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Geschichte(n) in Stein gemeißelt

Zwei Männer und vier restaurierte Stelen : Dr. Arnd Siegel (links) und Dr. Thomas Kück auf dem Horst-Friedhof in Stade. Foto Strüning

Zwei Männer und vier restaurierte Stelen : Dr. Arnd Siegel (links) und Dr. Thomas Kück auf dem Horst-Friedhof in Stade. Foto Strüning

Die Restaurierung von historischen Grabsteinen auf dem Horst-Friedhof in Stade schreitet voran. Jetzt präsentierten Dr. Arnd Siegel und Superintendent Dr. Thomas Kück vier generalüberholte Stelen, die am Hauptweg des Friedhofes platziert wurden. 

Von Lars Strüning Freitag, 06.11.2015, 15:34 Uhr

Finanziert wurde die etwa 6000 Euro teure Aktion von der „Siegel-Stiftung für den Horst-Friedhof Stade“. Die war im Februar 2013 von Arnd Siegel und dem Stadtverband der evangelischen Kirchen in Stade mit einem Anteil von je 50 000 Euro ins Leben gerufen worden.

Aus den Erlösen der Stiftung, aber auch aus weiteren Spenden wollen Siegel und Kück den über 230 Jahre alten Friedhof mit seiner natürlichen Vielfalt und seinen zahlreichen Grabstellen aus vielen Epochen erhalten. In Zeiten einer sich ändernden Bestattungskultur ist das wirtschaftlich nicht ganz einfach.

1789 war der Horst-Friedhof eingeweiht worden, er ist bis heute der einzige Friedhof der Kirchen, nicht der Kommune. Er bietet auf sieben Hektar Platz für 6000 Grabstellen. Im Vergleich zu manch kommunal betriebenem Gottesacker herrschen auf dem Horst-Friedhof liberale Regeln, die sich in einer Vielfalt an Gedenksteinen widerspiegelt. Einige sind schon über 200 Jahre alt, der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt. Nachkommen, die die Grabstellen pflegen könnten, gibt es häufig keine mehr. Hier springt die Stiftung ein und sichert peu-à-peu die kleinen Kunstwerke aus Sandstein, Eisen oder Granit, die auch ein Stück Stader Geschichte sind.

So wurde in diesem Jahr in der Werkstatt für Denkmalpflege in Rottelsdorf (Sachsen-Anhalt) der Grabstein des „Achtmanns“ Nicolaus Holthusen restauriert, der aus dem Jahr 1790 stammt und einer der ältesten auf dem Friedhof ist. Das Besondere hier ist die Inschrift. „Dem besten Ehegatten und zärtlichsten Vater von 19 Kindern...“; nur acht davon haben ihren Vater überlebt. Ein „Denkmal kindlicher Liebe“ ist der Stein für den „Kriegscommissair“ Georg Heise aus dem Jahre 1851. Dem Organist Sauerbrey wurde 1847 ebenso aus Sandstein ein Denkmal gesetzt wie Elisabeth und Peter Meyer 1846. Der Sandstein selbst stammte entweder aus dem Elbsandsteingebirge oder aus Obernkirchen im Weserbergland süd-westlich von Hannover.

Die in die Jahre gekommenen Stelen wurden von Denkmalpflegern mit Bürste und Heißdampf gereinigt, grobe Stellen wurden ausgebessert, die Schriften nachgezogen. Jetzt strahlen sie im neuen Glanze, ohne ihr Alter zu verheimlichen. Bereits im Vorjahr waren vier Grabmäler mithilfe der Siegel-Stiftung restauriert worden. Kück und Siegel wollen die Geschichte des Friedhofs, aber auch den besonderen Geist, den er atmet, sichtbar machen. Dafür haben sie bereits eine große Engelsstatue sanieren lassen – und als Zeichen der Zukunft eine Roteiche gepflanzt.

Apropos Zukunft: Die Kirche hat das alte Verwaltungshäuschen des Friedhofs an der Horststraße an die Wohnstätte verkauft, die hier Wohnungen bauen will. Gärtner und Verwaltung sollen in einen Neubau ziehen, der hinter der Kapelle entsteht. Zukunftsmusik ist auch eine weitere Idee des Duos: Sie wollen den Friedhof wie einen Park begehbar machen, mit Wegführung, Hinweistafeln und Informationen zur Geschichte. Die Strecke führt selbstredend an den restaurierten Stelen vorbei. Siegel schwärmt: „Die sind richtig toll geworden.“

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