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Schüler singen gegen Hass und Terror

Schülerinnen der Klasse 10a der Stadtteilschule Wilhelmsburg mit ihren Urkunden.

Schülerinnen der Klasse 10a der Stadtteilschule Wilhelmsburg mit ihren Urkunden.

Projekt der Wilhelmsburger Stadtteilschule gewinnt Bertini-Preis – Auch Schüler aus Finkenwerder gehören zu den Geehrten.

Von Sabine Lepél Sonntag, 31.01.2016, 15:19 Uhr

Zum 18. Mal sind Schülerinnen und Schüler aus Hamburg mit dem renommierten Bertini-Preis ausgezeichnet worden. Auch zwei Projekte aus dem Hamburger Süden waren darunter. Schüler aus Finkenwerder und Wilhelmsburg gehören zu den Geehrten.

Sie singen gegen Diskriminierung, Hassprediger und Kriege und sind dafür jetzt mit dem wichtigsten Hamburger Schüler-Preis ausgezeichnet worden: Schülerinnen und Schüler der 10a der Stadtteilschule Wilhelmsburg konnten jetzt den Bertini-Preis 2015 im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg entgegennehmen. „Gegen Rechtsextremismus, Gewalt und soziale Ausgrenzung“ - unter diesem Motto werden mit dem renommierten Preis Jugendliche, die sich für ein solidarisches Zusammenleben einsetzen, für ihre Zivilcourage ausgezeichnet.

Der Name des Preises, vergeben von einem Verein, dem unter anderem die Haspa, der NDR und die Sozialbehörde angehören, geht zurück auf den Roman „Die Bertinis“ von Ralph Giordano, der darin das Schicksal seiner von den Nazis verfolgten Familie erzählt. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und ging diesmal an insgesamt fünf Projekte.

Eines davon ist „Let me speak – Songs zum Thema IS und PEGIDA“ von der Stadtteilschule Wihelmsburg. Die 10a hat Songs produziert, mit denen die Schüler des Musik- und Videoprofils der Stadtteilschule ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung, Hass und Kriege setzen wollten. Die Vorstellung, einen Song zu diesem Thema zu produzieren, hatten die Schülerinnen und Schüler von Ben Lobgesang schon lange. Die konkrete Idee für das Album entstand dann bei einer Schulprojektwoche zum Thema IS und Pegida. Für Esma-Nur Koca, Schülerin der 10a, ist die Sache klar: „Wir wollen in Frieden zusammen leben. Unsere Botschaft ist, dass wir alle gleich sind, egal wie wir aussehen, an was wir glauben oder wo wir herkommen. Toleranz ist uns wichtig.“

Die Stadtteilschule in Wilhelmsburg ist sehr international. Viele verschiedene Nationen lernen dort gemeinsam. „Und das klappt ja auch“, sagt Esma.

Die insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler haben die Lieder selbst geschrieben, komponiert und produziert. Dabei hatte die Profilklasse professionelle Unterstützung vom Musiker „Fayzen“ und durfte den Song „Let me speak“ in einem echten Tonstudio entwickeln. „Das war eine tolle Erfahrung. Wir konnten mithilfe unserer Lehrer und den Musikern lernen, wie man ein Video schneidet“, so die jugendlichen Preisträger. Über das Internet werden die Songs geteilt: „So erreichen wir viele Menschen“, meint Esma. Das Video bei Youtube wurde schon mehr als 6000 mal aufgerufen. Ihre musikalische Botschaft „Stop the terror, stop the hate“ im Song „Let me speak“ geht ins Ohr.

„Man hört über Migranten in den Medien häufig mehr negative als positive Dinge. Das bleibt haften“, sagte der 16-jährige Oguz Han Akgün in einem Interview am Rande der Veranstaltung. „Wir wollen zeigen, dass wir diesen Vorurteilen nicht entsprechen. Unser Ziel ist es, dass unterschiedliche Kulturen aufeinander zugehen.“ Auch Hamburgs Schulsenator fand anerkennende Worte: „Ein Projekt dieser Güte stellt ein Vorbild für das gemeinschaftliche Denken in unserer Gesellschaft dar“, betonte Ties Rabe bei der Preisverleihung. „Die Jugendlichen stehen mutig vor der Kamera und tun damit nicht nur Gutes für sich selbst, sondern zeigen, dass sie sich in die Gefühle vertriebener, ausgegrenzter und verfolgter Menschen hineinversetzen können.“ Damit regten sie zum Nachdenken an und dazu, sich eine eigene weltoffene Meinung zu bilden, so der Senator.

Die Schüler des Musik- und Videoprofils an der Stadtteilschule Wilhelmsburg haben seit der achten Klasse Musik- und Videounterricht. Sie haben gelernt, mit dem Computer-Programm Cubase umzugehen und selbstständig Songs am Computer zu produzieren. Mehr Infos unter www.stadtteilschule-wilhelmsburg.de

Schüler für Stein

Schüler der Stadtteilschule und des Gymnasiums Finkenwerder haben dafür gesorgt, dass Finkenwerder den ersten Stolperstein zum Andenken an ein Nazi-Opfer bekommen hat. Rumeysa Yigit, Nele Barghusen, Wilma Luth, Julia Klindworth und Lefke Sandrock schrieben eine Dokumentation über den behinderten Jungen Hermann Quast, der 1936 in Finkenwerder geboren wurde. 1943 wurde er als Siebenjähriger wahrscheinlich durch eine Giftspritze in der „Heilanstalt“ Eichberg ermordet. Die Schüler aus Finkenwerder sammelten Geld für die Verlegung eines Stolpersteins zur Erinnerung an den Jungen und damit auch an das Tötungsprogramm, das die Nationalsozialisten an Behinderten durchführten.

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