THelfer in der Not: Fahrradtüftler in Steinkirchen sucht einen Nachfolger
Horst Bredlau repariert seit 2015 ehrenamtlich Fahrräder. Foto: Felsch
„Wenn die Kinder mit leuchtenden Augen vom Hof fahren, freu ich mich“, sagt Horst Bredlau (77). Trotzdem will er sein Ehrenamt in Steinkirchen aufgeben - und sucht neue Helfer.
Steinkirchen. Etwas versteckt im Hinterhof der Bürgerei, Hausnummer 27, steht Horst Bredlau in seiner picobello aufgeräumten Werkstatt und flickt einen kaputten Fahrradreifen. „Bevor wir in diesen kleinen Raum gezogen sind, gab es einen größeren Schuppen, der aber wegen Gesundheitsgefährdung abgerissen werden musste. Hier ist zwar weniger Platz, aber es ist immerhin eine Alternative mitten im Ort, die uns die Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellt“, so Bredlau.
Fertig reparierte Räder in der Werkstatt. Foto: Felsch
Strom gibt es nicht, nur einen Gasofen, weshalb die Werkstatt hauptsächlich im Sommer geöffnet ist. Dafür gibt es jede Menge professionelles Werkzeug, übersichtlich angeordnet. Nebenan, in dem alten Reetdachhaus, wohnen Flüchtlingsfamilien. Das gesamte Ensemble, einschließlich Hofgebäude, wo sich der Anbau mit der Werkstatt befindet, hat die Gemeinde angemietet.
Fahrräder reparieren durch Youtube-Videos
Angefangen hat alles mit der ersten großen Flüchtlingswelle. Der Arbeitskreis Asyl suchte 2015 engagierte Helfer. „Da habe ich mich gemeldet“, erinnert sich der ehemalige Ingenieur, der sich das Reparieren von Fahrrädern im Selbstlernprogramm angeeignet hat. „Learning by doing und dank Youtube klappt das gut“, so sein Fazit.

Ein Blick in die sauber aufgeräumte Werkstatt. Foto: Felsch
Durch Spenden und Unterstützung der Lions mit Geld und Material lief es in den Hochzeiten super. Drei Ehrenamtliche sorgten dafür, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich weder ein Rad noch dessen Reparatur leisten konnten, ein sicheres Fortbewegungsmittel hatten.
Viele alte Räder wurden gespendet, die sie dann wieder flott machten. Manchmal unter Mithilfe der zukünftigen Besitzer, die mit Eifer dabei waren.
Sinnvolle Beschäftigung für Jugendliche
„Wir hatten viel Spaß gemeinsam und die Leute, allen voran die Kinder, waren dankbar“, erzählt der 77-Jährige, der seit dem vergangenen Jahr allein die Selbsthilfe-Werkstatt betreibt. Normalerweise einmal in der Woche, Dienstags nachmittags, von 15 bis 18 Uhr, meistens länger. Mittlerweile ist er nur noch sporadisch da, denn soviel zu tun, wie am Anfang, gibt es nicht mehr, auch weil aus Platzmangel nicht mehr so viele Räder, wie früher (um die 100) untergebracht werden können.

Vor drei Jahren zog die Radwerkstatt in das Hofgebäude in der Bürgerei. Foto: Felsch
Nun möchte Bredlau das Zepter weitergeben. Obwohl viele Geflüchtete wieder zurück in ihre Heimat gehen, wäre es seiner Meinung nach schade, das Projekt aufzugeben. Denn es sei gerade für Jugendliche eine sinnvolle Beschäftigung gewesen.
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„Leider“, so fügt er hinzu, „haben wir gemerkt, dass das Interesse schwindet und einige das Angebot als selbstverständlich ansahen.“
Nachfolger für Fahrradwerkstatt gesucht
Neben seiner Zeit und seinem Know-how, das der Experte kostenlos zur Verfügung stellte, habe er - seitdem die Spenden rückläufig sind - aus eigener Tasche Geld dazugegeben. „Eigentlich ist der Deal, die Reparatur ist umsonst, nur das Material muss bezahlt werden. Wenn die Leute das nicht konnten, habe ich das schon mal gemacht.“

Horst Bredlau hat sich sein Wissen selbst angeeignet. Foto: Felsch
Mit seinem Privatauto ist er oder seine Mitstreiter zu den Leuten gefahren, die nicht in die Werkstatt kommen konnten. Manchmal haben sie vor Ort die Fahrräder repariert oder sie mitgenommen und wieder zurückgebracht. „Das war und ist nicht verpflichtend, wer jetzt den Job übernimmt, kann das so gestalten, wie er möchte“, betont der Rentner, der sich freuen würde, wenn sich Nachfolger finden.
Denn irgendwie mache es einen auch stolz, wenn Drahtesel nicht verschrottet werden und neuen, glücklichen Besitzern übergeben werden können, meint der Steinkirchner. „Vielleicht gibt es zwei Rentner, die gerade so eine Aufgabe suchen und vielleicht kommen dann auch wieder mehr Jugendliche.“
Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, kann sich an die Gemeinde Steinkirchen wenden.
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