Zwei Baljer Schulleiterinnen erinnern sich
Gunda Remien (links) und Bärbel Gottschalk, langjährige Schulleiterinnen in Balje. Foto Helfferich
Seit 50 Jahren gibt es die Grundschule in Balje. Am heutigen Mittwoch, 7. Juni, wird der runde Geburtstag gefeiert. Mit dabei sind auch Bärbel Gottschalk und Gunda Remien – die beiden Frauen, die als Schulleiterinnen die Schule geprägt haben.
Doch nicht nur das verbindet die beiden: Ohne „Fräulein Gottschalk“ wäre Gunda Remien nie Lehrerin geworden.
1961 kam die Berlinerin Bärbel Gottschalk frisch von der Hochschule nach Krummendeich, an die dortige Volksschule. Damals saß die kleine Gunda in der zweiten Klasse. „Als ich Frau Gottschalk bekam, wusste ich, dass ich Lehrerin werden wollte“, erinnert sich die heute 63-Jährige. Sie sei ganz anders gewesen als die damaligen Lehrer – alles ältere Männer. „Der Unterricht war nicht mehr langweilig, wir bekamen endlich Futter, und dennoch herrschte Disziplin.“
Es habe damals viel Aufregung geherrscht, als sie nach Nordkehdingen kam, erzählt Bärbel Remien: So ein junges Ding, frisch von der Hochschule. Als sie ankam, in engem Rock und Stöckelschuhen, hätten alle durch die Vorhänge geluschert.
Offenkundig konnte sich das junge Ding in kurzer Zeit Respekt verschaffen. Als sechs Jahre später die drei Schulen im Nachbarort Balje zusammengelegt wurden, orderte sie der damalige Schulrat als Schulleiterin. Bis dahin habe noch jede Ortschaft eine eigene Schule gehabt, erzählt die 78-Jährige; Hörne ebenso wie Balje und auch Süderdeich. Mit der Zusammenlegung wurde das alte Schulgebäude am Baljer Kirchplatz aufgegeben und ein modernes in der Bahnhofstraße gebaut. Dennoch zögerte die junge Lehrerin von damals. In Krummendeich fühlte sie sich eigentlich wohl und sie wusste nicht, ob sie mit gerade mal 28 Jahren dieser Aufgabe gewachsen war.
Der Schulrat ließ nicht locker, und so schaute sie sich die Schule und den Ort mal an. „Ausschlaggebend war letztlich das kleine Häuschen, in dem ich heute noch wohne. Davor blühten wunderschöne gelbe Blumen – und es war frei. Da dachte ich mir: Hier lässt’s sich sicher schön wohnen.“
Sie war eine der ersten und jüngsten Schulleiterinnen im Kreis. Die neue Baljer Schule war eine Volksschule mit Schülern von der ersten bis zur achten Klasse. Zwischen 80 und 110 Kinder wurden in vier Klassen unterrichtet, jeweils zwei Jahrgangsstufen gemeinsam. Bis in die 80er Jahre waren die Schülerzahlen stabil. Nachdem Grund- und Hauptschulen getrennt wurden, wurde es zunehmend schwieriger.
Mit dem Zusammenlegen heutiger Schulklassen, etwa in der Eingangsstufe, habe der damalige jahrgangsübergreifende Unterricht allerdings wenig zu tun gehabt, erläutert Gunda Remien, die später als Schulleiterin in Balje die erste Eingangsstufe im Landkreis eingeführt hatte. „Die Kinder damals wurden gemeinsam unterrichtet, ohne zu differenzieren.“
Das 1967 in der Bahnhofstraße eingeweihte, so moderne Schulgebäude habe schon bald erhebliche Mängel gezeigt, erinnert sich Bärbel Gottschalk. Die bis zum Boden reichenden, einfach verglasten Fenster hätten nur schwer dem Wind widerstanden. Die Nachtspeicherheizungen seien nach zwei Stunden leer gewesen, und dann hätten Schüler und Kollegen gefroren. „Es zog durch alle Ritzen, aber das hat uns gestärkt“, meint Gottschalk. Zum Sport ging es in den Saal des benachbarten Dorfgemeinschaftshauses. „Wir mussten lange für eine Sporthalle kämpfen“, so die ehemalige Rektorin. Die wurde in den 80er Jahren gebaut. Immer wieder habe saniert werden müssen. Ein Zustand, den auch Remien kennenlernte, nicht nur später als Rektorin, sondern auch als Mutter dreier Baljer Schulkinder.
Manches Ritual hat Gottschalk eingeführt, das Remien später übernahm: etwa das Pflanzen eines Baumes mit jedem neuen Schuljahr oder die Weihnachtsfeiern im Dorfgemeinschaftshaus, bei denen alle Kinder mal auf der Bühne standen. „Davon reden meine früheren Schüler heute noch.“ Vieles hat Gunda Remien fortgesetzt, als sie 2002 Rektorin wurde.
Auch sie machte es sich mit der Entscheidung nicht leicht. „Aber als sie sich durchgerungen hatte, saß sie auf der Bank vor meinem Häuschen und wartete auf mich, um es mir zu erzählen“, erinnert sich die Vorgängerin. Das habe sie sehr gefreut.
Remien übernahm vor 15 Jahren eine Schule, die schon da um ihre Existenz bangte. Sie kämpfte um jedes Kind. So führte sie eine Integrationsklasse ein, um Schüler mit Handicap in Balje halten zu können. 2006 bildete sie erstmals eine Eingangsstufe, in der Erst- und Zweitklässler bis zu drei Jahre bleiben, bevor sie in die dritte Klasse wechseln. „Das gibt kleinen Spätzündern bessere Chancen.“ Umgekehrt könnten in Ausnahmen Durchstarter bereits nach einem Jahr wechseln. Gleichzeitig arbeitete Remien an der Attraktivität des Schulstandorts, mit einem voll ausgestatteten Computerraum und der Reit-AG.
Die Sorge um den Erhalt der Schule trieb sie weiter, nachdem sie vor zwei Jahren vorzeitig aus dem Schuldienst ausgeschieden war. Sie sei letztlich das Motiv gewesen, sich politisch zu engagieren. Seit der vergangenen Kommunalwahl sitzt die ehemalige Schulleiterin für die SPD im Baljer Gemeinderat.
Beide, Gunda Remien und Bärbel Gottschalk, haben die Baljer Grundschule geprägt. Bärbel Gottschalk war die Frau der ersten Stunde. Noch heute wird sie von früheren Schülern mit „Guten Tag, Fräulein Gottschalk“ begrüßt. „Das freut mich jedes Mal“, sagt die Seniorin.