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Suche nach dem Weg zu sauberer Luft

Die Emissionen des Verkehrs sind deutlich niedriger, wenn er flüssig läuft. Foto Rumpenhorst/dpa

Die Emissionen des Verkehrs sind deutlich niedriger, wenn er flüssig läuft. Foto Rumpenhorst/dpa

Der Weg zu besserer Luft in Städten führt nicht über Fahrverbote oder Umweltzonen, sondern über Autos mit wenig oder ganz ohne Abgase. 

Montag, 01.02.2016, 18:41 Uhr

Das ist der – mit Ausnahmen – gemeinsame Nenner der Automobilindustrie, der Bundesregierung und der deutschen Großstädte nach einem Treffen am Montag in Hamburg.

„Wir können gemeinsam zum Gelingen beitragen, wenn wir auf den technischen Fortschritt setzen und gleichzeitig für optimale politische Rahmenbedingungen sorgen“, sagte der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zum Auftakt der Gesprächsrunde im Hamburger Rathaus.

„Unser Ziel ist mehr Mobilität mit weniger Emissionen“, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Er wies auf das Elektromobilitätsgesetz hin, das es den Kommunen erlaubt, die Fahrer von Elektroautos zu privilegieren, zum Beispiel durch besondere Fahrspuren. Für Fortschritte bei der Elektromobilität sei es notwendig, das Henne-Ei-Problem zu lösen und ein engeres Netz von Ladestationen zu schaffen.

Für die Automobilindustrie erklärte deren Verbandschef Matthias Wissmann, der Verkehrssektor sei für rund ein Drittel der Stickoxide in Deutschland verantwortlich. Mit einem modernen Euro-6-Diesel lasse sich die Problematik weitestgehend bereinigen. Zudem seien die Emissionen des Verkehrs geringer, wenn er flüssig laufe. Eine Kombination aus schnellstmöglicher Erneuerung der Flotte, digitalem Verkehrsmanagement und moderner Abgasnachbehandlung könne die Luftqualität in Städten wirksam verbessern.

VW-Chef Matthias Müller sprach sich gegen Fahrverbote oder die Verschärfung von Umweltzonen aus. Mit intelligenter Technik sei das Auto nicht nur Teil des Problems, sondern vor allem der Lösung. Zur Durchsetzung des Elektroautos sei ein stimmiges Gesamtpaket notwendig. „Dazu gehört eine funktionsfähige sichtbare Infrastruktur“, sagte Müller. Das sei die Voraussetzung dafür, dass bei den Kunden das notwendige Vertrauen in die Elektromobilität wachsen könne.

Dagegen sprach sich der Deutschland-Chef der japanischen Importmarke Nissan, Thomas Hausch, vorsichtig für Einschränkungen aus. „Eine Möglichkeit ist, dass nur noch komplett emissionsfreie Fahrzeuge in eine Innenstadt fahren dürfen“, sagte Hausch, der bei dem Gespräch in Hamburg nicht dabei war, zu „manager-magazin.de“. „Eine andere Variante wäre eine Gebühr für Autos mit Verbrennungsmotor.“

Die Umweltorganisation BUND demonstrierte vor dem Rathaus gegen die Luftverschmutzung. „Es ist bezeichnend, dass zu so einem Treffen Vertreter der Automobilindustrie eingeladen werden und die Verbände, die sich seit Jahren auf allen Ebenen für saubere Luft in Hamburg engagieren, vor der Tür bleiben“, sagte Geschäftsführer Manfred Braasch.

„Bürgermeister Olaf Scholz hat immer noch nicht erkannt, dass selbst wenn ab heute nur noch emissionsfreie Autos zugelassen würden, es noch Jahre dauern würde, bis die Stickoxidgrenzwerte der europäischen Union auch in Hamburg eingehalten werden könnten.“ Nur Verkehrsbeschränkungen könnten kurzfristig Abhilfe schaffen.

Am Dienstag trifft sich die Automobilindustrie mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin zu einem Gespräch über Elektromobilität. Die Hamburger Gesprächsrunde sei als Auftakt zu verstehen, sagte Scholz. Eine Fortsetzung sei geplant.

Messgeräte erfassen die Feinstaubbelastung in der Innenstadt.    Foto Gerten/dpa

Messgeräte erfassen die Feinstaubbelastung in der Innenstadt.    Foto Gerten/dpa

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