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Voba: Alles richtig gemacht

Insolvenz der Ehrecke-Krüger GmbH: Volksbank steht hinter Aufsichtsratschef.

Von Daniel Beneke Montag, 09.11.2015, 17:51 Uhr

Nach dem Streit um die Insolvenz der Ehrecke-Krüger Haustechnik GmbH hat sich nun der Vorstand der Hausbank des Betriebes, der Volksbank Geest, geäußert. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Kai Säland hatte als Steuerberater an einem Übernahmeangebot mitgearbeitet, in dem einer der zerstrittenen Partner seinem Kompagnon bei „fehlgeschlagener Geschäftsanteilsübernahme“ mit der Kündigung des Kreditrahmens der Firma bei der Volksbank Geest drohte.

Volksbank-Chef Hans-Hinrich Koppelmann hält sich allerdings bedeckt: „Ich kann keine Aussagen zu Kreditnehmern machen. Das unterliegt dem Bankgeheimnis“, sagte er dem TAGEBLATT. Den Vorwurf eines möglichen Interessenkonflikts von Säland als Steuerberater von dem in der Kritik stehenden Gesellschafter Andreas K., in dessen Namen das Übernahmeangebot unter Sälands Mithilfe verfasst wurde und der später das Unternehmen in die Insolvenz geführt haben soll, und seiner Funktion als Aufsichtsratschef der Volksbank, will er ebenfalls nicht kommentieren. Jedes Aufsichtsratsmitglied überprüfe eine Befangenheit für sich selbst: „Ich bin mir sicher, dass Herr Säland gewissenhaft damit umgeht.“ Auch dem Einwand des Buxtehuder Anwalts Ingo Ebling im Hinblick auf die seiner Ansicht nach unzulässige Annahme der Kündigung des Kreditrahmens durch K. entgegnete Koppelmann nicht, verwies auf „Betriebsinterna“. Weil Firmengründer Michael Ehrecke in dem Bestreben, seine insolvente Firma zu retten, mit der Volksbank Geest weiter zusammenarbeiten möchte, ist sich der Vorstandsvorsitzende sicher, dass seine Bank „alles richtig gemacht“ habe.

Nach der Insolvenz des Beckdorfer Betriebs hatte Ehrecke im TAGEBLATT schwere Vorwürfe gegen seinen Partner K. erhoben: Der Harsefelder soll das Unternehmen absichtlich in die Zahlungsunfähigkeit getrieben haben. Über einen ihm gehörenden Großhändler habe er überhöhte Rechnungen gestellt und sich dadurch bereichert, außerdem Schein- und Schwarzgeldgeschäfte abgewickelt. Die Steuerfahndung ermittelt, es kam zu Hausdurchsuchungen.

K., der die Anschuldigungen bestreitet, versuchte noch im Sommer, das heute insolvente Unternehmen, das ihm bereits zu 40 Prozent gehört, komplett zu übernehmen. Dazu legte er seinem Mitgesellschafter ein Angebot vor. In dem Papier, das mit Hilfe von Steuerberater Säland ausgearbeitet worden war, drohte der damals alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer seinem Partner mit der Kündigung des Kreditrahmens der Firma bei der Volksbank, wo Säland wiederum Aufsichtsratsvorsitzender ist. Seine Ankündigung habe K. schließlich vollzogen, berichtet Ehreckes Anwalt Ebling. Für höchst problematisch hält der Jurist dabei die Dopperolle des Harsefelder Steuerberaters und Aufsichtsratsvorsitzenden. Diese Interessenkollision infolge der „Mehrfachfunktion“ ist für Ebling „bedenklich“. Sie führe überdies dazu, dass die Bank die Kündigung des Kreditrahmens durch K. gar nicht hätte annehmen dürfen. Die Kündigung sei unwirksam, da das Kreditinstitut in Person ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Säland von der damit einhergehenden Schädigungsabsicht – gemeint ist K.s angeblicher Plan, die Ehrecke-Krüger Haustechnik GmbH in die Insolvenz zu führen – gewusst habe.

Finanzbeamtin bedroht

Inzwischen haben die Strafverfolgungsbehörden gegenüber dem TAGEBLATT bestätigt, dass Unbekannte vor dem Haus jener Mitarbeiterin des Stader Finanzamtes, die das Steuerverfahren gegen Andreas K. ins Rollen brachte, ein totes Schaf deponiert haben. In Mafiakreisen gelten Tierkadaver als Morddrohung. Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas erklärte aber lediglich, dass die Staatsanwaltschaft in diesem Fall tätig sei. Zur Frage, ob ein Zusammenhang mit den Ermittlungen um die Beckdorfer Firma bestehe, mochte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.

Nach TAGEBLATT-Informationen sollen sich Unbekannte auch am Auto der Finanzbeamtin zu schaffen gemacht haben.

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