Ein Paradies für Menschen und Tiere
Lange Zeit dienten die Fleete als Wirtschaftswege, über die Schuten die Waren vom Hafen in die Stadt brachten. Eine der neuen Ideen sieht eine Nutzung als Schwimmbad vor. Foto Lebendige Alster
Ein neues Öko-Idyll mitten in der City? Naturschützer und Umweltbehörde wollen Hamburgs Fleete wiederbeleben und zum Paradies für Pflanzen, Tiere – aber auch für Menschen machen.
Eine Ideenstudie des Aktionsbündnisses „Lebendige Alster“ listet mehr als ein Dutzend sehr konkreter Vorschläge auf, um die steinernen Kanäle aufzuwerten.
Spektakulär: Fischarten wie die Meerforelle sollen wieder zum Laichen in die Oberalster gelangen. Und: Die Fleete könnten für Paddler und sogar zum Baden freigegeben werden. Karsten Borggräfe von „Lebendige Alster“: „Es sind Ideen mit sehr unterschiedlichen Umsetzungswahrscheinlichkeiten.“
Die Schwimmbadidee etwa sei „in absehbarer Zeit sicher nicht realisierbar“. Unterstützung kommt von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne): „Wir wollen wieder mehr Leben in Fleete und Kanäle bringen und so die unterbrochene ökologische Verbindung zwischen Elbe und Alster wiederherstellen.“
Das einst vielarmige Geflecht bildet als Kanalsystem die Verbindung zwischen der Binnenalster und dem Elbstrom. Lange Zeit dienten die Fleete als Wirtschaftswege, über die Schuten die Waren vom Hafen in die Stadt brachten. Diese Funktion ist indes längst verloren gegangen, ein Großteil der Kanäle wurde zugeschüttet. Die verbliebenen aber sind weiterhin ein Wahrzeichen der Stadt, vor allem Alsterfleet, Nikolaifleet und Bleichenfleet prägen das Bild der südlichen Innenstadt.
Um so magerer sei deren ökologischer Wert, konstatieren Umweltschützer und wollen dies gründlich ändern. „Lebendige Alster“ – ein Zusammenschluss von BUND, Nabu und Aktion Fischotterschutz – sieht die Fleete gar als entscheidendes Puzzlestück zur Renaturierung des gesamten Alsterlaufs. Seit fünf Jahren arbeitet das Bündnis erfolgreich daran, den Stadtfluss in einen Zustand zurückzuversetzen, wie er vor dem Aufstauen von Außen- und Binnenalster im 12. Jahrhundert herrschte.
Damit Fische wie Meerforelle, Lachs, Aal, Meer- und Flussneunauge wieder aus dem Meer über die Elbe bis in die Oberalster schwimmen können, soll die „Fleetstadt“ als „Wanderkorridor“ naturnah werden. Bei der Gelegenheit könnten dort auch Flundern, Flussbarsche, Brassen, aber auch Großmuscheln und Fischotter heimisch werden.
Die Ideenstudie führt ein Bündel von Maßnahmen auf. An vielen Stellen wollen die Naturfreunde künstlich-natürliche Gebilde in die Fleete einbringen, in denen sich sodann Kleinstlebewesen ansiedeln und den Ausgangspunkt für eine neue Nahrungskette bilden sollen. „Die Schaffung solcher Unterwasserwelten ist deutschlandweit einzigartig“, heißt es in dem Papier.
Konkret ist unter anderem geplant, Totholz und Weidengeflechte an Gliederketten ins Wasser zu hängen. Am Grund sollen „Stromkokons“ aus Weidengeflecht Fischen Schutz vor der zeitweise starken Strömung bieten. Mini-Grünanlagen am Ufer würden mit überhängenden Pflanzen ebenso neuen Lebensraum schaffen wie Insektenbuden, Lehmspender und Vogelnester auf vorhandenen Dalben. Das gilt ebenso für die Begrünung von Fassaden entlang der Kanäle sowie für schwimmende Landschaften; gemeint sind auf Schuten angelegte Biotope, die regelrecht auf Wanderschaft durch die Kanäle gehen. Und: Im tideabhängigen Nikolaifleet könnte sogar ein Süßwasserwatt entstehen.
Die Umsetzung erster Schritte ist bereits für das Frühjahr geplant. Allerdings: Welche Ideen verfangen, müsse nun erst die Praxis zeigen, betonen die Macher.