Was 2016 auf Hamburg zukommt
Ein Thema in 2016: Die Elbvertiefung. Foto dpa
Die Olympia-Chance ist futsch, doch langweilig wird es 2016 in Hamburg kaum werden. Ein Blick auf die mutmaßlich wichtigsten Entscheidungen des kommenden Jahres - und auf die Chancen, dass es wirklich so kommt.
1. Elbvertiefung
Vermutlich bis zum Sommer wird das Bundesverwaltungsgericht abschließend über die Klagen von Umweltschützern gegen die Fahrrinnenanpassung entscheiden. Von einer vertieften Unterelbe hängt laut Senat und Hafenwirtschaft nichts weniger als die Zukunft des Hafens ab. Prognose: schwierig. Manches spricht jedoch dafür, dass die Bundesrichter der Ausbaggerung zustimmen, dies aber mit strengen Umweltauflagen verknüpfen. Das würde weitere Zeit und weiteres Geld kosten. Senken die Richter den Daumen, droht Hamburg der Abstieg in die zweite Liga der Welthäfen.
2. Elbphilharmonie
Viele hatten schon nicht mehr daran geglaubt, doch wenn nicht alles täuscht, wird das Konzerthaus an der Elbe tatsächlich fertig. Und zwar pünktlich, jedenfalls nach dem neuen Zeitplan. Der sieht vor, dass der Baukonzern Hochtief die Elbphilharmonie zum 30. Juni 2016 an die Stadt übergibt, die endgültige Abnahme soll dann bis September erfolgen. Anfang November könnten die Hamburger ihr neues Wahrzeichen in Beschlag nehmen, wenn die für jedermann zugängliche Plaza in 37 Metern Höhe ihre Pforten öffnet. Das Eröffnungskonzert ist für den 11. Januar 2017 angesetzt. Prognose: sieht gut aus. Seit der Neuordnung des Pannenprojekts 2013 sind Hochtief und die Architekten zeitlich wie finanziell im Plan.
3. Flüchtlinge
Der ungebrochene Ansturm von Flüchtlingen zwingt Hamburg zum Tabubruch. Für die Folgeunterbringung der Asylbewerber will die Stadt sieben Großsiedlungen für je 3000 Menschen aus dem Boden stampfen. Solche Quartiere galten wegen der schlechten Erfahrungen mit Trabantenstädten der 1970er als No Go. Nun plant der Senat den Bau binnen zwölf Monaten, was nicht nur technisch eine Herkulesaufgabe bedeutet. Auch der Widerstand in den Stadtteilen ist groß, Kritiker warnen vor Ghettobildung. Prognose: Die Flüchtlingsunterbringung bleibt Hamburgs größte Baustelle. Mangels besserer Alternativen führt an den Express-Großsiedlungen kein Weg vorbei.
4. XFEL
Ab 2009 ließen Wissenschaftler zwischen Hamburg und Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein) einen 3,4 Kilometer langen Hightech-Tunnel graben. Entstanden ist die weltweit beispiellose Forschungsanlage XFEL (für: X-Ray Free-Electron Laser, deutsch: Röntgenlicht-Freie-Elektronen-Laser). In dem Mega-Mikroskop (Kosten: 1,2 Milliarden Euro) erzeugen Forscher 27.000 Röntgenblitze pro Sekunde, die nie beobachtete Prozesse im Molekularbereich sichtbar machen. Vor wenigen Tagen wurden testweise die ersten Elektronenpakete erzeugt. 2016 muss sich nun zeigen, ob die Anlage funktioniert. Ende des Jahres soll der Linearbeschleuniger bis zum Osdorfer Born fertig sein. Der Beginn des Experimente wurde auf 2017 verschoben. Prognose: Trotz Zeitverzugs wird der Bau der einzigartigen Forschungsröhre gelingen – und der Norden ein Mekka für Materialforscher aus aller Welt.
4. Fernwärme-Kraftwerk
Mitte 2016 will und muss Hamburg entscheiden, ob es zur Wärmeversorgung ein großes Gaskraftwerk in Wedel (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein) baut oder nicht. Noch ringen die Senatskoalitionäre um die Antwort. Die SPD setzt auf ein Gas- und Innovationskraftwerk (GuD), das ursprünglich rund eine halbe Milliarde Euro kosten sollte. Die Grünen wollen einen Mix aus kleineren Einheiten und alternativen Energieformen und so das Ende des fossilen Zeitalters bei der Fernwärme einläuten. Prognose: Das GuD Wedel kommt nicht, zumindest nicht in der geplanten Größe. Wahrscheinlich ist, dass die SPD der Einbeziehung von Erdwärme, Biomasse und Industrieabwärme zustimmt – auch um dem Senatspartner mal einen politischen Erfolg zu gönnen.
6. Kunsthalle
Nach fast zweijährigem Umbau soll die runderneuerte Kunsthalle Ende April wiedereröffnen. Das aus drei Gebäuden bestehende Ensemble (Kunsthalle, Gründerzeitbau, Galerie der Gegenwart) soll zu einem der fünf bestbesuchten Kunstmuseen in Deutschland werden. Zugleich möchte es Hamburg dank des modernisierten und erweiterten Angebots auch auf die Landkarte internationaler Kunst-Touristen schaffen. Kernstück der Sanierung war die Wiederbelebung des historischen Eingangsbereichs nach mehr als 100 Jahren. Möglich wird die Auffrischung erst durch eine 15-Millionen-Euro-Spende von Unternehmer Alexander Otto. Prognose: Die Kunsthalle wird zum neuen Anziehungspunkt von Kunstfreunden aus der Stadt und von weit darüber hinaus. (mlo)