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TBürgerschaft Twielenfleth: Ortsname gerettet, Leuchtturm saniert

Joachim Steffens von der Bürgerschaft Twielenfleth blickt vom Leuchtturm auf die Elbe.

Joachim Steffens von der Bürgerschaft Twielenfleth blickt vom Leuchtturm auf die Elbe. Foto: Vasel

Fast wäre Twielenfleth von der Landkarte verschwunden. Doch dass Hollern-Twielenfleth heute auf dem Ortsschild steht, das ist nur ein Erfolg der Bürgerschaft.

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Von Björn Vasel
02.08.2026, 11:00 Uhr

Twielenfleth. Die Twielenflether blicken auf eine lange Geschichte zurück. Im Jahr 1059 wurde der bereits in sächsischer Zeit vor der Holler-Kolonisation besiedelte Landstrich erstmals urkundlich in einer mittelalterlichen Schenkungsurkunde erwähnt. Die edle Frau („domina“) Riquur aus Stade übertrug ihren Grundbesitz an die Kirche - auch in Tuinunfliet, wie der Ort seinerzeit hieß. Erzbischof Adalbert I. von Hamburg-Bremen stellte die Urkunde aus. In dieser heißt es, dass die „Nonne Riquur, vom Feuer der Liebe zu Gott entbrannt“, ihr Erbe der Kirche überlassen habe.

Die Ortschaft ist damit älter als Hollern (1140). Doch ihre Geschichte und Identität hätten weder das Land Niedersachsen noch die Bezirksregierung Lüneburg im Zuge der Umsetzung der niedersächsischen Gemeindereform in den 1960er Jahren interessiert. Doppelnamen waren unerwünscht.

Und so mussten die selbstständigen Gemeinden Hollern und Twielenfleth sich zum 1. Januar 1967 zur „Gemeinde Hollern“ zusammenschließen. Diesen Verlust hätten die Twielenflether nicht hinnehmen wollen. „Wir wollten nicht von der Landkarte verschwinden“, sagt Joachim Steffens von der Bürgerschaft Twielenfleth.

Twielenflether kämpfen für ihren Ortsnamen

Twielenfleth wurde zum gallischen Dorf. 1976 gründete sich die Bürgerschaft im Fährhaus, um den Namen der Ortschaft zu bewahren. Unzählige Schreiben verfassten die Altländer. Ihr Kampf gegen die Ortsnamen-Bürokraten war von Erfolg gekrönt. Seit 1984 trägt die Gemeinde ihren heutigen Namen Hollern-Twielenfleth. Auch das Freibad bekam zehn Jahre nach seiner Eröffnung die Bezeichnung „Hollern-Twielenfleth“.

Auf diesem Erfolg hätten sich die Twielenflether ausruhen können, das ursprüngliche Ziel war schließlich erreicht. Doch ihr Dorf lag ihnen am Herzen. Die Bürgerschaft widmete sich verstärkt der Pflege der Kultur des Alten Landes sowie der Verschönerung des Ortsbildes. Sichtbares Zeichen des Engagements seien die 35 Bürgerschaft-Sitzbänke auf und hinter dem Deich.

Blick auf den Alten Leuchtturm in Twielenfleth.

Blick auf den Alten Leuchtturm in Twielenfleth. Foto: Vasel

Ein Ortswappen sollte die Verbundenheit beider Ortsteile symbolisieren. Es zeigt zwei markante Bauwerke: den historischen Kirchturm von Hollern - ursprünglich als Wehrturm errichtet und ältestes Bauwerk des Alten Landes - und den Leuchtturm Twielenfleth. Letzterer war 1893 in Betrieb genommen worden.

Blick auf den Leuchtturm von Twielenfleth im Jahr 1938.

Blick auf den Leuchtturm von Twielenfleth im Jahr 1938. Foto: Archiv

Als das Licht am 12. Oktober 1984 verlosch, drohte die Verschrottung. „Für uns war das inakzeptabel. Das war nicht nur eine Frage der Geschichte, sondern auch der Identität des Ortes“, sagt Steffens.

AKW-Azubis sanieren den Alten Leuchtturm

Mit Unterstützung von Sponsoren gelang es, das Baudenkmal für die Nachwelt zu erhalten. Auszubildende des Atomkraftwerkes Stade restaurierten es unter großem Einsatz. Noch im selben Jahr wurde die circa neun Meter hohe Twielenflether Leuchtbake binnendeichs an der Chaussee wieder aufgestellt. Ursprünglich stand diese 50 Meter weiter östlich an der Elbe. Steffens: „Das war ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des historischen Erbes.“ Die Leuchtbake war Teil des Wappens.

Viele Mitglieder erinnern sich noch heute an diese Zeit „als eine Blütephase der Bürgerschaft“. Im Jahr 1989 richtete der Verein im Alten Leuchtturm ein kleines Schiffsmuseum ein. Feste Öffnungszeiten gab es nicht. Stattdessen galt das Motto: „Ist die Tür offen, ist jemand zu Hause.“

Meist war es Hans Heinrich Völkers, der damalige Vorsitzende. Mit großem persönlichem Einsatz und Leidenschaft hat er sich um die Belange des Vereins und um den Leuchtturm gekümmert. Häufig saß Völkers oben im Lampenhaus und beobachtete die Schiffe auf der Elbe. „Später saß er auf seiner Hochzeitsbank auf dem Deich, den Schlüssel für den Leuchtturm stets griffbereit“, so Steffens.

Blick in das Schifffahrtsmuseum im Alten Leuchtturm, Joachim Steffens von der Bürgerschaft Twielenfleth hält ein Buddelschiff in Händen.

Blick in das Schifffahrtsmuseum im Alten Leuchtturm, Joachim Steffens von der Bürgerschaft Twielenfleth hält ein Buddelschiff in Händen. Foto: Vasel

2025 konnte der Alte Leuchtturm für 30.000 Euro außen saniert werden. Ein Drittel brachte die Bürgerschaft auf. Die Gemeinde Hollern-Twielenfleth und die Leader-Region steuerten den Rest bei. 2027 soll das Innere saniert werden. 10.000 Euro werden benötigt.

Der Vorsitzende Joachim Steffens und sein Vorgänger und Vize Hans-Heinrich Faby bieten Führungen an (0162/ 8369772 oder 04141/ 792061). Das Schiffsmuseum ist jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr (April bis Oktober) und nach Vereinbarung geöffnet. Zurzeit läuft eine Buddelschiff-Ausstellung.

Steffens: „Mit Stolz blicken wir auf 50 Jahre Bürgerschaft Twielenfleth zurück, geprägt von Engagement für unsere Ortschaft und Gemeinschaft.“ Weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter seien willkommen.

Buddelschiff in der Sonderausstellung.

Buddelschiff in der Sonderausstellung. Foto: Vasel

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