T14-Jähriger zusammengeschlagen – „So kann es nicht weitergehen“
Eine Prügelattacke sorgt in der Gemeinde Nordholz für Diskussionen um die Sicherheit. (Symbolfoto) Foto: Oliver Berg/dpa
Im Landkreis Cuxhaven erreicht eine Gewalttat jetzt das Rathaus. Das Opfer und seine Muttern äußern sich.
Nordholz. Eine Gewalttat unter Jugendlichen erschüttert Nordholz: Ein 14-Jähriger soll am Mittwochabend nahe des Einkaufszentrums von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen und verletzt worden sein. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung.
Nach Informationen der „Nordsee-Zeitung“ könnte der Vorfall im Zusammenhang mit weiteren Zwischenfällen stehen, die die Gemeinde seit Monaten beschäftigen.
Der 14-Jährige schildert gegenüber der Zeitung den Ablauf des Abends. Er sei mit seinem Fahrrad unterwegs gewesen, als ihm eine Gruppe von sieben Jugendlichen begegnet sei.
Situation sei nach Ablehnung eskaliert
„Sie haben mich gefragt, ob sie mein Fahrrad ausleihen können“, erzählt der Jugendliche. „Ich wollte das nicht, weil ich Angst hatte, dass sie es mir wegnehmen.“
Als er ablehnte, sei die Situation eskaliert. Nach seinen Schilderungen hätten mehrere Jugendliche unvermittelt auf ihn eingeschlagen und ihm gegen die Rippen getreten. „Zum Glück bin ich nicht hingefallen. Sonst hätten sie bestimmt noch weiter auf mich eingetreten“, sagt der 14-Jährige.
Er erlitt nach eigenen Angaben mehrere Platzwunden und ein blaues Auge. Ein Autofahrer sei auf die Situation aufmerksam geworden, ausgestiegen und den Jugendlichen dann hinterhergelaufen. Eine Anwohnerin alarmierte die Polizei.
Strafanzeige erstattet und Anwalt eingeschaltet
Die Eltern beschreiben ihren Sohn als friedlichen Jugendlichen, der Auseinandersetzungen normalerweise aus dem Weg gehe. Sie haben Strafanzeige erstattet und einen Anwalt eingeschaltet.
„So kann es nicht weitergehen“, sagt die Mutter. „Viele Menschen trauen sich inzwischen gar nicht mehr, offen über die Zustände zu sprechen.“
Nach Darstellung der Eltern sei die Gruppe in Nordholz seit längerer Zeit bekannt. Immer wieder komme es zu Konflikten, Beleidigungen oder Bedrohungen. Die Familie habe den Eindruck gewonnen, dass es schwierig sei, wirksam gegen die Jugendlichen vorzugehen.
Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten wiederholt Berichte über Vorfälle mit Jugendlichen in der Gemeinde. Bürger berichteten von Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Pöbeleien. Unter anderem wurden Schäden am Holzpavillon am Bahnhof bekannt. Zudem soll ein Fünftklässler andere Kinder in einem Schulbus mit einem Messer bedroht haben. Anwohner berichteten davon, dass Jugendliche wiederholt unbefugt Grundstücke betreten und in Fenster geschaut hätten. Außerdem hätten sie auf Personen Steine geworfen.
Polizei verweist auf Ermittlungen
Ob zwischen diesen Vorfällen und dem Angriff auf den 14-Jährigen ein Zusammenhang besteht, ist laut Polizei derzeit Teil der Ermittlungen.
Die Polizei bestätigt den Einsatz am Mittwochabend. Gegen 19.55 Uhr sei es am Feuerweg im Bereich der Einkaufsmärkte zu einer Körperverletzung zwischen zwei Jugendlichen gekommen. „Vorangegangen waren vermutlich Streitigkeiten zwischen den Jugendlichen“, teilt ein Polizeisprecher mit. Als Beschuldigten führt die Polizei einen 15-Jährigen. Eine Behandlung des Verletzten im Krankenhaus sei nach Angaben der Polizei nicht erforderlich gewesen.
Die Eltern widersprechen dieser Darstellung teilweise. Sie berichten, ihren Sohn vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht zu haben. Dort sei er untersucht worden; weitere ärztliche Untersuchungen stünden noch aus.
Laut „Nordsee-Zeitung“ soll der Vorfall bereits am Freitag Thema einer Krisenbesprechung im Rathaus werden. Vertreter von Gemeinde, Polizei und weiteren beteiligten Stellen wollen dort anscheinend unter anderem über die Sicherheitslage und mögliche Konsequenzen beraten.
Michael Göbel, Erster Gemeinderat der Gemeinde Wurster Nordseeküste, sagte der Zeitung: „Das Gespräch ist seit längerer Zeit geplant. Anlass ist nicht der aktuelle Fall.“ Die Gemeinde sei mit ihrer Jugendpflege seit einiger Zeit bereits im und um den Bahnhof Nordholz aktiv. „Es wurden erste Kommunikationskanäle aufgebaut. In den vergangenen Wochen hat es auch bereits mehrere zusätzliche pädagogisch begleitete Angebote im Nordholzer Bahnhof gegeben“, so Göbel.
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