20.10.2016, 12:00
Raubmord: Mutmaßlicher Haupttäter von Bützfleth ist bekannt und flüchtig
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BüTZFLETH. Der brutale Raubmord an dem Bützflether Geschäftsmann Ernst Burmeister steht vor der Aufklärung: Ein Haupttäter wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, gegen drei weitere Verdächtige wird ermittelt, darunter ist auch ein Enkel des Verstorbenen.

 Nach TAGEBLATT-Informationen sind die Fahnder in den vergangenen Tagen fast zum Erfolg gekommen: Nach den bisherigen Ermittlungen, die im Kern von der Staatsanwaltschaft bestätigt werden, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen der Polizei und Justiz bekannten 25-jährigen Deutsch-Libanesen.


Er soll am 9. September in Bützfleth das Ehepaar Burmeister überfallen haben. Gegen 21 Uhr klingelte er mit einem weiteren Maskierten an der Tür eines Einfamilienhauses im Mühlenweg. Als die 73-jährige Bewohnerin die Tür öffnete, griff einer der Täter die ältere Dame unvermittelt an und schlug auf sie ein. Der Unbekannte hielt sie fest und forderte die Herausgabe von Bargeld, während der zweite Täter ebenfalls das Haus betrat und den 79-jährigen Ehemann mit Gewalt unter seine Kontrolle brachte. Offenbar konnten die Räuber einige Tausend Euro Bargeld sowie einige Schmuckgegenstände erbeuten. Zwei Tage später starb der überfallene 79-Jährige im Elbe Klinikum Stade an den Folgen der Misshandlungen. Er war Fruchtgroßhändler und als Gesellschafter des HSV bekannt. Die abscheuliche Tat bekam dadurch eine überregionale Bedeutung, in den Boulevard-Medien wird das Opfer daher auch als „HSV-Millionär“ tituliert.

Ein Enkel der Opfer gehört zu den Verdächtigen

In dem international tätigen Unternehmen sind die vier Söhne von Ernst Burmeister in der Geschäftsführung – was diesen Fall besonders tragisch erscheinen lässt, denn nach TAGEBLATT-Informationen gehört ein Enkel des überfallenen Ehepaars zu den Beschuldigten. Zunächst schien der Enkel J. B. nur indirekt an der Tat beteiligt zu sein. Die Ehefrau hatte bei ihrer Vernehmung ausgesagt, dass sie arglos an jenem Freitagabend die Haustür geöffnet hatte, weil sich der Enkel angesagt hatte. Stattdessen kamen die Räuber in das mit Kameras überwachte und geschützte Anwesen. Der Enkel schien zunächst nur eine tragische Nebenrolle zu spielen, jetzt steht er im Verdacht, an der Tat beteiligt zu sein, da er dem Haupttäter den entscheidenden Tipp gegeben haben soll. Oberstaatsanwalt Kay Thomas Breas wollte Details nicht nennen, bestätigte aber, dass gegen vier Beschuldigte ermittelt wird. Aus Justizkreisen wurde dem TAGEBLATT gestern Abend bestätigt, dass der 27-jährige Enkel zu den Beschuldigten gehört. Der junge Mann, der nicht im Fruchtgroßhandel arbeitet, soll seit Jahren Kontakte ins Drogenmilieu haben, unter anderem zu dem vermuteten Haupttäter, dem Deutsch-Libanesen Mahmoud W., der seit Jahren bei Polizei und Justiz in Stade bekannt ist.

Bei einer Hausdurchsuchung am Dienstag in der Liegnitzer Straße im Altländer Viertel in Stade wurde er nicht angetroffen, es wurden aber zahlreiche Beweismaterialen sichergestellt. Der Mann soll in den Libanon geflüchtet sein und wird jetzt per internationalem Haftbefehl gesucht. Allerdings gibt es mit dem Libanon kein Abkommen für eine Auslieferung nach Deutschland.

Mutmaßlicher Haupttäter saß bis August in Untersuchungshaft

Dieser 25-jährige mutmaßliche Räuber stand am 17. August vor dem Landgericht in Stade – auch wegen eines Raubüberfalls. Das Landgericht hatte ihn und einen Mittäter wegen besonders schweren Raubes zu drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haftstrafen verurteilt (das TAGEBLATT berichtete). Sie sollen einen Mann im September 2014 in dessen Wohnung aufgesucht und aufgefordert haben, ihnen Drogen zu verkaufen. Weil das Opfer sich weigerte, sollen sie ihn mit einem Elektroschocker bedroht und in den Würgegriff genommen haben. Die Beute: 1100 Euro und eine kleine Menge Cannabis.

Der Deutsch-Libanese saß seit 23. Januar in Untersuchungshaft. Nach der Urteilsverkündung wurde vom Landgericht der Haftbefehl aufgehoben, bis zur Rechtskraft des Urteils kam der Mann in Freiheit, 21 Tage später überfiel er das Ehepaar in Bützfleth. Offenbar brauchte er Geld für die vorbereitete Flucht – und beging dabei einen Raubmord.

Mehr zum Thema: Warum das Landgericht Mahmoud W. freigelassen hat

Anmerkung der Redaktion: In der Ursprungsfassung dieses Artikels wurde einer der mutmaßlichen Täter "Mohamed W." genannt. Dabei handelte es sich um einen Irrtum: Der korrekte Name lautet "Mahmoud W.". Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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