TAnwohner protestieren gegen Wohnungsbau in Hollern-Twielenfleth
Anwohner der Hinterstraße in Hollern-Twielenfleth sind in Sorge. Sie fürchten aufgrund der starken Bebauung um die Verkehrssicherheit. Foto: Vasel
Die Anwohner der Hinterstraße in Hollern sind in Sorge: Sie fürchten um die Verkehrssicherheit - insbesondere ihrer Kinder. Die Gemeinde Hollern-Twielenfleth reagiert.
Hollern. „Wir haben erhebliche Bedenken, dass die vorhandene Verkehrsinfrastruktur für die zusätzliche Bebauung nicht ausreichend ist“, sagt Klaus Hauschild. Die asphaltierte Straße sei eine schmale Sackgasse mit einer Fahrbahnbreite von knapp drei Metern. Es gebe keinen durchgehenden Gehweg. Die Straße dient der Erschließung von Obsthöfen und -plantagen sowie älterer und neuerer Wohngebiete.
Anwohner sorgen sich um ihre Kinder
Bereits heute sei die Straße aus Sicht der Anwohner „stark belastet“, so Hauschild. Es komme regelmäßig zu Problemen durch parkende Fahrzeuge, abgestellte Mülltonnen und Begegnungsverkehr auf engstem Raum. „Besonders kritisch sehen wir die Situation für Kinder, Fußgänger, Radfahrer sowie für Rettungs-, Feuerwehr- und Entsorgungsfahrzeuge.“
Sie beklagen, dass die Gemeinde Hollern-Twielenfleth, im Gegensatz zu anderen Projekten in der Vergangenheit, keine Bebauungspläne aufgestellt hat.
Die Bürgerinitiative verweist auf das Lindemann-Projekt „Wohnpark Siebenhöfen“ mit 32 Wohnungen. Das war 2022 an die parallel zum Elbdeich verlaufende Straße Sandhörn angeschlossen worden, um die Hinterstraße nicht zu belasten. Lediglich der zweite Rettungsweg, abgesperrt mit Pollern, ist an diese angebunden. Damit sollte die Hinterstraße vor mehr Verkehr bewahrt werden. Einen B-Plan gebe es auch für das Baugebiet „Hinterstraße Nord“.
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Ohne Bebauungsplan müssen sich Investoren allein an Baugesetzbuch und Gestaltungssatzung halten. Sie können ihre Projekte auf der Grundlage von Paragraf 34 des Baugesetzbuches („Lückenbebauung“) auf den Weg bringen. Das heißt: Die neue Bebauung muss sich „in die Eigenart der näheren Umgebung“ einfügen.
Weitere Kriterien: Die Erschließung muss gesichert sein, das Ortsbild darf „nicht beeinträchtigt werden“. Dann gibt es den notwendigen Stempel aus dem Kreis-Bauamt in Stade. Dieses ist in der Samtgemeinde Lühe die zuständige Baugenehmigungsbehörde. Die Neubauten „waren zu genehmigen“, betont der Landkreis Stade.
Kritik: Behörden betrachten nicht die gesamte Verkehrssituation
Die Anwohner beklagen, dass im Kreishaus in Stade und im Rathaus in Steinkirchen die Bauvorhaben lediglich einzeln betrachtet werden. Kurzum: Eine Gesamtbetrachtung der Verkehrssituation fehle. Hauschildt betont: „Uns geht es nicht darum, Bauvorhaben grundsätzlich zu verhindern. Wir erwarten jedoch, dass zusätzliche Bebauung nur dann erfolgt, wenn die Verkehrssicherheit und die vorhandene Infrastruktur nachvollziehbar geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.“ Die Straße sei schon heute an ihrer Belastungsgrenze.
Investor plant weitere Wohnbebauung
Ein Investor aus Buxtehude plane aktuell, ein Grundstück mit 14 Wohneinheiten zu bebauen. Damit nicht genug: Die Pläne für das nördlich liegende Fachwerkhaus-Wohngebiet zwischen L140 (Siebenhöfen) und Hinterstraße seien überarbeitet worden. Ursprünglich wollte eine Firma dort sechs Einfamilienhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser errichten.
Doch die Nachfrage blieb aus. Vier Einfamilienhäusern fanden aufgrund gestiegener Bau- und Finanzierungskosten für Häuslebauer keine Interessenten. Stattdessen sollen jetzt zwei weitere Mehrfamilienhäuser entstehen. Zwei stehen bereits an der Landesstraße, mit insgesamt acht Wohneinheiten. Das hat Rolf-Peter Koch von ISH Immobilien aus Stade bestätigt.

Blick auf eines der neuen Bauprojekte - zwischen der Hinterstraße und der L140 in Hollern. Auf der Freifläche sollen - wie bereits vorne an der Landesstraße - zwei weitere Mehrfamilienhäuser errichtet werden. Foto: Vasel
Die sechs Einfamilienhäuser sollten über die Hinterstraße erschlossen werden. Dabei bleibe es. Zwischen den Laubengängen sei kein Platz für eine Erschließungsstraße, so Koch. Das heißt: Die zwei geplanten zusätzlichen Mehrfamilienhäuser werden über die Hinterstraße angebunden. Dort stehen die zwei bereits errichteten Fachwerk-Einfamilienhäuser.
„Wir nehmen die Sorgen der Anlieger ernst“
Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Dirk Thobaben (CDU) und der stellvertretende Gemeindedirektor, Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (parteilos), betonten unisono: „Wir nehmen die Sorgen der Anlieger ernst.“ Das Samtgemeinde-Ordnungsamt habe Bußgeldbescheide veranlasst, die Verkehrsüberwacherin werde die Hinterstraße im Blick behalten. Baurechtlich seien den Altländern die Hände gebunden.
Bei der Hinterstraße handele es sich um eine gewidmete Straße. Das heißt: Im Rathaus werde lediglich geschaut, ob die erforderlichen öffentlichen Einrichtungen für die Erschließung der Baugrundstücke vorhanden seien. Bei der Prüfung wird geschaut, ob eine Anbindung an das Wasser-, Strom- oder Abwassernetz sowie die Erreichbarkeit über eine öffentliche Straße, die grundsätzlich von Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen befahren werden kann, vorhanden seien. Abstand habe der Rat bei kleineren Vorhaben von Veränderungssperren und B-Plänen genommen.
Gemeinde verspricht einen Fußweg
„Ich verstehe, dass sich Anlieger Sorgen machen - insbesondere wegen der Kinder“, sagt der Bürgermeister. Deshalb habe die Gemeinde Hollern-Twielenfleth beschlossen, einen Fußweg zu bauen - aus Platzgründen ohne Hochbordstein, überfahrbar bei Gegenverkehr.
In diesem Jahr fließt Geld für den ersten, 70 Meter langen Abschnitt. Im Haushalt 2027 sollen weitere Mittel bereitgestellt werden, so Thobaben. Der neue Rat wird am 13. September gewählt.
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