TCranz: Bei Fiete Kramer vom Gasthaus Zur Post kommt Stint in die Dose
Bei Jan Frithjof Kramer vom Gasthaus Zur Post in Cranz kommt der Stint jetzt auch in die Dose. Foto: Vasel
Seit 1725 kommt der Stint im Gasthaus Zur Post auf den Teller. Jetzt steckt Fiete Kramer den Fisch in die Dose. Das Gimmick kommt an. Sogar Gourmets in China beißen an.
Cranz. In der Küche bereitet Chefkoch Christian Rindfleisch den fangfrischen Stint aus der Elbe zu. Der Rüganer stammt aus einer Fischerfamilie. Er kennt die Sterneküche.
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Louis C. Jacobs und Vier Jahreszeiten in Hamburg gehören zu seinen Stationen. Seit dem Jahr 2022 steht er im Gasthaus Zur Post auf dem Estedeich in Cranz am Herd. Bei 225 Grad wird der Stint langsam kross, währenddessen füllt sich die Gaststube. Selbst mitten in der Woche sind fast alle Tische belegt.
Fisch-DNA steckt bei Fiete Kramer im Blut
Gemeinsam mit seinem Chefkoch teilt Jan Frithjof Kramer eine Leidenschaft: Fisch. Mit seinem Vater Herbert war er mit Fischern, die ihr Gasthaus bis heute beliefern, schon als Kind auf Nordsee und Elbe unterwegs. Stint, Zander und Aal - all das gehört bei den Altländern seit Jahrhunderten auf die Karte. Seit 1725 gibt es das Gasthaus. „Fiete“ Kramer betreibt es in neunter Generation.

Zur-Post-Chefkoch Christian Rindfleisch bereitet den Stint zu. Foto: Vasel
Der Elbstint kommt immer noch ganz klassisch auf den Tisch, knusprig gebraten in Roggenmehl mit Essig-Zwiebelstippe, Zitrone und Kartoffelbeilage. Doch Spitzenkoch Christian Rindfleisch hat das frühere Arme-Leute-Essen neu interpretiert.

Zur-Post-Chefkoch Christian Rindfleisch verfeinert den Stint mit Kräutern. Foto: Vasel
Dazu gehören eigenes Salz, eigene Kräutersauce und handgemachte Korallenchips. „Wir haben beide die Fisch-DNA im Blut“, sagt Kramer. Das hatte Folgen.
Hoher Anspruch an Dosen-Stint
In Cranz kommt der Stint nicht mehr nur auf den Teller, sondern auch in die Dose. Das war eine Herausforderung.
„Das war eigentlich eine Schnapsidee, doch in meinem Kopf hatte ich das Produkt schon seit 2020“, sagt Kramer. Seit Mai 2025 hätten sie in der Küche experimentiert. Schließlich sollte der Dosen-Stint den hohen Ansprüchen der Altländer genügen. Die Essig-Zwiebelstippe sollte den typischen Kramer-Geschmack behalten, der Stint auch in der Dose kross aussehen.
Kramer’s Leevster: Rezeptur wird streng gehütet
Sie fanden eine Fischkonservenfabrik, die ihre Stint-Delikatesse unter dem Label Kramer‘s Leevster abfüllt. Jeder Stint wird in Cranz per Hand geschlachtet.

An einem geheimen Ort kommt der Stint in der Dose. Foto: Kramer
Der Produktionsort soll geheim bleiben, um es Nachahmern schwer zu machen. Das Rezept hüten Kramer und Rindfleisch wie ein Staatsgeheimnis. Doch Jan Frithjof Kramer verrät, wie es ihm und seinem Vater Herbert persönlich immer noch am besten schmeckt: die Stint-Dose auf, den Fisch in den Mund und ein Bier dazu.
Stint in der Dose aus Cranz kommt weltweit an
Ein Grund für die Schnapsidee: Die Familie habe ihren Betrieb mit dem Onlineshop und Produkten wie Stint in der Dose, Wein, Saft sowie Aquavit auf eine dritte Säule stellen wollen - neben der Gastronomie und den Ferienwohnungen.
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Denn seit Herbst 2025 wird in Cranz von Hamburg Wasser die Trinkwasserleitung erneuert. Das Gasthaus ist trotz der Teilsperrungen der Straße in Cranz weiter erreichbar. Doch Kramer wollte gerüstet sein, sollten weniger Gäste wegen der Baustelle kommen.
Das ursprünglich als „Gimmick“ gedachte Stint-Produkt entwickelt sich zum Renner.

Blick in die geöffnete Dose mit dem Kramer-Stint. Foto: Vasel
Deutschlandweit wird es nachgefragt. Stintliebhaber aus China, Australien, Österreich und Thailand haben die Dose in Cranz bereits bestellt. Auch Gourmet-Magazine wie Falstaff haben bereits angebissen.
Fiete Kramer profitiert von seiner Sport-Erfahrung
Um den Betrieb zu sichern und das Personal zu halten, hatte Kramer in Zeiten von Corona einen Lieferdienst aufgebaut. Dabei kamen ihm die Erfahrungen und Kontakte aus seiner Zeit bei der Sportmarketing-Agentur Sportfive zugute.
Weltklassefußballer wie Lothar Matthäus warben in den sozialen Medien für das Essen aus Cranz. „Ich brauch‘ keine Werbeagentur“, sagt der 39-Jährige. Bei Sportfive organisierte er Events mit Formel-1-Rennfahrern und Fußballstars und -vereinen wie Michael Ballack oder Manchester United.
Er habe immer sein „eigenes Ding“ machen wollen. „Ich wollte kein Spielball sein“, betont Kramer. Deshalb sei er 2019/2020 in den Familienbetrieb eingestiegen.

Blick auf das Gasthaus Zur Post in Cranz. Laut der Plattform Open Table gehört es zu den Top 50 der Restaurants mit Außenplätzen in Deutschland. Foto: Vasel
Nicht nur von seiner Zeit beim Sportmarketing, sondern auch von seinen Erfahrungen auf dem Fußballplatz profitiert der frühere Oberliga-Spieler Fiete Kramer nach eigener Aussage bis heute.
„Ich war Kapitän“, sagt der Cranzer. Das helfe ihm, den Betrieb mit saisonal bis zu 40 Mitarbeitern zu führen. „Wir sind eine Mannschaft, die einen gemeinsamen Spirit teilt. Du gewinnst nur im Team“, sagt der Gastronom. In der Küche stehen allein fünf Köche.
Alles, was sie entwickeln, müsse zur Kramer-DNA passen. Genuss und die Geschichte des Hauses und der Familie, das gehöre für ihn zusammen.
Günther Kramer ist im Video zu sehen
Damit spielt Kramer auch beim Marketing. Für den Stint in der Dose ließ er in einem KI-generierten Video seinen Großvater Günther Kramer wiederauferstehen - aus einem alten Foto. Am Ende stellt er die Stint-Dose ins Schaufenster.
Zum Gasthaus gehörten auch ein Einkaufsladen und eine Poststelle. Günther Kramer zählte zu den Mitbegründern der Spar-Kette in Norddeutschland.

Bild aus alten Zeiten: Günther Kramer vor dem Gasthaus Zur Post in Cranz. Foto: Kramer
Auch die Säfte seien kein Marketinggag. Sein Vater mache seit Jahrzehnten selbst Saft. Und so sei es folgerichtig gewesen, seine Lieblingsschorle jetzt auch in Flaschen abzufüllen.

Jan Winkels und Fiete Kramer bei der Stint-Übergabe. Foto: Kramer
Die alten Spar-Kontakte, freut sich Fiete Kramer, hätten jetzt auch dazu beigetragen, dass Edeka Drewes in Dollern die Produkte führt. Weitere Kunden im Lebensmitteleinzelhandel könnten folgen.

Herbert Kramer schaut auf die Schorle aus Äpfeln, Birnen und Brombeeren, die seinen Namen trägt: Herbert Schorle. Foto: Vasel
In der Gaststube werde die mehr als 300-jährige Geschichte für den Gast spürbar, sagt Kramer mit Blick auf historische Möbel und Bilder und betont: „Wir leben von unserer Authentizität und von unserer Geschichte.“
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