T„Höchste Priorität“: Umweltminister Meyer über Hochwasserschutz im Alten Land
Der Niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grünen) spricht im Hotel Altes Land über die Relevanz des Hochwasserschutzes. Foto: Buchmann
Wer einmal ein Hochwasser miterlebt hat, weiß wie gefährlich selbst kleine Nebenflüsse werden können. Das Niedersächsische Umweltministerium hat das erkannt und reagiert jetzt.
Jork. Wasser ist lebensnotwendig, zu viel kann für Menschen aber schnell zur Gefahr werden. Aus diesem Grund luden die Grünen-Ortsverbände Horneburg, Jork und Lühe am 12. August zum Dialog zwischen Bürgern, Politik und Naturschützern ein.
Im Fokus der Veranstaltung im Hotel Altes Land in Jork standen insbesondere die Nebenflüsse der Elbe. Durch die anhaltende Kritik an der Elbvertiefung sowie die Pläne, die Elbdeiche zu erhöhen, gerieten die Nebenflüsse ins Hintertreffen.
Welches Gefahrenpotenzial sie bergen, zeigte sich an Überflutungen wie 2002 in Horneburg oder Weihnachten 2023, als die Lühe über die Ufer trat. „Es ist ein Thema, vor dem niemand mehr die Augen verschließen kann“, sagte Grünen-Kreisgeschäftsführerin Amalien Meyer vor den ungefähr 100 Besuchern, die im weiteren Verlauf eigene Fragen an die Gäste stellen konnten.
Hochwasser- und Küstenschutz hat „höchste Priorität“
Angereist waren der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grünen), Biologin Maria Huber von der ökologischen Station Stade (BUND) und der Jorker Bürgermeister Matthias Riel (parteilos). „Flüsse sind Lebensadern. Wir können auf alles verzichten, aber nicht auf Wasser“, eröffnete Meyer seine Rede.

Knapp 100 Interessierte kamen nach Jork. Foto: Buchmann
1,1 Millionen Menschen in Niedersachsen seien auf Schutz durch Deiche und Küstenschutzanlagen angewiesen. Das Land Niedersachsen investiert im Jahr 2026 etwa 124 Millionen Euro in den Hochwasser- und Küstenschutz. Weitere 20 Millionen Euro sollen in die Sanierung und Grundinstandsetzung der Schöpfwerke fließen. „Das hat höchste Priorität“, sagte Meyer.
Mehr Raum schaffen, um Wasser zu bremsen
Erst im Juni hatte der Landtag eine umfassende Modernisierung des Niedersächsischen Wassergesetzes beschlossen. So sollen etwa Zulassungsverfahren beschleunigt werden, um Gewässer zu renaturieren. Auch das Denkmalschutzgesetz plant man in Hannover zu ändern, um die Deicherhöhungen zu ermöglichen. Weiterhin habe das Ministerium über 300 Stellen im Wassermanagement entfristet. „Wir müssen den Flüssen wieder mehr Raum geben“, betonte Meyer in Jork.
Wir brauchen keine geraden Flüsse, sondern Verschwenkungen.
Maria Huber, Leiterin der Ökologischen Station Stade
Maria Huber von der Ökologischen Station Stade stimmte dem Umweltminister zu. „Wir brauchen keine geraden Flüsse, sondern Verschwenkungen“, sagte sie. Diese helfen, das Wasser zu bremsen und so den Hochwasserpegel zu senken. Trotz des Gefahrenpotenzials für Menschen sowie ihr Hab und Gut rief die Biologin den Anwesenden eine wichtige Tatsache ins Gedächtnis: „Wir können uns nicht komplett davor schützen. Hochwasser ist ein natürliches Phänomen.“
Klei aus Borsteler Binnenelbe für Deichbau nutzen
Im Alten Land sei der Hochwasserschutz „ein Dauerthema“, betonte Bürgermeister Riel. Vor 30 Jahren sei dies noch anders in den Rathäusern betrachtet worden, erinnerte sich der Verwaltungsexperte. Beim Deichbau ist Jork aktuell Schauplatz eines Pilotprojektes. Die Borsteler Binnenelbe, ein Wasserspeicher mit 600.000 Kubikmetern Wasser, verschlickt seit der letzten Elbvertiefung zunehmend. Ohne Ausbaggern wird das Gewässer spätestens im Jahr 2050 verschwunden sein.

Amalien Meyer (rechts) stellt Publikumsfragen an Maria Huber, Christian Meyer und Matthias Riel. Foto: Buchmann
Das salzfreie Wasser ist insbesondere für die örtlichen Obstbauern überlebensnotwendig. Land unter in Wohn- und Gewerbegebieten sowie Obstplantagen in Jork und in Borstel wäre die Folge. Auf fast 2500 Hektar, fast einem Viertel des Obstanbaugebietes an der Niederelbe, würden das Wasser für die Frostschutzberegnung im Frühjahr und die klimatisierende Beregnung im Sommer fehlen.
Geplant ist, die Binnenelbe in Borstel auszubaggern und den ausgehobenen Klei zur Erhöhung der Elbdeiche einzusetzen. Das Umweltministerium hatte Jork erst kürzlich Unterstützung in Form einer 100-Prozent-Finanzierung für eine Machbarkeitsstudie für die Ausbaggerung in Aussicht gestellt. Minister Meyer erneuerte die Zusage gegenüber den Jorkern nochmals.
Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung hieß es, in Horneburg habe es 2001 ein Hochwasser gegeben. Das wurde korrigiert.
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