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Kulturerbe

THamburger wollen Jorker Denkmal erhalten - Hier wurde gebrannt und gebraut

Denkmalretter: Inga und Jan Thesing vor der schmucken Tür am Südgiebel ihres Hauses Am Fleet 14 in Jork - mit Engeln und Biertonne.

Denkmalretter: Inga und Jan Thesing vor der schmucken Tür am Südgiebel ihres Hauses Am Fleet 14 in Jork - mit Engeln und Biertonne. Foto: Vasel

Inga und Jan Thesing übernehmen ein Haus mit Geschichte am Fleet in Jork. Davon zeugt nicht nur das geschnitzte Bierfass über der Tür.

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Von Björn Vasel
18.07.2026, 11:50 Uhr

Jork. „Das Haus passte eigentlich gar nicht in unser Beuteschema“, sagt Inga Thesing. Seit zehn Jahren war die Tischlerin und Architektin mit ihrem Mann Jan auf der Suche nach einem Resthof im Alten Land. Bei einer Besichtigung verliebten sich die Hamburger in das ortsbildprägende Baudenkmal. Im Sommer 2025 erwarben sie das Wohnhaus Am Fleet 14, das lange leer stand, von einem Obstbauern. „Weihnachten 2027 wollen wir in Jork feiern“, sagt Thesing.

Türoberlicht der ehemaligen Brauerei im Haus Am Fleet 14 mit Tonne.

Türoberlicht der ehemaligen Brauerei im Haus Am Fleet 14 mit Tonne. Foto: Vasel

In dem mehr als 250 Jahre alten Wohn- und Geschäftshaus gab es bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gaststätte. Die Hamburger wollen es selbst als Wohnhaus nutzen. In einigen Zimmern im Erdgeschoss wollen Thesings zukünftig Urlaub in dem geschichtsträchtigen Denkmal ermöglichen. Auf das Dach kommt eine Photovoltaikanlage, eine Wärmepumpe wird installiert. Das Innere wird in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Stade saniert.

Ohne Fördermittel geht es nicht

Rund 350.000 Euro haben die Hamburger an Fördermitteln einwerben können. Niedersächsische Sparkassenstiftung, Sparkasse Stade-Altes Land, Gemeinde Jork, Landkreis Stade sowie das Land Niedersachsen mit dem ZILE-Förderprogramm Dorfentwicklung sind mit im Boot, genauso wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Der Stader DSD-Ortskurator Dr. Reinhold Kolck überreichte Inga und Jan Thesing am Freitagmorgen den symbolischen Fördervertrag in Höhe von 75.000 Euro für die Tischlerarbeiten.

Ortskurator Dr. Reinhold Kolck (rechts) von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreicht Inga und Jan Thesing den symbolischen Fördervertrag vor ihrem Haus am Fleet 14 (links).

Ortskurator Dr. Reinhold Kolck (rechts) von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreicht Inga und Jan Thesing den symbolischen Fördervertrag vor ihrem Haus am Fleet 14 (links). Foto: Vasel

Im Ortskern gruppieren sich rund um die auf einer Wurt gelegene St.-Matthias-Kirche giebelständige Satteldachbauten, die sich zum Gotteshaus hin orientieren. Zu diesem Ensemble gehört auch das ehemalige Gasthaus westlich der Kirche.

Biertonne erinnert an ein Privileg

Der Winkelbau besteht aus zwei Fachwerkhäusern. Ursprünglich war es eine Hofstelle, aber auch ein Gasthaus mit Brauerei und Brennerei. Laut der Inschrift oberhalb der Eingangstür im Südgiebel des linken Baukörpers wurde es im Jahr 1765 von Johann und Katrina Pickenpack „renovirt“. Über dieser hinteren Tür befindet sich unter der von zwei Engeln getragenen Inschrift ein Oberlicht mit geschnitztem Bierfass - ein anschaulicher Verweis auf die frühere Nutzung des Hauses.

Thesings haben den linken Teil erworben. Auch der rechte (Am Fleet 14a) ist verkauft, hier befand sich lange Zeit die legendäre Eisdiele Pflug. Im Obergeschoss ist noch eine Ladeluke mit Kran zu sehen.

Denkmalretter: Inga und Jan Thesing vor der schmucken Tür am Südgiebel ihres Hauses Am Fleet 14 in Jork - mit Engeln und Biertonne.

Denkmalretter: Inga und Jan Thesing vor der schmucken Tür am Südgiebel ihres Hauses Am Fleet 14 in Jork - mit Engeln und Biertonne. Foto: Vasel

Um 1800 zählte das Alte Land noch 37 Brennereien. Hauptmann Jacob Kieck berichtete in jenen Jahren, dass Walfänger nicht ohne den Branntwein aus Jork oder aus Borstel in See stachen. Die Branntweinbrennereien stellten nicht nur Altländer Branntwein her, sondern auch Braunbier.

Teile des Denkmals stammen aus dem 16. Jahrhundert

Im 18. und 19. Jahrhundert diente das Haus gemeinsam mit dem benachbarten Haus als Gasthaus. Um 1900 wurden Teile der Außenwände in massiver Bauweise aus Sichtbackstein ersetzt. Das von Thesings erworbene Hauptgebäude „geht im Kern auf das 16. Jahrhundert zurück“, erklärt die Leiterin des Altländer Archivs in Westerladekop, Dr. Kai Janofsky. Die Lage und die Anordnung des Gebäudes im rechten Winkel mit dem Nebengebäude, die dem geschwungenen Verlauf der Straße und der Wettern folgt, entfalte „eine besondere ortsbildprägende Wirkung“.

Jan Thesing blickt auf den Wandschmuck, dieser wird restauriert.

Jan Thesing blickt auf den Wandschmuck, dieser wird restauriert. Foto: Vasel

Der Erhalt des Denkmals liege „aufgrund seiner Bedeutung für die Ortsgeschichte“ und als „beispielhaftes Zeugnis für den Bautyp eines Altländer Wohn- und Gasthauses des 16./17. Jahrhunderts“ im öffentlichen Interesse, heißt es im Niedersächsischen Denkmalatlas.

Die Restauratorin hat es ermittelt: Ursprünglich wurde Ochsenblutfarbe verwendet.

Die Restauratorin hat es ermittelt: Ursprünglich wurde Ochsenblutfarbe verwendet. Foto: Vasel

Historische Fenster und Schränke werden restauriert

„Neben historischen Fenstern und Türen haben sich auch im Inneren wandfeste Ausstattungselemente wie Lambrien und Wandschränke erhalten, die im Zuge der Sanierung restauriert werden“, erklärt Ortskurator Dr. Reinhold Kolck. Die Schränke waren früher ochsenblutfarben, hat eine Restauratorin herausgefunden.

 Ortskurator Dr. Reinhold Kolck öffnet einen alten Wandschrank.

Ortskurator Dr. Reinhold Kolck öffnet einen alten Wandschrank. Foto: Vasel

Der Straßenzug Am Fleet war einst, neben der Bürgerei, die Ladenzeile Jorks. Hier lebten und arbeiteten Wirtsleute, Handwerker, Tagelöhner, Bauern und Krämer. Am Fleet hieß vorher Hohe Straße. Die Straße war und ist ein Teil der alten Nord-Süd-Hauptverkehrsachse. 1857 bis 1859 war der alte Borsteler Mutweg ausgebaut und bis Neukloster fortgeführt worden. Das Areal an der St.-Matthias-Kirche war die mittelalterliche Keimzelle des Orts. Im Zuge des Förderprogramms Dorfregion soll die Straße verkehrsberuhigt werden.

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Blick auf den alten Kachelofen.

Blick auf den alten Kachelofen. Foto: Vasel

Kochen wie anno dazumal.

Kochen wie anno dazumal. Foto: Vasel

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