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Politik

TStader Sechsfachmord: CDU-Landtagsabgeordnete sprechen von „Behördenversagen“

Blumen und Lichter am Tatort in der Dankersstraße.

Nach den Todesschüssen in der Stader Dankersstraße üben die Stader und Buxtehuder CDU-Landtagsabgeordneten deutliche Kritik. Foto: Vasel

Die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke (Stade) und Birgit Butter (Buxtehude) werfen der Innenministerin vor, dass die Aufklärung des Sechsfachmordes schleppend vorangehe.

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Von Björn Vasel
05.09.2026, 21:51 Uhr

Stade. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sei dem Innen- und dem Rechtsausschuss des Landtags entscheidende Antworten schuldig geblieben. Das haben die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke (Stade) und Birgit Butter (Buxtehude) in einem Gespräch mit dem TAGEBLATT am Freitag kritisiert. Behrens hatte sich am Donnerstagnachmittag den Fragen der Politiker zum Sechsfachmord in Stade gestellt - öffentlich und nicht öffentlich.

CDU-Politikerinnen entsetzt über Morddrohungen

Während des Gesprächs ploppte eine Nachricht auf ihren Smartphones auf. Der SPD-Politiker Deniz Kurku legte sein Ehrenamt als Landesbeauftragter für Migration nach „Morddrohungen“ nieder. AfD-ler und rechtspopulistische Online-Medien hatten den Landtagsabgeordneten mit der Bluttat vom 29. Juni 2026 in Stade in Verbindung gebracht. Kurku selbst sagt, er kannte Fatih G. gar nicht.

Kurku ist Schwiegersohn der Fluchtwagenfahrerin. Gegen die 65-Jährige wird weiter wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittelt. Die Staatsanwaltschaft sieht allerdings keinen ausreichenden Tatverdacht für einen Untersuchungshaftbefehl. Kurkus Schwiegermutter bezeichnet sich als „Patentante“ der Tochter von Fatih G. Der mutmaßliche Mörder hatte sich am 21. Juli in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde umgebracht. Laut Innenministerium wird gegen Kurku nicht ermittelt.

Trotz alledem könne er das wichtige Amt nicht mehr ausüben. „Angesichts massiver Anfeindungen und Drohungen gegen mich und der Verbreitung von Falschbehauptungen ist dies nicht mehr gewährleistet“, so Kurku.

Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) stellte sich hinter ihn und dankte ihm für sein Engagement. Herabwürdigende Kommentare, die Verbreitung von Verschwörungsspekulationen und Morddrohungen gegen Kurku seien - wie auch Reinecke und Butter unterstreichen - völlig inakzeptabel und niederträchtig. „Wenn Hass und Hetze dazu führen, dass engagierte Menschen ihr Ehrenamt niederlegen, ist eine Grenze überschritten“, so Lies.

CDU spricht von Behördenversagen

Die Christdemokratinnen sprechen nach der Unterrichtung der Politik durch Behrens von einem „Behördenversagen“. Der mutmaßliche Täter Fatih G. habe 45 Jahre lang über keinen Aufenthaltstitel verfügt. Der Türke hielt sich illegal in Deutschland auf und war „ausreisepflichtig“. Wiederholt habe er sich laut Land bei Meldeämtern angemeldet.

2017 erhielt die Polizei in Goslar einen Hinweis, dass er aus türkischer Haft geflohen sei. Auch strengte er 2026 eine Klage gegen das Jugendamt an, um nach dem Schütteltrauma-Vorwurf das Sorgerecht für die Tochter zurückzubekommen. Mediziner der Medizinischen Hochschule Hannover bedrohte er. Die Polizei wusste das.

Die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke und Birgit Butter sprechen von Behördenversagen (von links).

Die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke und Birgit Butter sprechen von Behördenversagen (von links). Foto: Vasel

Trotzdem hätten Polizei und Ausländerbehörde weder seinen Status überprüft noch aufenthaltsbeendende Maßnahmen eingeleitet. „Wie kann eine Person über Jahre hinweg hier leben, behördlich in Erscheinung treten, ohne dass Konsequenzen gezogen werden? Wie hat er sein Leben finanziert?“, fragt Reinecke.

Sie und Butter kritisieren, dass die Ministerin sich immer wieder auf die laufenden Ermittlungen berufen und Fragen nicht beantwortet habe und so kaum neue Erkenntnisse präsentiert habe. Mehr als zwei Monate nach der schrecklichen Mordtat sei das zu wenig. Auch zur Motivlage des Täters habe Behrens keine Angaben gemacht.

Butter sagt, für sie als Juristin spreche vieles dafür, dass Fatih G. aus verletzter Ehre die sechs Mitarbeiterinnen von Jugendamt und Eltern-Kind-Einrichtung in Stade erschossen habe: „Die Angehörigen der Opfer haben ein Recht darauf, dass die Hintergründe der Tat umfassend schnellstmöglich aufgeklärt werden.“

SPD-Landtagsabgeordneter Deniz Kurku legt sein Amt als Landesbeauftragter für Migration nieder.

SPD-Landtagsabgeordneter Deniz Kurku legt sein Amt als Landesbeauftragter für Migration nieder. Foto: Michael Matthey/dpa

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