heute bin ich hier. Hier habe ich meine Liebe zum Fußball entdeckt.“
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Osnabrück hatte im DFB-Pokal gegen den FC Bayern gespielt und 1:4 verloren. Jetzt trainiert er Kreisliga-Fußballer. Was für ein Gegensatz.
Dann klatscht er in die Hände. „Habt Spaß!“
Viel Energie, viel Präsenz: Wie früher auf dem Platz
Es dämmert. Das Flutlicht erhellt den Platz, einige Schaulustige lehnen an der Umrandung. Hansen läuft auf und ab, spricht die Spieler mit Vornamen an, erklärt, kommentiert, motiviert. „Mir gefällt seine Energie“, sagt Wilkens. „Das ist wie früher.“

Pressing, Gegenpressing und Umschalten stehen an diesem Abend auf dem Plan. Foto: Scholz

Warm-up in Steinkirchen: 23 Fußballer sind zum Training gekommen. Foto: Scholz
Der Lühe-Trainer spielte schon bei den Herren mit Hansen zusammen. „Frithjof wollte immer Präsenz zeigen und uns älteren Spielern sein Verständnis für Fußball mitteilen“, erinnert sich Wilkens.
Immer Action auf dem Sportplatz
Nun ist die Mannschaft auf drei abgesteckte Felder verteilt. Die Spieler müssen sich viel bewegen, den Ball laufen lassen, auch mal das Feld wechseln. Hansen bläst in die Pfeife. „Schalten, schalten, schalten!“, ruft er.

Frithjof Hansen hat schon früh den Altländer Nachwuchs trainiert. Foto: Scholz
Von außen sieht es wuselig aus, doch die Idee ist dieselbe wie bei den Profis: Die Spieler sollen auch unter Stress schnelle Entscheidungen treffen. „Schnell im Kopf sein, immer Action“, sagt Hansen.
Die Übung ist vorbei. Finn Spiller holt Luft. „Das ist mal was anderes, viel Tempo“, sagt er. Dann geht es weiter, das nächste Feld ist bereits aufgebaut.
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