Zähl Pixel
Archiv

Die Bahnhofstraße ist besser als ihr Ruf

Rainer Bliefernicht ist Inhaber von Spiel und Sport Grob.

Rainer Bliefernicht ist Inhaber von Spiel und Sport Grob.

Hat die Bahnhofstraße ein Problem in Sachen Attraktivität? Der Bereich zwischen Bahnhof und historischer Altstadt steht immer wieder in der Diskussion. Zuletzt hat die SPD im Rat der Stadt Buxtehude einen Vorstoß unternommen. Das TAGEBLATT hat sich bei Geschäftsleuten umgehört.

Von Karsten Wisser Sonntag, 05.03.2017, 16:44 Uhr

Der Buxtehuder SPD-Parteichef Alexander Paatsch will ein Konzept für die Verbesserung der Situation in der Einkaufsstraße erarbeiten lassen – mit Fördermitteln aus dem Bundesprogramm „aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ und mit 50 000 Euro aus dem eigenen Haushalt.

„Bei vielen Buxtehudern und insbesondere bei den Gewerbetreibenden hören wir immer wieder Klagen über den Zustand der Bahnhofstraße“, sagt Paatsch, der bei der niedersächsischen Landtagswahl im Januar 2018 als Kandidat für den Südkreis antritt. Die Fußgängerfrequenz in der Straße ist hoch. Trotzdem gibt es Geschäftsaufgaben und Wechsel, Leerstände und wie in der Altstadt viele Bäcker und Friseure, dazu einige Spielhallen. Auch die Parkplatzsituation ist oft Gegenstand der Diskussion. Es gebe zu wenige, heißt es immer wieder. Unstrittig ist auch, dass die Behindertenparkplätze zum Teil für ihren Zweck nicht nutzbar sind.

Hohe Fluktuation? Das ist sicher nicht das Thema von Rainer Bliefernicht. Spiel und Sport Grob gibt es seit 1953 in einem denkmalgeschützten Gebäude gleich am Eingang zur Bahnhofstraße. Seine Familie hat das kleine Kinderparadies im Jahr 1980 übernommen. Es selbst ist seit 1991 dort Chef. Mehr Tradition wird sich in der Bahnhofstraße kaum finden lassen.

„Wenn wir über Probleme des Einzelhandels reden, müssen wir auch immer über das Internet reden“, sagt Bliefernicht, der in Harburg-Marmstorf lebt und sich dort – als Vorsitzender des Verkehrsausschusses und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung – politisch engagiert. Er selbst hat auf die Konkurrenzsituation zum „world wide web“ durch einen eigenen Online-Shop reagiert, mit dem er pro Jahr einen zusätzlichen Monatsumsatz erwirtschaftet. Aus der Erfahrung aus Harburg heraus hält Bliefernicht die Möglichkeiten, mit der Stadtplanung Dinge grundsätzlich zu ändern, für beschränkt, und er sieht Buxtehude im Vergleich zu anderen Städten in der Region ganz gut aufgestellt. „Buxtehude hat den Vorteil, dass es mit seiner historischen Altstadt und dem Alten Land immer einen Ausflug wert ist“, sagt er. Wichtig sei, dass Kunden die Geschäfte gut mit dem Auto erreichen könnten. Von der Einrichtung einer Fußgängerzone oder einer Einbahnstraße in der Bahnhofstraße hält es deshalb nichts. Schon deshalb, weil viele Kunden aus der Region aufgrund mangelhafter Ausstattung des öffentlichen Personennahverkehrs nur mit dem Auto nach Buxtehude kommen könnten.

In der Bahnhofstraße betreibt Beatrice Kietzmann gemeinsamen seit 2012 ihr Dessous-Geschäft. Vorher hatte sie ihr Geschäft am Westfleth. Als Sprecherin der Initiative Bahnhofstraße ist sie mit ihren Mitstreitern dabei, die Straße attraktiver zu gestalten – unterstützt auch vom Stadtmarketing (siehe Kasten). Ihre eigenen Erfahrungen nach dem Umzug in die Bahnhofstraße sind rundum positiv. „Der Umsatz ist hier explodiert“, sagt sie. Die Bahnhofstraße sei wie eine kleine Ameisenstraße, in der unheimlich viele Menschen tagtäglich den Weg vom Bahnhof zur Altstadt zurücklegten. Sie spricht sich bei der Frage, was besser werden könne, dafür aus, mehr Verweilmöglichkeiten zu schaffen. „Das wäre wichtig.“ Sie selbst stellt bei passendem Wetter auch Stühle vor die Tür, die gut genutzt werden würden. Ihrer Erfahrung nach kommen die meisten Kunden mit dem Auto.

Mehr Verweilmöglichkeiten, weniger Spielhallen und mehr Außengastronomie – das würde der Bahnhofstraße gut tun, ist auch Marktkauf-Leiter Hauke Scheepker überzeugt. Von Überlegungen, die Bahnhofstraße zur Einbahnstraße oder ähnlich wie den Torfweg zu einer verkehrsberuhigten Shared-Space-Zone umzugestalten, hält Scheepker ebenfalls nichts. Auf die wenigen Parkplätze vor ihren Geschäften seien vor allem die Kleinen in der Bahnhofstraße angewiesen. Und: Die schönen Alleebäume müssten bei einer Umgestaltung unbedingt erhalten bleiben. Wichtig wäre, dass die Politik bei der Überplanung die Unternehmer und Eigentümer mit an den Tisch holt.

Die Bahnhofstraße Buxtehude will im Gespräch bleiben – positiv: Mit dem BULLEvard, neuer Bepflanzung, neuen Entsorgungsinseln für Abfalltonnen und gemeinsamen Aktionen hat die Initiative bereits einiges erreicht. Nach dem Abbruch des Geesttores Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Häuser wie Peper’s Hotel. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Hamburg-Cuxhaven 1881 bildete der Auftakt für eine intensive Bebauung – erst mit Villen entlang der Linden-Allee, später (ab 1940) auch mit Geschäfts- und Wohnhäusern. 1929 wurde das Krankenhaus eingeweiht. Ende der 1960er Jahre regierte die Abrissbirne. Die 800 Meter lange Straße erhielt ihr heutiges Aussehen, rund 40 Geschäfte gibt es, 350 Menschen leben dort.

Beatrice Kietzmann von der Initiative Bahnhofstraße.

Beatrice Kietzmann von der Initiative Bahnhofstraße.

Hauke Scheepker ist Leiter der Marktkauf-Filiale.

Hauke Scheepker ist Leiter der Marktkauf-Filiale.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.