Vom Vollblutpolitiker zum Pensionär
Hans-Wilhelm Bösch ist im Sommer 2015 als hauptamtlicher Bürgermeister von Drochtersen im Alter von 66 Jahren in den Ruhestand gegangen und hat diesen Sprung offenbar schadlos überstanden. Wie geht es eigentlich dem Ex-Politiker als Pensionär?
„Zugegeben“, gesteht Bösch, „es war schon eine Umstellung, auf einmal von hundert auf null herunterzufahren.“ Aber er sieht das gelassen: „Ich mische mich nirgends mehr ein.“ Stattdessen konzentriert sich Bösch auf sich und seine Familie. Er habe bewusst Angebote abgelehnt, verpflichtenden Ämter anzunehmen, wie andere es machen. Seine Familie sei über Jahre zu kurz gekommen. In den Herbstferien hatte er einen „Opa-Urlaub“ mit zwei seiner drei Enkeln gemacht.
Dennoch: Ein wenig Wehmut klingt heraus, wenn Bösch auf seine aktive Zeit zurückblickt. Immerhin war er 19 Jahre lang Bürgermeister der großen Einheitsgemeinde Drochtersen – davon die letzten acht hauptamtlicher Bürgermeister. Weil er zur Minderheit der Bürgermeister gehört, die nach Einführung der Eingleisigkeit und Direktwahl der Bürgermeister nicht aus der Verwaltung kamen, wurde er gerade zu Beginn seiner Amtszeit oft kritisiert. Doch das ist Schnee von gestern. Er habe immer gute Verwaltungsfachleute im Hintergrund gehabt – zuletzt den jetzigen Drochterser Bürgermeister Mike Eckhoff, der „seinen Job gut macht“.
Hans-Wilhelm Bösch hatte seinen Terminkalender immer voll – auch an den Wochenenden. „Das war für mich nie ein Problem, weil ich meine Arbeit geliebt habe.“ Er gehöre zu den glücklichen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten. Nun stehen die anderen Hobbys im Vordergrund des Ehrenbürgermeisters. Ganz vorne an steht neben seiner geliebten Gartenarbeit bei ihm der Sport. Mit dem Fahrrad ist er viel unterwegs und auf Krautsand walkt er regelmäßig. Weil Hans-Wilhelm Bösch immer ein geselliger Mensch war, macht er das natürlich in einer Gruppe. Auch passiv ist er sportbegeistert. Er gehört zu den Dauerzuschauern und Fans der erfolgreichen Fußballer von D/A. Und auch hier wird Gemeinschaft gepflegt: Bösch gehört zur Gruppe „43. Minute“, die er selbst gegründet hat – eine der ersten Aktionen kurz nach seiner Pensionierung.
Ein paar ehrenamtliche Jobs macht er aber doch noch: Er ist ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht, Vorsitzender des Vereins Kehdinger Appelhoff, aktiv im Kehdinger Touristik-Verein und engagiert sich bis heute für die Flüchtlinge, die in Drochtersen leben. Dabei lässt sich der CDU-Mann, der 34 Jahre lang im Drochterser Rat und auch im Kreistag Kommunalpolitik betrieben hat, von einem Grundsatz leiten: „Ich helfe gerne, und der Kontakt zu Menschen hat für mich nach wie vor einen hohen Stellenwert.“
Im Rückblick sagt der 67-jährige gelernte Landwirt und Steuerfachmann: „Wenn man etwas gerne macht, dann ist das keine Belastung.“ Neben seinem Amt als Ehrenvorsitzender der Drochterser CDU – „Aber auch da halte ich mich raus“ (Bösch) – gibt es noch eine Runde, die an sein Amt erinnert: Er gehört zu einer Gruppe von sieben hauptamtlichen Bürgermeistern aus dem Landkreis Stade, die alle in jüngerer Zeit in Pension gegangen sind. Jürgen Badur aus Buxtehude ist dabei oder Gerd Froehlian aus Horneburg. Bösch: „Wir haben eine Klönschnackrunde und unternehmen gemeinsam etwas.“ Nur ein Thema ist in der Runde nicht gerne gesehen: Kommunalpolitik in ihren Gemeinden, deren Geschicke sie über Jahre maßgeblich mitbestimmt haben.