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Dammhausen vor Hochwasser schützen

Blick auf den Polder im Bullenbruch . Foto Google Earth/Grafik Schwartau

Blick auf den Polder im Bullenbruch . Foto Google Earth/Grafik Schwartau

Die SPD ist in Sorge, seit Jahren ist die Ortschaft Dammhausen ohne Schutz, die Fluten der Aue/Lühe bedrohen den Buxtehuder Westen.

Donnerstag, 08.09.2016, 15:58 Uhr

Nicht nur die CDU, sondern auch die Buxtehuder SPD fordert, dass der Bullenbruch-Polder endlich realisiert wird. „Es kann nicht sein, dass die Entschädigungsfrage für die Landwirte immer noch nicht geklärt ist“, sagt Horst Subei (SPD). Die Stadt habe bereits signalisiert, einem Entschädigungsfonds beizutreten, jetzt müssten die Kommunen entlang der Aue/Lühe in den Samtgemeinden Horneburg, Harsefeld und Lühe sich bewegen, denn diese profitierten zum einen von dem bereits fertiggestellten Überlauf in Horneburg, zum anderen hielten sie das Wasser im Oberlauf nicht ausreichend zurück.

Das Land müsse die Entschädigungsfrage im Wasserhaushaltsgesetz endlich regeln, fordert Ratsmitglied Subei. Hintergrund: Seit der Fertigstellung des Aue-Deichs ist Horneburg geschützt. Allein Dammhausen ist weiterhin von einem Hochwasser bedroht. Bei der Starkregenflut von 2002 hatte ein Sandsack-Damm die Fluten westlich der Stadt am Poggenpohl gerade noch gestoppt.

Seitdem ist der Bau eines 650 Hektar großen, vier Millionen Euro teuren Hochwasserentlastungspolders zwischen Horneburg und Buxtehude geplant. Der Entwurf des Planfeststellungsbeschlusses liegt bereits seit Ende 2014 beim Deichverband der II. Meile Alten Landes. Seit 2010 läuft das Verfahren. Wie berichtet, fürchten Landwirte bei einer Flutung Schäden von bis zu 400 000 Euro.

Des Weiteren will die SPD, dass die Stadt eine Befragung der Kindergarten-Eltern durchführt, vermutlich gebe es Bedarf für andere Betreuungszeiten. Ratsherr Nick Freudenthal verweist auf den Gleichstellungsbericht.

Die Zeiten im Ganztagsbereich reichten bei einigen Müttern nicht mehr aus, um einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Idee: Die Stadt beantragt Mittel aus dem Kita-Plus-Förderprogramm des Bundes. Der trägt bis Ende 2018 bis zu 95 Prozent der Kosten, die durch flexiblere Öffnungszeiten, etwa für Schichtgänger entstehen. Denkbar ist eine Ausweitung an Werktagen, an Wochenenden oder nachts. Im neuen Rat wäre der SPD eine Mehrheit sicher, die CDU will einen zweiten Betriebskindergarten und bedarfsgerechte Betreuungszeiten.

Hintergründe zum Bullenbruch-Polder

Seit der Starkregen flut von 2002 ist der Bau eines Hochwasserentlastungspolders im Bullenbruch im Gespräch. Damals hatte einSandsackDamm die Fluten westlich der Stadt Buxtehude am Poggenpohl noch gestoppt, in Horneburg hatte die Aue unter anderem das Wohn gebiet in den Kalkwiesen und den Bullenbruch überschwemmt. Bereits seit 2010 läuft das Planfeststellungsverfahren. Kurzum: Buxtehude (vor allem Dammhausen) ist von zwei Seiten bedroht – von der Este und von der Aue. Das Konzept: Bei 2,30 Meter über Normalnull (NN) wird das Wasser der Aue bei einer Starkregenflut „kontrolliert“ über die 160 Meter breite, bereits fertiggestellte Hochwasserentlastungsanlage überlaufen; durch Rohre unter der Kreisstraße und einen Kanal fließt es in den Hochwasserentlastungspolder Bullenbruch. Der 650 Hektar große Polder soll von Mini-Deichen, bis zu elf Meter breite und 1,50 Meter hohe (über NN) Verwallungen aus Kleiboden, begrenzt werden; auch die Wirtschaftswege wie der Neukloster Heuweg werden zu Hochwasserschutzdämmen ausgebaut.

Schon heute müssen Landwirte mit Hochwasser rechnen; bereits 1843 wurde festgelegt, dass die Aue bei Hochwasser über den Deich ablaufen soll. Ohne Polder müssten die Deiche für eine hochwasserfreie Durchführung in Horneburg von 3,50 auf 5,50 Meter über NN erhöht werden. Die Hochwasserentlastungsanlage an der Kreisstraße ist eine 160 Meter breite Überlaufschwelle zum Bullenbruch. Bei Hochwasser läuft das Wasser – ab einem Wasserstand von 2,30 Meter über Normalnull (NN) – über eine mit Schüttsteinen befestigte Böschung durch zehn Durchlässe unterhalb der K 36 und den Mittelkanal in den Bullenbruch. Ohne den Überlauf hätten die neuen Deiche für eine hochwasserfreie Durchführung der Aue durch Horneburg nicht nur auf 3,50 Meter, sondern auf 5,5 Meter NN erhöht werden müssen. Bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter müsste der Polder im schlimmsten Fall aufnehmen; erst ab einer Million Kubikmeter ist der Polder vollständig überflutet. Mit den aufgerüsteten Schöpfwerken Bullenbruch und Neuland könnte der Polder in sieben bis acht Tagen leergepumpt werden – auch um Schäden in der Landwirtschaft (Gärprozesse) zu minimieren. In der Regel werden nur die Gräben geflutet. Szenarien: Starkregenflut im Sommer oder Sturmflut plus Schließung des Lühesperrwerks und winterliche Regen- /Tauwetterereignisse. Durch den Polder würde der Bau von Rückhaltebecken oberhalb der B 73 in Horneburg und in Kakerbeck überflüssig. Geprägt wird der Bullenbruch vom Grünland, hinzu kommen Acker- und Obstbau. Die Hälfte wird extensiv bewirtschaftet, 270 Hektar sind Ausgleichsflächen.

. 3,5 Millionen Kubikmeter müsste der Polder im schlimmsten Fall aufnehmen; erst ab einer Million Kubikmeter ist die Wanne, die auch eine Rückhaltung im Oberlauf überflüssig macht, voll. Mit den Schöpfwerken Bullenbruch und Neuland könnte der Polder in sieben Tagen leergepumpt werden, auch, um Schäden in der Landwirtschaft („Gärprozesse“) zu minimieren. In der Regel würden aber nur Gräben geflutet. Szenarien: Starkregenflut im Sommer oder Sturmflut plus Schließung des Lühesperrwerks und winterliche Regen-/Tauwetterereignisse.

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