Malerschule mit Leben füllen
In der ältesten Maler-und Lackiererfachschule in Deutschland geht am 31. März das Licht aus: Weil der Meister-Nachwuchs fehlt, muss Direktor Jörg Jacob Basedahl die 1877 gegründete Malerschule an der Hafenbrücke schließen.
Noch ist unklar, wie die städtische Immobilie in Zukunft genutzt werden soll. Verwaltung und Politik wollen im Laufe dieses Jahres ein Nutzungskonzept entwickeln. Klar ist: CDU, SPD, FDP, BBG/FWG und Grüne lehnen einen Umbau in Wohnungen ab, die Mehrheit setzt auf Bildung, Tourismus und Kultur, um die alte Malerschule langfristig mit Leben zu erfüllen. Lediglich die Linkspartei favorisiert Wohnungsbau. In der nächsten Woche wird die Politik erstmals öffentlich im Bauausschuss beraten.
Die Verwaltung hat noch kein fertiges Konzept in der Schublade, so der Erste Stadtrat Michael Nyveld und der Fachgruppenleiter für Tourismus und Kultur, Torsten Lange. Wohnen sei kein Thema, alles andere ist noch offen. Im Bau- und Liegenschaftsausschuss am Dienstag, 12. Januar, 18.30 Uhr, will die Verwaltung im Stadthaus alle bekannten Vorschläge präsentieren und Fördermöglichkeiten aufzeigen. „Es gibt keine Denkverbote“, sagt Nyveld. Allerdings müsse der Denkmalschutz berücksichtigt werden. Die Hansestadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Wassertourismus zu stärken – unter anderem sollen laut Tourismuskonzept am Hafen Sanitärräume für Freizeitskipper geschaffen werden.
Bislang liegt erst ein Konzept vor: Das Kulturforum am Hafen will das Erdgeschoss nutzen. „Wir sind weiter an einer langfristigen Nutzung interessiert, sagt Dieter Klar. Buxtehude brauche einen Saal für 150 bis 200 Personen. Mit Konzerten, Feiern, Theater und Kunst soll Leben einziehen; Tanz- und Ballettschulen sowie Musik- und Theatergruppen seien willkommen, auch ein Seniorenclub ist geplant. Die Hafenmeisterei mit Duschen/WCs könnte im Seitentrakt unterkommen.
Nur Kultur, das kann sich die CDU nicht vorstellen. Sie unterstütze allerdings das Klar-Konzept, das Erdgeschoss könne das Kulturforum nutzen. „Es darf aber keine Konkurrenz zur örtlichen Gastronomie werden“, sagt Robert Kamprad. Die oberen Räume sollte die Stadt an Gewerbetreibende vermieten. Sollte die Hochschule 21 Bedarf anmelden, habe diese Vorrang. „Wir wollen eine Mischnutzung.“
Die SPD hat sich noch nicht entschieden. „Gucken, beraten und entscheiden“, gibt Fraktionschefin Astrid Bade als Devise aus. Irgendetwas im Bereich Bildung, Kultur und Tourismus, das sei die „grobe Vorstellung“ der Sozialdemokraten. Der „Sportentwicklungs-Plan“ müsse bei der Erarbeitung eines Konzepts für die Malerschule berücksichtigt werden. Auch Reha-/Gesundheitssport könnten angeboten werden.
„Das Gebäude sollte in städtischer Hand bleiben“, sagt die Fraktionsvorsitzende der FDP, Dörte Matthies. Den Liberalen schwebt eine gastronomische Nutzung vor. „Ein Restaurant bietet sich an – mit einem großen Saal. Der fehlt einfach in der Innenstadt“, sagt Matthies. Die Vermietung an einen Privaten würde auch die Einnahmen der Stadt erhöhen. Und in einem Teil des Gebäudes könnten Ateliers, Hafenmeisterei und Sanitärräume für Wassertouristen untergebracht werden.
Die Grünen wollen, dass die Malerschule in Zukunft möglichst jeden Tag – „tagsüber und abends“ – genutzt wird, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Michael Lemke. Gastronomie sei offenbar nicht mehrheitsfähig. Seine Fraktion könnte sich eine Nutzung durch die Hochschule 21, die Buxtehuder Volkshochschule – und das Kulturforum vorstellen. „Hier könnte ein kleiner Campus entstehen“, sagt Lemke, der Saal könnte vom Forum für Theater, Kleinkunst und Konzerte genutzt werden, für größere, wilde Parties sei das Denkmal ungeeignet. Die historische Bausubstanz müsse bewahrt werden. Langfristig könnte auch die Stadtbibliothek hier untergebracht werden, schließlich sei das Haus in der Fischerstraße zu klein, die Leseförderung werde immer wichtiger.
In einem Punkt sind sich Grüne und SPD einig, möglicherweise müsse die Malerschule für Flüchtlinge in Anspruch genommen werden. „Sport- oder Fabrikhallen als Unterkunft – das wollen wir nicht“, sagt Lemke,
Die BBG/FWG-Fraktion setzt auf Bildung, Tourismus und Kultur, das Konzept des Kulturforums, das Erdgeschoss mit dem Saal zu einem ‚Kulturtempel‘ ausbauen, sei gut. Ein Teil des Gebäudes sollte, so Ratsherr Bodo Klages, dem Gastronomen Tim Franz (Ex-Rebel‘s Choice Irish Pub) angeboten werden, nachdem der Ratskeller anderweitig vergeben werden soll. Die oberen Räume könnten auch VHS, Hochschule und anderen Bildungsträgern angeboten werden.
Klemens Kowalski (Linke) hält von diesen Plänen nichts. Er setzt auf barrierefreies Betreutes Wohnen in der Malerschule: „In der Stadt fehlt bezahlbarer Wohnraum – gerade für Senioren.“
Geschichte
Die Malerschule Buxtehude wurde 1877 als Abteilung des Technikums gegründet. 1848/1853 war der Fluss-Lauf reguliert worden, um die Schiffbarkeit zu verbessern. Sand und Schlick der „Estekorrektion“ kippten die Buxtehuder in der Mitte der alten Reede vor dem Fleth-Hafen ab und befestigten das Geviert. Der englische Kaufmann William Dawson erwarb die Insel für 500 Reichstaler und errichtete 1853/1854 eine Steingutfabrik. Doch der Betrieb rentierte sich nicht. Zeitweise als Lager und Bleiweißfabrik genutzt, zog 1901 die Malerschule ein. 1907 wurde diese aufgestockt. Im Seitenflügel ist seit 2008 das Kulturforum untergebracht.