Ein Dankeschön für die Flüchtlingshelfer - Mit Fotogalerie
Es gibt keine Statistik über die Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Es sind Hunderte in der Region, die den Fremden helfen, das Leben und die Integration einfacher zu machen. Am Dienstagabend trafen sich viele bei einer Fete der Kreis-SPD.
Eckhard Nielsen aus Jork sagt es ganz offen: Der Spaßfaktor hält sich bei diesem Engagement in Grenzen, aber die Dankbarkeit, die er täglich spürt, und die Erfahrungen mit den Fremden, die auch zu Freunden werden, möchte er nie missen. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid gehört Eckhard Nielsen zu den Flüchtlingshelfern in Jork, die seit Jahren die dezentral untergebrachten Asylsuchenden und anerkannten Asylanten betreuen. Wenn er über Probleme spricht, dann ist es die fehlende Arbeit. „Integration funktioniert doch nur, wenn die Leute auch in Arbeit kommen, was angesichts der Bürokratie schwierig ist.“ Seine Erfahrungen bisher: Durchweg gut. Negativ? „Die Leute, die gegen die Fremden wettern, keinen Kontakt zu ihnen haben und sie gar nicht kennen – das ist gruselig.“
Hilde Büter aus Drochtersen hatte am Wochenende ihr besonderes Erlebnis: Die Vorsitzende der Sportjugend Stade, die mit Stader Sport-Jugendlichen im Erstaufnahmelager in Stade Kindern und Jugendlichen auf visuellem Weg mit Bildern und Spielen Sprachunterricht gibt, hatte zehn junge Syrier mit in die Disco nach Bevern genommen. „Alles verlief völlig problemlos, die Syrier waren zurückhaltend, haben getanzt, aber nicht geflirtet.“ Den Besuch in der Disco hatte sie vorher angemeldet: Sonst wären die vermutlich nicht reingekommen.“
„Als Frau hatte ich bisher noch überhaupt kein Problem“, sagt Antje Schartau, die sich unter anderem im Flüchtlingscafé in Stade-Hahle engagiert und dabei vor allem eines spürt: „Ganz viel Dankbarkeit.“ Die Sprache sei das größte Problem für die Menschen in den Erstaufnahmelagern, sagt ihre Kollegin Christl Wilke, die auch im Flüchtlings-Café jeden Freitag aktiv ist. „Die Menschen freuen sich einfach, einen Nachmittag mit uns zu verbringen.“ Es sei deutlich zu spüren, wie froh die Flüchtlinge seien, einmal etwas Abwechslung aus dem Alltag im Flüchtlingsheim zu bekommen. Negative Erfahrungen: „Im Moment fällt mir dazu nichts ein.“
Der Dritte im Bunde aus Hahle war Wolfgang Böhnisch. Zu seinem Engagement sagt er: „Ich mache das, weil ich spüre, dass die Stimmung im Lande kippen könnte.“ Weil er an der großen Politik nichts ändern könne, möchte er an der Basis mithelfen, „den Menschen, die zu uns kommen, ein Stück Würde zu geben“. Böhnisch: „Das ist doch wichtig, dass wir helfen, den Lagerkoller in Grenzen zu halten.“ Das einzige Problem, das er benennt: die Sprache.
Um hier die größten Defizite zu beseitigen, sind Fahima Said und Setareh Karami in den Erstaufnahmelagern engagiert. Beide sprechen zahlreiche Sprachen, verstehen die Menschen vor allem aus Afghanistan und dem Iran in ihrer Muttersprache. Die ihnen am meisten gestellte Frage: „ Wie geht es weiter?“
Die Ungewissheit sei das größere Problem für die Flüchtlinge, die vorwiegend aus dem Nahen Osten kommen. „Die meisten haben Zukunftsangst“, sagt Fahima Said. Viele Männer, die sich um ihre Familien sorgen und auf den ersten Schritt der Behörden in Deutschland warten: Die Zuweisung in ein festes Quartier. Einen ersten Erfolg gibt es jetzt: Aus den beiden Erstaufnahmelagern dürfen 150 Flüchtlinge in feste Unterkünfte in Stade ziehen. Sie werden nicht – wie das ursprünglich einmal geplant war – über ein zentrales Aufnahmelager des Landes verteilt.
Schon seit Jahren in der Flüchtlingshilfe engagiert ist Hildegard Kraake aus Wiepenkathen, die in der „Initiative 132“ aktiv ist: Ein Flüchtlingshaus mit elf Familien, in dem 38 Menschen wohnen, viele noch aus dem Kosovo, aber auch aus Afrika. Zum Engagement gehören Kochabende, vor allem Fahrdienste und die Hilfe bei den Erledigungen des Alltags. Auch sie spricht über positive Erfahrungen und negativ will sie nur anmerken, dass nicht alle immer in der gleichen Intensität die deutsche Sprache erlernen möchten. Das Haus 132 gehört der Familie von Marita und Manfred Friedl, die, gefragt nach ihrem schönsten Erlebnis, über ein Malheur eines Flüchtlings berichteten, der bei einem Basar in Stade versehentlich statt der kostenlosen Gegenstände eine auf dem Tisch liegende Tasche einer Helferin mitgenommen hatte. Als er zu Hause das Missgeschick bemerkte, sei er sofort zu ihnen gekommen. Völlig aufgelöst, weil er als Moslem mit dem Missgeschick nicht umgehen konnte. Die Polizei wurde eingeschaltet und nach einigen Stunden war die Tasche zurück bei der Besitzerin. „Wo gibt es so viel Ehrlichkeit noch in diesem Land“, fragt Marita Friedl rhetorisch.
Die Frage nach den Negativ-Erlebnissen: „Eigentlich will sie dazu nichts sagen, denn über Müll wolle sie nicht reden.“
Dr. Karl-Heinz Aue ist Chef der Malteser in Buxtehude und im Landkreis und an diversen Orten in der Flüchtlingshilfe tätig. Seine Erfahrungen fasst er so zusammen: „Besser geht es nicht.“ Probleme seien klein und würden schnell geklärt werden, wie die wenigen Hepatitis-Fälle in Harsefeld, die dazu führten, dass alle Flüchtlinge geimpft wurden. Aue: „Sie können mich zweimal fragen, ich kann nichts Negatives sagen.“
Helin Özbek ist Integrationsberaterin der Awo und kennt seit Jahren die Problemlage. Zu ihr kommen vor allem anerkannte Asylbewerber oder solche, die große Chancen auf die Anerkennung haben. Gerade in jüngster Zeit macht sie ganz neue Erfahrungen: Viele Syrier seien sehr belesen, immer zuvorkommend, rücksichtsvoll, viele unter ihnen auch Akademiker. Helin Özbek ist sich sicher: „Sie sind eine absolute Bereicherung für unser Land.“
Die Bereicherung sind aber auch die Helfer – jedenfalls für die Genossen der SPD, die am Dienstagabend vor allem eine Botschaft für die über hundert Flüchtlingshelfer parat hatten: Die Kreisvorsitzende Petra Tiemann: „Euch gebührt unser großer Respekt.“