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Weltpolitik schafft Airbus-Freude

Auch das gibt es im A380: Luxus vom Feinsten, wie hier in einer Schlaf-Kabine der Singapore Airlines. Foto Stephan

Auch das gibt es im A380: Luxus vom Feinsten, wie hier in einer Schlaf-Kabine der Singapore Airlines. Foto Stephan

USA und Europa haben die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben – Jetzt freut sich Airbus über neue A380-Bestellungen.

Von Wolfgang Stephan Freitag, 29.01.2016, 19:00 Uhr

Das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran hat bei den Airbus-Beschäftigten und allen, die vom Flugzeugbau profitieren, positive Folgen: Der Iran bestellt mindestens 118 Flieger bei Airbus, darunter zwölf A380 – den Mega-Flieger, der in den vergangenen zwei Jahren zum Problemfall wurde, weil es kaum noch Bestellungen gab. In 14 Tagen sollte deswegen bei Airbus über eine Neustrukturierung innerhalb der A380-Produktion mit dem Betriebsrat verhandelt werden.

Noch vor zwei Wochen sorgte Airbus-Verkaufschef John Leahy mit seinem Optimismus bei der Jahres-Pressekonferenz für Erstaunen. Für ihn habe es nie Zweifel an den glänzenden Aussichten für das weltgrößte Passagierflugzeug gegeben: „Stellen Sie sich vor, alle drei Minuten startet oder landet jetzt schon weltweit eine A380“, sagte er Mitte Januar in Paris und kündigte an: „Es wird auch 2016 neue Kunden für das Flugzeug geben.“ Der Ankündigung folgten jetzt die ersten Aufträge: Zwölf A380 gehen in den Iran und drei Flieger nach Japan. Jean Leahy verhandelt mit zwei weiteren Fluggesellschaften, die angeblich 32 Exemplare bestellen könnten. Eine Airline habe Interesse an 20 bekundet, eine andere an zehn bis zwölf, sagte Leahy.

Airbus-Chef Fabrice Brégier erwartet, dass bis zum Sommer weitere Aufträge eingehen. Unter anderem wird mit Saudi Arabian Airlines seit Monaten verhandelt. Die Saudis benötigen den Groß-Flieger weil ihre Flughäfen mit den Pilgerreisenden nach Mekka völlig überfüllt sind.

Von insgesamt 330 Bestellungen (ohne Iran und Japan) wurden bislang 180 Maschinen an 18 Fluggesellschaften ausgeliefert. Größter Kunde ist mit Abstand Emirates mit 140 Bestellungen. Bisher haben die Scheichs 72 A380 erhalten. Der letzte Großauftrag kam von der Leasing-Gesellschaft Amedeo A380, die 20 Flieger bestellte – vor zwei Jahren.

Weil es in der jüngsten Vergangenheit keine neuen Aufträge gab, wurde die Produktion 2015 von 30 auf 27 Flieger im Jahr gedrosselt, in diesem Jahr sollen aber wieder 30 Flugzeuge ausgeliefert werden. Inwieweit der angekündigte Plan zur Neustrukturierung der Produktion in Finkenwerder mit einer Umbesetzung von A380-Beschäftigten in die boomende A320-Produktion noch aktuell ist, soll sich in den nächsten Wochen zeigen.

In Finkenwerder werden Rumpfsegmente für die A380 gefertigt und an die Endmontagelinie nach Toulouse geliefert. Außerdem erhalten alle A380-Flieger in Finkenwerder ihre Innenausstattung und ihre Lackierung. Nach der Fertigstellung werden Maschinen, die für Kunden in Europa oder im Nahen Osten sind, in Hamburg ausgeliefert, alle anderen werden in Toulouse an den Kunden übergeben. Aus Stade kommt – wie bei allen Airbus-Fliegern – das Seitenleitwerk. Die Airbus-Betriebsratsvorsitzende Sophia Jacobsen zu den neuen Bestellungen: „Etwas Besseres kann uns derzeit nicht passieren.“

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