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Starke Lions – Hilfe für bedürftige Menschen

Der amtierende Distrikt-Governor Detlef Schwarz.

Der amtierende Distrikt-Governor Detlef Schwarz.

Lions Clubs helfen und sind international. Im Landkreis Stade sind sie gleich mehrfach vertreten. Aus der Region kommt auch der amtierende Distrikt-Governor Detlef Schwarz. 

Von Peter von Allwörden Freitag, 06.11.2015, 14:00 Uhr

Für ein Jahr repräsentiert der Apenser Arzt jetzt die Region zwischen Elbe und Weser, Nienburg und Cuxhaven. Das TAGEBLATT nimmt das zum Anlass, mit Schwarz ein Gespräch über das Wirken von Lions, ihre Ziele und ihr Engagement zur aktuellen Flüchtlingsproblematik zu führen. 

TAGEBLATT: Herr Schwarz, auf Ihrer Distrikt-Versammlung war auch die Flüchtlingshilfe Thema. Was machen die Lions denn konkret, wie bringen sie sich ein?
Schwarz: Ja, das war ein großes Thema. Wir stellen zunächst einmal fest, dass bisher Hilfsgüter ausreichend vorhanden sind. Aber es mangelt in erster Linie an der Sprachausbildung – sowohl für die Erwachsenen, als insbesondere auch für Kinder. Dieses Thema wollen wir uns aktuell annehmen, hier unsere Schwerpunkte setzen.

TAGEBLATT: Es gibt auch einige Clubs, die nicht nur vorhandene Strukturen nutzen und Geld geben, sondern selbst aktiv werden, eigene Projekte auf die Beine stellen. Ist das ein ganzes Bündel von Hilfen, die die Lions hier bieten?
Schwarz: Es gibt auch in unserem Distrikt Clubs, die sich sehr unterschiedlich engagieren. Da spielt auch die persönliche Einsatzbereitschaft eine wichtige Rolle. Da wird etwa beim Umgang mit Behörde geholfen oder bei der Klärung anderen Fragen zur Bewältigung des Alltags in Deutschland.

TAGEBLATT: Sie sind seit Sommer Distrikt-Governor. Erklären Sie uns durch kurz, was diese Position bedeutet. Können Sie jetzt einen besonderen Einfluss auf die Ausrichtung des Clubs ausüben?
Schwarz: Auf der Versammlung kürzlich waren von den 57 Clubs des Distrikts 47 anwesend – eine durchaus erfreuliche Zahl. Das Flüchtlingsthema wurde von allen Clubs als derzeit das wichtigste angesehen. Während der Versammlung findet eine ganz offene Diskussion statt, da werden Projekte und Beispiele vorgestellt. Eine direkte Einflussnahme von mir oder durch das Amt ist hier eher untergeordnet. Gleichwohl kann der Governor schon die Diskussion ein wenig lenken und den Schwerpunkt auf bestimmte Themen legen. Ich fühle mich natürlich nicht wie ein Kommandeur, sondern ich nutze vorhandene Strukturen und leiste Koordinationsarbeit.

TAGEBLATT: Die Clubs sind einerseits formell durchaus hierarchisch strukturiert, setzen aber andererseits auf Teamgeist und Miteinander.
Schwarz: Das ist ja unsere Stärke. Wir haben zwar einen hierarchischen Aufbau mit unterschiedlichen Verwaltungsebenen. Aber unsere Clubs sind vor Ort autonom. Sie haben völlige Entscheidungsfreiheit darüber, wo, wie und in welchem Umfang sie sich engagieren.

TAGEBLATT: Vielleicht erklären Sie unseren Lesern kurz die Wurzeln und die Intension dieses Engagements. We serve, wie dienen ist ja der Leitspruch der Lions. Was ist genau damit gemeint?
Schwarz: Wir Lions werden ja 2017 100 Jahre alt. Die Ursprünge liegen in Nordamerika. Heute sind wir eine weltspannende Organisation – übrigens die größte ihrer Art in der Welt. Begonnen hat alles mit der Unterstützung von blinden Menschen. Hinzu kam die Unterstützung vieler sozial bedürftiger Gruppen, die durch das Raster der staatlichen sozialen Netze fallen. Die Palette der Hilfsmaßnahmen reicht von Behindertengruppen über Schulprojekte bis hin zu Hilfsaktionen in Entwicklungsländern.

TAGEBLATT: Das Thema Jugendarbeit und entsprechende Projekte ist ja auch ein großes Thema bei den Lions.
Schwarz: Ja, das hat sich so in den vergangenen 20 Jahren schwerpunktmäßig in Europa entwickelt. Hier haben wir eigene Präventionsprogramme aufgelegt – in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern. Das reicht vom Kindergarten über die Grundschulen bis hin zu den weiterführenden Schulen. Hier arbeiten wir unter dem Motto „erwachsen werden und erwachsen handeln“.

TAGEBLATT: Die Lions lassen sich ja einiges an Aktionen einfallen, um Geld für all diese Projekte reinzubekommen. Die Clubmitglieder spenden also nicht nur Geld, sondern organisieren und veranstalten, gehen auf Straße und verkaufen zum Beispiel Lose. Erzählen Sie doch mal, was die sieben Clubs im Landkreis alles so machen.
Schwarz: Sehr bekannt ist in unserer Region etwa der Verkauf von Adventskalendern wie in Buxtehude, verbreitet sind auch Losverkäufe oder Bingo wie in Stade, Musikveranstaltung und viele andere sehr individuelle Aktionen der einzelnen Clubs. Der Buxtehuder Damenclub richtet sehr erfolgreich die Ostereier-Aktion aus.

TAGEBLATT: Gutes Stichwort, Herr Schwarz: Damen-Club. Der Lions Club war bis vor etwa 30 Jahren ein reiner Männerclub. Viele Clubs sind es auch heute, aber es gibt inzwischen Frauen- und gemischte Clubs. Wie sehen Sie das und wohin geht der Trend?
Schwarz: Dass vor etwa 30 Jahren beschlossen wurde, auch Damen in den Clubs zuzulassen, war historisch längst überfällig. Das hat schon damit zu tun, dass sich insbesondere konservative nordamerikanische Strömungen dagegen verwahrt hatten. In Deutschland haben wir mittlerweile einen Frauenanteil von knapp 20 Prozent. Aber hier gibt es noch Entwicklungsbedarf, um der Bedeutung von Frauen in der Gesellschaft Genüge zu tun.

TAGEBLATT: Wo sehen Sie denn eher die Zukunft: In reinen Frauenclubs oder in den gemischten Organisationen?
Schwarz: Ich denke, dass die Frauen- und Männerclubs unterschiedliche Kulturen pflegen. Aber ich glaube, dass in den gemischten Clubs das größte Potenzial an Kreativität herrscht, weil hier eben ganz unterschiedliche Ideen zusammenkommen. Ich glaube auch, dass der gemischte Club der Club der Zukunft wird.

TAGEBLATT: Der Lions Club – Sie erwähnten es vorhin – wird 2017 100 Jahre alt. Ist ein solcher Club eigentlich noch zeitgemäß? Ist er eine immer noch aktuelle Antwort auf soziale Probleme?
Schwarz: Sicher ist es nicht immer einfach, eine solche Organisation immer der Zeit und ihren Bedürfnissen anzupassen, zumal er generationsübergreifend mit seiner Struktur weitergegeben und weiterentwickelt werden muss. Ich denke, wir können für uns Lions Deutschland sagen, dass wir uns deutlich abheben von anderen Regionen der Welt. Wir bemühen uns, den akuten gesellschaftlichen Herausforderungen immer wieder neu zu stellen.

TAGEBLATT: Haben die Lions eigentlich Probleme, junge Mitglieder zu bekommen. Ist der Club auch für Jüngere attraktiv?
Schwarz: Die weltweiten Mitgliederzahlen stagnieren seit einigen Jahren, sind in Nordamerika und anderen Kontinenten deutlich rückläufig. Wir hier im deutschsprachigen Raum haben keine Probleme, aber die Wachstumsgrenze scheint aber auch bei uns erreicht zu sein.

TAGEBLATT: Noch ein kurzer Blick auf das bald bevorstehende Jubiläum. Sie haben sich im Distrikt zum 100-Jährigen etwas Besonderes ausgedacht…
Schwarz: Wir wollen neben den umfassenden Aktionen in ganz Deutschland ein Projekt in der Behindertenarbeit umsetzen. Der Buxtehuder Horst W. Müller arbeitet mit behinderten Menschen. Blinde Menschen erstellen nur über ihren Tastsinn mit Fingerfarben Kunstwerke. Das führt zu erstaunlichen Ergebnissen. Wir, das heißt unser Distrikt und drei weitere benachbarte Distrikte, planen zum Jubiläum, 100 Workshops mit Behinderten durchzuführen. 2017 wollen wir dann mit 100 Behinderten und ihren Kunstwerken eine Veranstaltung in Berlin organisieren.

Der Lions Club International ist 1917 von dem Amerikaner Melvin Jones gegründet worden. Die Vorbereitungen zu den 100-Jahr-Feiern, die sich über die ganze Welt erstrecken, laufen bereits an. Der Chicagoer Versicherungskaufmann Jones war auch Freimaurer.

Heute hat die international tätige Institution rund 1,36 Millionen Mitglieder. Im Grunde sind die Lions auf der ganzen Welt zu finden: 46 238 Clubs verteilen sich auf 208 Länder und Gebiete. Der Frauenanteil der Mitglieder des ursprünglichen Herrenclubs liegt weltweit bei rund 25 Prozent.

In Europa wurden die ersten Lions Clubs erst Mitte des 20. Jahrhunderts nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Schweden und Schweizer waren die Vorreiter. In Europa gibt es rund 9700 Clubs mit über 262 000 Mitgliedern.

Der erste Lions Club in Deutschland wurde 1951 in Düsseldorf gegründet. Im Kreis Stade feierte der Stader Lions Club vor drei Jahren sein 50-jähriges Bestehen. Mehr als 1520 Lions Clubs mit mehr als 52 000 Mitgliedern gibt es in Deutschland.

Zum Distrikt 111 Niedersachsen-Bremen, dem Detlef Schwarz aus Apensen zurzeit als Distrikt-Governor vorsteht, zählen fast 2000 Lions in 57 Clubs.Im Kreisgebiet gibt es Lions Clubs in Kehdingen, zwei in Stade, davon der einzige gemischte Club Aurora von Königsmarck, zwei in Buxtehude, davon ein reiner Frauenclub, sowie Clubs im Alten Land und in Harsefeld. Insgesamt gibt es im Landkreis rund 270 Lions.

Mit dem Motto „We serve“ („Wir dienen“) verpflichten sich die Lions-Freunde, den Dienst am Nächsten über ihre persönlichen Interessen zu stellen. Lions haben das Ziel, im „freundschaftlichen Miteinander bedürftigen Menschen zu helfen“.

Sie legen großen Wert auf eine weltoffene Einstellung. Die politische Gesinnung, Religion oder Herkunft spielen keine Rolle. Die Lions Clubs versuchen, in ihrer Mitgliederstruktur eine ausgeglichene Mischung von Berufen zu erreichen.

 

 

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