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Aurubis: Kein modernes Leben ohne Kupfer

1230 Grad heiß: Am Ende des Schmelzprozesses wird das flüssige Kupfer zu sogenannten Anoden vergossen – jede wiegt knapp 400 Kilogramm. Fotos Aurubis

1230 Grad heiß: Am Ende des Schmelzprozesses wird das flüssige Kupfer zu sogenannten Anoden vergossen – jede wiegt knapp 400 Kilogramm. Fotos Aurubis

Aurubis ist Europas führender integrierter Kupferkonzern und zudem der weltweit größte Kupferrecycler. Trotz aller Gewinnorientierung: Ein Besuch bei dem Giganten auf der Veddel zeigt, wie stark heutzutage auch ökologische und soziale Belange zählen. 

Montag, 27.06.2016, 20:06 Uhr

Hier trifft alte Industrie auf modernes Konzernmanagement.

Gerade weil Aurubis ein weltweit umspannender Kupferkonzern ist, spielt das Thema Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. So produziert das Veddeler Traditionsunternehmen für den Weltmarkt gut eine Million Tonnen börsenfähiger Kathoden. „Ohne Kupfer gäbe es kein modernes Leben“, betont Aurubis-Sprecherin Michaela Hessling.

Doch wo bis in die 1960er Jahre noch rauchende Schlote als Zeichen von Wachstum und Prosperität positiv besetzt waren, hielt ein Jahrzehnt später ein anderes Bewusstsein Einzug in die Gesellschaft, die das Thema Nachhaltigkeit – auch durch die Politik forciert – auf ihre Agenda setzte. Mittlerweile dient Aurubis das EU-Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) als Grundlage, auch soziale und ökologische Belange in die Unternehmenskultur zu implementieren. „Es geht um ein klassisches Gleichgewicht von Wirtschaft, Umwelt und Mensch“, erläutert die Nachhaltigkeits-Managerin von Aurubis, Kirsten Kück. Diese Parameter müssten in den einzelnen Phasen der Wertschöpfungskette „Rohstoffe – Prozesse – Produkte“ berücksichtigt worden sein. Um dies auch zu belegen, erstellt Aurubis seit 2008 regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte.

Zur Unternehmensphilosophie gehören OECD-Richtlinien für die Verarbeitung konfliktfreier Rohstoffe, Kernarbeitsnormen, die sich gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz und Kinderarbeit richten sowie der „Global Compact“ der Vereinten Nationen, der Unternehmen auffordert, ihre Aktivitäten nach den zehn Prinzipien der sozialen und ökologischen Verantwortung auszurichten.

So finden an den Schornsteinen heute automatische Messungen statt, ein Live-Monitoring der Hamburger Umweltbehörde kontrolliert die Emissionen. Das Recycling von komplexen Materialien gehört ebenso zur Nachhaltigkeitsstrategie wie die Erhöhung der Arbeitssicherheit oder eine stärkere Verantwortung in der Lieferkette. Auch Kundenanfragen spiegeln wider, dass das Thema auf die Agenda gehöre, so Kück. „Es sind wachsende Anforderungen an uns als Lieferanten, denen wir uns stellen.“

Aurubis ist Europas führender integrierter Kupferkonzern und der weltweit größte Kupferrecycler. Das Unternehmen produziert hochreines und hochwertiges Kupfer und verarbeitet es weiter zu Vorprodukten. Am 28. April feierte Aurubis – der Name bedeutet „rotes Gold – mit seinen weltweit insgesamt 6300 Mitarbeitern 150-jähriges Firmenjubiläum. 1866 wurde das Unternehmen als Norddeutsche Affinerie AG in Hamburg gegründet, seit 1998 ist man an der Börse.

Basis der Kupferproduktion ist Erz, das in Minen wie zum Beispiel in Chile gewonnen wird und einen Kupfergehalt von knapp 1,5 Prozent hat. Vor Ort wird es zu einem Kupferkonzentrat mit etwa 30 Prozent angereichert und nach Brunsbüttel verschifft, von wo aus es per Binnenschiff zum Hamburger Werk gelangt. Aurubis kauft das Rohmaterial und verkauft die Produkte zum aktuellen Börsenpreis.

Doch auch das Altkupfer und Recyclingmaterialien jeglicher Art werden wieder als hochwertiges Kupfer in die Wertschöpfungskette zurückgeführt. „Neben Kupfer werden auch andere Metalle, wie Gold, Silber, Eisen und Aluminium zurückgewonnen – Aurubis ist also eigentlich ein Multi-Metall-Konzern“, berichtet Hessling. Es gibt klare Richtlinien, nach denen die Materialien eingestuft werden. Wichtig sind Kupferinhalt und Komplexität der Inhaltsstoffe. Dies reicht vom 99-prozentigen Altkupfer aus Kupferkabeln über Elektronikschrotte bis zu Industrierückständen, die nur 10 bis 50 Prozent Kupfer erhalten.

Kupfer wird in sämtlichen Lebensbereichen eingesetzt: beim Hausbau, in der Auto- oder Flugzeugproduktion bis hin zur Computerindustrie. Der Kupferbedarf wächst auch mit dem steigenden Lebensstandard. Da die meisten Produkte kurzlebiger und komplexer würden, komme der Schadstoffentfrachtung eine immer wichtigere Aufgabe zu. Dennoch: „Auf absehbare Zeit kommt die Welt jedoch nicht ohne zusätzliches Primärkupfer aus“, betont Hessling.

In einer Riesenhalle auf der Veddel fließt das flüssige Kupfer, um kurz darauf in Form gebracht zu werden. Grünes Feuer flankiert die lavahaft goldfarbene Masse. Sie ist 1230 Grad heiß, bei 1080 Grad hat Kupfer seinen Schmelzpunkt erreicht. Das zuvor in Minen gewonnene Kupfer wird geschmolzen und anschließend immer weiter raffiniert, bis der Reinheitsgrad 99,995 Prozent beträgt. Kupfer besitzt herausragende physikalische, chemische und mechanische Eigenschaften. Besonders die Wärme- und elektrische Leitfähigkeit ist exzellent und macht es zu einem unverzichtbaren Rohstoff. Rund 400 000 Tonnen Kupfer-Kathoden im Jahr werden von Aurubis alleine am Standort Hamburg produziert, im nordrhein-westfälischen Lünen verfügt der Betrieb zudem über eine reine Recycling-Zweigstelle. Das Aurubis-Gelände im Hamburger Süden unweit der Elbbrücken ist so riesig, dass man mit dem Auto oder Werksbus die verschiedenen Produktionsstätten besuchen muss.

Offene Werkstür

Von rauchenden Schloten bis zum Start-up, das Apps entwickelt – Harburgs Industriegeschichte ist bunt und vielseitig. In loser Folge berichtet das TAGEBLATT ab sofort darüber, was hinter den Werkstoren passiert.

Ein Aurubis-Mitarbeiter schätzt den Kupfergehalt einer Partie Altkupfer – ein Job, der viel Erfahrung benötigt, denn diese Schätzung ist Basis für die Abrechnung .

Ein Aurubis-Mitarbeiter schätzt den Kupfergehalt einer Partie Altkupfer – ein Job, der viel Erfahrung benötigt, denn diese Schätzung ist Basis für die Abrechnung .

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