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Erstes Drachenfest auf Krautsand

Neben Tieren wählen Drachenbauer häufig auch Comicfiguren als Vorlagen für ihre Flugobjekte. Fotos: Meybohm

Neben Tieren wählen Drachenbauer häufig auch Comicfiguren als Vorlagen für ihre Flugobjekte. Fotos: Meybohm

Der Himmel war bunt über Krautsand – und das trotz einiger grauer Wolken. Das erste Drachenfest lockte am Wochenende Hunderte Besucher auf die Elbinsel, wo zahlreiche farbenfrohe Kunstwerke im Wind flatterten.

Von Catharina Meybohm Sonntag, 09.10.2016, 17:02 Uhr

Ein paar Meter über dem Sandstrand zappelt eine riesige Krabbe an der Leine, die fest im Boden verankert ist. Am anderen Ende der Schnur lehnen sich Yvonne und Christopher Grundmann aus Buxtehude in ihren Klappstühlen zurück und beobachten das bunte Tier bei seinem Tanz in der Luft. Für die beiden Drachenbauer sei das die reine Erholung, sagen sie.

Seit zehn Jahren betreiben die Grundmanns ihr Hobby. Ihre Drachen nähen sie selbst mit der Maschine. Wie für T-Shirts und Kleider gibt es auch für fliegende Krabben aus Spinnaker Schnittmuster. „Das ist nur wesentlich aufwendiger als ein T-Shirt“, erklärt Christopher Grundmann. Denn jeder Drachen brauche ein Innenleben, Extranähte und Schnüre, damit er die Form behält. Neben der Krabbe schwebt der Maulwurf aus der Sendung mit der Maus über dem Sand. „Daran haben wir ein Wochenende nonstop genäht“, sagt Yvonne.

Außer den Grundmanns haben noch über 30 weitere Drachenbauer und -flieger an diesem Wochenende den Weg nach Krautsand gefunden. Einige sind sogar aus Bayern angereist, um ihre selbstgenähten Drachen steigen zu lassen.

Bei der ersten Auflage des Drachenfests ziehen Fische, Papageien, Zeichentrickfiguren und bunte Fantasiegebilde durch die Luft. Die Windbedingungen sind perfekt. Auch am Boden nicht die Spur einer Flaute: Hunderte Besucher schlendern auf dem Deich und am Strand entlang oder sitzen gemütlich mit einem Getränk an der Strandbar und bestaunen das Spektakel am Himmel. Am Sonnabend bietet sich mit Einbruch der Dunkelheit ein besonders schöner Anblick: Bei der Nachtflugshow steigen beleuchtete Drachen in die Luft. Einige sind mit Reflexionsbändern ausgestattet, die schillern, wenn sie mit der Taschenlampe angestrahlt werden.

Vor allem Familien mit Kindern besuchen das Drachenfest. Im Zelt können die Kleinen eigene Drachen bauen, bemalen und dann gleich steigen lassen. Andere bringen gleich von Zuhause ihr eigenes Fluggerät mit; so auch der dreijährige Johan Sievert aus Stade. Obwohl er erst zum zweiten Mal in seinem Leben einen Drachen steigen lässt, hat er schon den Dreh raus: Mit einer Hand hält der Knirps seinen gelben Drachen fest im Griff.

Vor gut einem Dreivierteljahr hatte Veranstalter Dirk Ludewig die Idee für das Drachenfest auf Krautsand. Unterstützung bekam er von einer Familie aus Otterndorf, die sich selbst „Die Ottis“ nennt und dort seit 2006 das alljährliche Drachenfest organisiert. Auch Yvonne und Christopher Grundmann aus Buxtehude schwärmen vom Drachenfest in Otterndorf. Für ihre Leidenschaft nehmen sie sogar noch weitere Wege in Kauf. „Wir waren auch schon in Fanø in Dänemark“, erzählt Yvonne. „Das ist sozusagen das Woodstock der Drachenflieger.“ Für sie haben die fliegenden Kunstwerke nicht nur im Herbst Hochsaison, sondern das gesamte Jahr über.

Mit dem Ansturm auf sein Drachenfest hat Dirk Ludewig nicht gerechnet. „Die Resonanz ist überwältigend. Es wird definitiv ein zweites Drachenfest geben“, verspricht er und hofft, die Veranstaltung als Traditionsfest etablieren zu können.

Seit zehn Jahren Hobby-Drachenbauer: Yvonne und Christopher Grundmann aus Buxtehude.

Seit zehn Jahren Hobby-Drachenbauer: Yvonne und Christopher Grundmann aus Buxtehude.

Die Krabbe hat das Ehepaar Grundmann selbst genäht.

Die Krabbe hat das Ehepaar Grundmann selbst genäht.

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