Verbraucherzentrale hat die Elbe-Obst abgemahnt
Ganz klein steht Südafrika auf dem Elbe-Obst-Etikett (roter Kreis).
Vertriebsgesellschaft weist den Vorwurf der Veräppelung zurück – Altländer vermarkten im Verbund auch Äpfel aus Südafrika.
Elbe-Obst-Äpfel – aus Südafrika? In einem Supermarkt in den neuen Ländern sorgte das Etikett für Verwirrung unter Verbrauchern. Verbraucherschützer fuhren scharfen Geschütze auf, doch veräppelt hat die Erzeugerorganisation die Apfelesser im Osten offenbar nicht, alles entspricht dem Handelsklassengesetz, betont der Geschäftsführer der Elbe-Obst-Vertriebsgesellschaft, Frank Döscher.
Äpfel werden heute weltweit gehandelt – auch Sorten wie der Kanzi. Dieser Apfel wird seit dem Jahr 2006 von der Erzeugerorganisation Elbe-Obst an der Niederelbe als exklusive Club-Sorte vermarket – in einem weltweiten Verbund von Erzeugerorganisationen und Genossenschaften unter dem „Dach“ der „European Fruit Cooperation“ und ihrer hundertprozentigen Tochter Greenstar Kanzi Europe. Von Anfang an wurde die Kreuzung aus Gala und Braeburn als „Weltapfel“ vermarktet.
Zum Hintergrund: Der Lebensmitteleinzelhandel – von Edeka über Rewe bis zu Discountern wie Lidl oder Aldi – will, dass möglichst viele Apfelsorten ganzjährig in ihren Obstabteilungen zu kaufen sind. Um sich „ihren“ Platz nach dem Verkauf der eigenen Ernte weiterhin in den Regalen zu sichern, setzen Elbe-Obst & Co bei einigen Sorten auf eine „Allianz“. Dazu gehört auch, dass Obstbauern auf der Süd- und der Nordhalbkugel ganzjährig Kanzi anbauen. Mit Äpfeln aus Deutschland können heutzutage – je nach der Erntemenge – lediglich knapp 65 Prozent der Nachfrage gedeckt werden. Kurzum: Ohne Importe geht es nicht, am besten in Eigenregie. Gleichzeitig werben Obstbauern mit „Regionalität“ – durch Bezeichnungen wie Elbe-Obst und Obst aus dem Alten Land.
Und das sorgt immer wieder für Verwirrung – bei Verbrauchern. In einem Fall hat die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) kürzlich die Elbe-Obst-Vertriebsgesellschaft in Hollern-Twielenfleth „wegen Irreführung“ abgemahnt. Mit dem gut sichtbaren Aufdruck „Elbe-Obst“ auf dem Etikett hätten die Altländer suggeriert, dass die Äpfel aus der Region stammten, sagt die VZB-Sprecherin Lisa Högden. Im Kleingedruckten war zu lesen, dass die Kanzi-Äpfel aus Südafrika importiert worden waren.
„Beim Einkauf fiel der erste Blick eines Verbrauchers auf die Hervorhebung ‚Elbe-Obst‘. Er wollte Äpfel aus der Region kaufen, also entschied er sich für sie. Umso größer war der Ärger, als sich das Obst als Import herausstellte“, sagt Annett Reinke, Lebensmittelrechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale in Potsdam. Sie klagt, dass in den Supermärkten zunehmend Lebensmittel mit einem regionalen Logo und Produktnamen zu finden seien. Worauf diese sich beziehen, sei oftmals „undurchsichtig“. Das müsse sich ändern.
Im abgemahnten Fall war auf dem Etikett der verpackten Äpfel – wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben – die Adresse der Vertriebsgesellschaft Elbe-Obst als Abpacker aus Niedersachsen aufgedruckt. Dabei waren die Worte „Elbe-Obst“ im Vergleich zum Herkunftsland Südafrika deutlich hervorgehoben. Die VZB mahnte im Herbst die Gestaltung als wettbewerbswidrig ab.
„Wir haben sofort reagiert“, sagt Döscher. Die Maschine sei falsch eingestellt gewesen. Alle Angaben werden und wurden umgehend in gleicher Schriftgröße aufgedruckt. „Wir haben uns allerdings – auch in diesem Fall – ans Handelsklassengesetz gehalten“, so der Geschäftsführer. Dass die VZB jetzt vor Messen wie Fruitlogistica und Grüner Woche an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat für Döscher ein „Geschmäckle“, zumal Elbe-Obst im Herbst sofort auf das VBZ-Schreiben reagiert habe: „Hier wird Politik auf unserem Rücken gemacht.“ Von Irreführung könne keine Rede sein, schließlich habe nicht Obst aus dem Alten Land auf dem Kanzi-Etikett gestanden. Die Sorte Kanzi wird als Energie-und-Kraft-Apfel weltweit, von Belgien bis Australien, einheitlich beworben.