Rinderverein putzt sich frisch raus
Der Kuhkomfort steht in den Milchviehstätten auf den Bauernhöfen weiter an vorderster Stelle. Fotos Kordländer
Zwei Tagungen für Landwirte an einem Tag.
In der Form einer „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ haben der Stader Kreisrindviehzuchtverein und die Stader Kreisgemeinschaft der Rinderproduktion (RPN) schon seit vielen Jahren zusammengearbeitet. Während der gemeinsamen Mitgliederversammlung kürzlich in Fredenbeck beschlossen die Mitglieder, die Gemeinschaft als eingetragenen Verein weiter zu betreiben.
Am gleichen Tag veranstalteten die Beratungsringe der Stader Saatzucht zuvor in Bützflethermoor ihren dritten Rindertag.
Der neu gegründete Verein nennt sich „Besamungs- und Kreisrinderzuchtverein Stade“. Wie Geschäftsführer Helmut Haak berichtete, sei die Statusänderung angestrebt worden, um den Vorstand aus der persönlichen Haftung zu nehmen. „Denn bei einer GbR muss jedes Vorstandsmitglied persönlich mit seinem Vermögen haften“, stellte er heraus. Dem Verein gehören 630 Rinderhalter aus dem gesamten Kreis Stade an. „Diese halten zusammen 110 000 Kopf Rindvieh.“
Vorsitzender Uwe zum Felde hatte zur Versammlung viele junge Landwirte in der Fredenbecker „Niedersachsenschänke“ begrüßen können. „Das zeigt uns, dass viele Nachwuchslandwirte weiterhin melken wollen“, betonte er. Und das, obwohl der Milchpreis zurzeit sehr niedrig ist und auf vielen Betrieben kaum die Kosten einbringt. Die Landwirte hoffen auf deutliche Besserung.
„Im Durchschnitt werden je Milchviehbetrieb 135 Kühe gehalten“, so Haak in seinem Geschäftsbericht. Damit liege der Kreis Stade neben dem Cuxhavener Landkreis innerhalb der „Masterrind“-Verden deutlich an der Spitze. „Hier werden im Durchschnitt 105 Tiere pro Betrieb gemolken.“
Im Kreis Stade haben 21 Bauernhöfe über 300 Kühe in ihren Ställen. „In drei Betrieben werden bereits mehr als 500 Kühe gemolken“, hob Haak hervor. Sehr gute Platzierungen bei Leistungsschauen in Verden und Tarmstedt hätten gezeigt, dass die Qualität der Milchkühe auf sehr hohem Niveau sei. „Die Masterrind hat über ihre Auktion in Bremervörde im vergangenen Jahr 4500 Zuchttiere vermarktet“, stellte Haak weiter heraus. Problematisch sei zurzeit der Export: „Ein großes Angebot steht einer verhaltenen Nachfrage gegenüber.“
Über die Aktivitäten der Nachwuchszüchter berichtete Jungzüchterin Vanessa Hartlef. Veranstaltet wurden ein Kindertag in Gräpel und ein Tierbeurteilungswettbewerb in Hammah. Die jungen Rinderzüchter haben im vergangenen Jahr einen Klönabend eingeführt. „Hierbei werden Höfe besichtigt und Meinungen ausgetauscht“, so Hartlef. Der nächste Tierbeurteilungswettkampf soll am 5. März auf dem Hof Meier in Ahrenswohlde stattfinden.
Über die Aktivitäten der „Masterrind“ informierte Karsten Hoops. „68 Prozent der Rinder gehören der Rasse Holstein-Frisian an“, teilte er mit. Er erinnerte daran, dass die große „Schau der Besten“ am 24. und 25. Februar in Verden stattfinden wird. In einem Referat berichtete der Journalist Fritz Fleege mit vielen Lichtbildern über Reisen in 38 Länder.
Rinderfachtag in Bützflethermoor
Der dritte Rinderfachtag wurde im Gasthaus Hartleff in Bützflethermoor veranstaltet. Auch hier war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Diskutiert wurde nach Fachvorträgen über „Herausforderungen 2016“. Dazu sagte Ringleiter Jens Hardekopf: „Die Landwirte müssen ihre wirtschaftlichen Ziele auf den Höfen erreichen und dabei stets den Ansprüchen der Tiere gerecht werden.“ Und Nähstoffe müssten besser an die Pflanzen heranbekommen und genutzt werden. Dabei sei es wichtig, Ressourcen auszuschöpfen. Das sei auch für die Ställe auf den Höfen wichtig. „Alte Ställe haben keine Tilgung und keine Zinsen mehr.“
Als erster Referent informierte Hubertus Heitmüller von der Firma Huesker über Belüftungssysteme in Kuh- und Kälberställen. „Frischluft muss in den Ställen gleichmäßig verteilt werden, ohne Zugluft zu verursachen,“ betonte er. Und Hermann Dorfmeyer vom Personal-Beratungsunternehmen „farmconnect“ erläuterte, dass viele Höfe heute nicht mehr ohne Mitarbeiter auskommen könnten. „Damit ist der Begriff Familienbetrieb aber nicht ausgeschlossen.“ Beim Einsatz von Mitarbeitern bleibe dem Landwirt letztendlich mehr Zeit für eigene Arbeitlücken, in denen er sich um das Betriebsmanagement kümmern könne. Auch dadurch ließe sich das Einkommen verbessern.
Dierk Engelbrecht, Landwirt aus dem schleswig-holsteinischen Bockholt-Hanredder, berichtete aus seinem Betrieb, wie er Mitarbeiter einsetze, damit alle eine bessere Lebensqualität erreichten. Urlaub müsse sein. Er machte weiter deutlich, dass man auf Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen müsse, um sie zu motivieren.
Referenten und Ringleiter informieren über Trends bei der Tagung im Gasthaus Hartlef in Bützflethermoor.