T2000 Euro weg: Kurioser Betrug mit Teak-Stühlen im Kreis Cuxhaven
Diese Teak-Stühle hat Katja Schulze vom Transporter-Fahrer übergeben bekommen. Die Inhaberin eines Ladens für Raumausstattungsbedarf ist dabei „Betrügern auf den Leim gegangen“, wie sie sagt. Foto: Privat
Ein Mann verkauft Möbelstücke aus dem Transporter, kassiert per Auslandsüberweisung. Eine Unternehmerin aus Loxstedt (Kreis Cuxhaven) fällt darauf herein.
Loxstedt. Den vergangenen Freitag hat Katja Schulze noch in unguter Erinnerung. Die Inhaberin eines Raumausstattungs-Geschäfts in Loxstedt bekam nämlich Besuch von einem „Typen, der smart rüberkam“, sich diesen Eindruck durch seine Aktion aber sprichwörtlich wieder einriss. Mit „Achtung, Betrug“, beschreibt Schulze ihr Erlebnis denn auch in den sozialen Medien.
„Es war Freitagmorgen und auf dem Hof sehr hektisch, weil ich bald zur Fähre wollte“, erinnert sie sich im Gespräch mit der Nordsee-Zeitung an eine Situation, die wegen der unruhigen Gesamtlage laut Polizei für Täter wie prädestiniert ist. Nämlich, um die potenziell Geschädigten zu einer unüberlegten Handlung zu bewegen.
Ein Schotte auf dem Rückweg nach England
Zurück zum Geschehen: Vorgefahren ist laut Schulze ein weißer VW Crafter mit ausländischem Kennzeichen. Nach ihren Worten ist ein Mann ausgestiegen, der sich als Schotte vorstellte. „Er sagte, bei einer Ausstellung in Tarmstedt gewesen zu sein, wo er jedoch einige Teak-Stühle nicht verkaufen konnte.“ Nun sei er auf dem Rückweg nach England und wolle die Möbel einfach dalassen.
Schulze gegenüber habe er erzählt, die Stühle zu Hause versteuern zu müssen, sollte er sie nicht loswerden. „Er wollte 300 Euro pro Stuhl haben. Bei Teak-Holz kann ein solches Stück aber schonmal 900 Euro kosten“, bezeichnet die Inhaberin einen solchen Einkauf als „Schnäppchen“. Sie habe für 30 Stühle schließlich 9.000 Euro auf ein belgisches Konto überwiesen.
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Gespräche mit einer Freundin aus Wremen und ihrer Schwester gaben der Sache gleichwohl eine Wendung. „Ich habe meiner Freundin von der Geschichte erzählt und sie gefragt, ob sie einen Stuhl haben will. Dabei kam heraus, dass vor etwa fünf Jahren einmal ein Engländer bei ihr klingelte, um derartige Stühle zu verkaufen. Der wollte sie reinlegen.“ Auch ihre Schwester habe Vergleichbares erlebt. Laut Schulze arbeitet sie in einer Tierarztpraxis und sei dort aktuell ebenso von einem Briten angesprochen worden.
Bank kann Überweisung stoppen
Sie habe den Fall der Polizei in Loxstedt gemeldet, zumal sie am Dienstag erneut Besuch bekam. „Es war aber diesmal ein anderer Mann mit einem anderen Transporter, ein Fiat Ducato. Seine Story war aber dieselbe.“ Am Nachmittag sei zudem der Schotte vom Freitag zurückgekehrt und habe angeboten, die Möbel einzulagern. „Er wollte sie wohl wieder abholen, weil er letztlich die 9.000 Euro nicht bekommen hat“, vermutet sie.
Dass es nicht dazu kam, hat Schulze der Volksbank zu verdanken. Die habe von der Beverstedter Filiale aus die Überweisung über einen Betrag von 7.000 Euro gestoppt. 2.000 Euro, die über die Sparkasse weitergeleitet wurden, sind indes weg. „Die kleinere Summe ging über die Wespa. Weil das Kartenlimit aber erreicht war, lief der Restbetrag über die Volksbank.“ Eine große Summe, die nicht einfach so durchgeht, wie Malte Hövel von der Volksbank im Elbe-Weser-Dreieck erklärt.
„Es ist vorgeschrieben, dass wir auffällige Zahlungen anhalten. Wenn jemand eine große Summe ins Ausland überweist, dies sonst aber nicht macht, dann schlägt ein hochkomplexes System an.“ Dies kontrolliere, ob die gegenwärtige Praktik zum gängigen Kundenverhalten passt. Ist dies nicht der Fall, werde die Überweisung gestoppt. Vorläufig. Denn laut Hövel wird im Anschluss mit dem Kunden Kontakt aufgenommen und eruiert, ob die Zahlung gewünscht ist. „Frau Schulze sagte aber, dass dies alles nicht passt.“
Deutsche, niederländische und englische Verbindungen
Genauso wenig wie der Auftritt des Schotten. Laut Schulze hat der Mann ihr keine Rechnung zuschicken wollen: Etwas, das nach ihrer Darstellung in der Branche unüblich ist. Ebenso stutzt sie über die Quittung, die den deutschen Begriff „Holzdesign“ enthält – während der Transporter mit niederländischem Kennzeichen auf den englischen Möbalanbieter „Barlow Outdoor Living“ hinweist. „Das passt alles nicht zusammen“, bezeichnet sie die Vorkommnisse als Teil eines Betrugs.
Auch die Polizei sortiert das so ein, wie Carsten Bode bestätigt. „Es gab eine Strafanzeige, die als Betrugsfall eingeordnet wurde“, so der Sprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven. Die Beamten ermitteln demnach aktuell, wer bei Schulze mit den Transportern vorgefahren ist. Benötigt werde indes noch eine weitere Zeugenaussage der Geschädigten.
Polizei ist die Masche bislang nicht aufgefallen
Für Bode ist die Praxis des vorgeblichen Schotten derweil neu. „Wir hatten das noch nicht, dass jemand eine solche Masche mit dem Möbelverkauf verfolgt.“ Dass es derartige Fälle in der Region gab, schließt er aber nicht aus. Angesprochen auf den von Schulze geschilderten Sachverhalt in Wremen, verweist Bode aber auf schwierige Suchmechanismen. „Etwas, das Jahre her ist, können wir nicht einfach so in einer Datei suchen. Es gibt ja auch noch den Datenschutz.“
Bürgern, die den angeblichen Möbelverkäufern begegnen, empfiehlt er: „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Schicken Sie sie weg und überweisen Sie auch kein Geld.“ 2.000 Euro hat Katja Schulze verloren, die Stühle sind aber noch da. Dabei würde sie sich lieber von ihnen trennen. „Wer will denn diese Ware haben? Die Stühle sind wohl nicht zu verkaufen, vielleicht aber für ein Sommerfest zu vermieten.“
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