Rübke zu Unrecht aus dem Alten Land geworfen
Vorher: Andreas Bartels (von links), Helmut Ellmers und Klaus-Dieter Busch von der Arbeitsgemeinschaft Dorferhaltung Rübke (ADR) vor dem Schild, das zum Ärger der Rübker bisher am Ortseingang von Rübke die Besucher aus dem Alten Land verabs
So einfach aus dem Alten Land geworfen zu werden – diese Schmach wollten Rübker Lokalpatrioten offenbar nicht länger ertragen. Irgendwer hat das falsch platzierte Werbeschild am Eingang Rübkes jetzt heimlich umgedreht. Es soll umgestellt werden.
Ein Schildbürgerstreich lässt sich am besten mit einem Schildbürgerstreich beantworten – das oder Ähnliches muss wohl in den Köpfen derer vorgegangen sein, die jetzt zur Rettung der Ehre Rübkes als traditionsreiches Altländer Dorf kurzerhand zur Tat geschritten sind. Die touristische Werbetafel, die der Tourismusverein Altes Land sehr zum Ärger der Rübker Bürger auf der falschen Seite des Dorfes aufgestellt und damit das Altländer Dorf sehr zu Unrecht einfach aus der namhaften alten Kulturlandschaft ausgebürgert hatte – das TAGEBLATT berichtete Mitte Mai ausführlich – steht seit einigen Tagen plötzlich andersherum. Nun werden die Besucher am Eingang zum Dorf im Alten Land willkommen geheißen, auf der Rückseite der Tafel bei der Fahrt nach Neuenfelde hingegen aus dem Alten Land verabschiedet.
Waren es bisher die Rübker, die sich schwarzärgerten, wenn sie die falsch stehende Tafel Tag für Tag am Dorfeingang begrüßte, war es diesmal die Geschäftsführerin des Tourismusvereins Jork, die ihren Augen nicht traute, als sie in der vergangenen Woche nach Rübke fuhr und das Schild in Augenschein nahm — eigentlich, um den ebenfalls falschen Hinweis auf die nicht mehr existierende Sparkasse in Rübke mit einem neuen Hinweis auf den Sparkassen-Standort am Neuenfelder Domänenweg zu überkleben: „Ich fahre dahin und denke, das kann ja wohl nicht sein, dass das Schild verkehrt herum aufgestellt worden ist“, sagt Ana Drescher. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand da beigeht und das Schild umdreht.“ Schnell wurde ihr aber klar, dass genau das geschehen sein musste.
Andreas Bartels, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dorferhaltung Rübke (ADR), der sich wie viele Rübker Bürger seit langem über den plakativen Rausschmiss Rübkes aus dem Alten Land ärgert, hat auch keine Idee, wer da wohl zur Tat geschritten sein könnte, sieht die Aktion allerdings nicht ohne Gefallen: Eigentlich sei das eine begrüßenswerte Provokation, um die Verärgerung der Rübker über den Rausschmiss aus dem Alten Land publik zu machen, findet Bartels. Er hoffe nun, dass sich der Tourismusverein Jork seiner Verantwortung bewusst werde und sich die Zuständigen jetzt an einen Tisch setzen und eine Lösung finden, wünscht sich Bartels.
Offenbar hat die anonyme Umdreh-Aktion schon jetzt mehr bewegt als alle Versuche der Rübker in der Vergangenheit, auf dem üblichen Dienstweg eine Versetzung der Tafel zu erreichen. Sie habe bereits Kontakt mit der Gemeinde Neu Wulmstorf aufgenommen um zu klären, ob das Schild umgestellt werden könne, sagt Ana Drescher dem TAGEBLATT, und auch Neu Wulmstorfs Gemeindesprecherin Sandra Lyck bestätigt, dass jetzt gemeinsam versucht werden soll, das Schild auf die andere Seite von Rübke zu stellen, an den Neuenfelder Hinterdeich und damit genau dahin, wo der Moorgürtel endet und das Alte Land samt Rübke anfängt. „Wir sind uns alle einig, dass das Schild versetzt werden muss“, bestätigt auch Bürgermeister Wolf Rosenzweig und betont die gute Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Jork.
Das hört auch Andreas Bartels gern. So wie es jetzt steht, kann das Schild selbstredend auch aus Sicht der Rübker nicht bleiben. „Wir wollen Neuenfelde natürlich nicht aus dem Alten Land ausschließen, aber wir Rübker wollen dem Alten Land auch wieder angehören.“
Nachher: Unbekannte Rübker Lokalpatrioten haben das Schild jetzt in aller Stille schlicht umgedreht. Am Dorfeingang von Rübke werden die Besucher nun im Alten Land willkommen geheißen. Dafür ist jetzt Neuenfelde ausgebürgert. Fotos Michaeli