T208 Millionen Euro: So modernisiert Buxtehude seine Grundschulen
Kann das Hauptgebäude der Grundschule Stieglitzweg saniert werden? Oder wird es abgerissen? Foto: Wisser
Das teuerste städtische Projekt der Buxtehuder Geschichte: Mehr als ein Jahrzehnt wird die Modernisierung der Grundschulen dauern. Das sind die wichtigsten Antworten zum Masterplan.
Wie funktioniert der Masterplan Grundschulen?
Der Masterplan Grundschulen ist das bisher größte und teuerste städtische Projekt in Buxtehude. „So etwas hat es in Buxtehude noch nicht gegeben“, sagte Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt.
Fachleute des Büros Luchterhandt aus Hamburg haben alle Grundschulgebäude vom Dach bis zum Keller untersucht. Die Gebäude sind sicherheits- und brandschutztechnisch in Ordnung. „Die Schulen sind zukunftsfähig“, meinte Oldenburg-Schmidt.
Die erwarteten Schülerzahlen, die pädagogischen Anforderungen und die Architektur standen im Fokus der Untersuchungen. Die Umsetzung des Masterplans wird mehr als ein Jahrzehnt dauern und 208 Millionen Euro kosten. An der Erarbeitung des Masterplans waren neben Fachplanern und der Stadtverwaltung die Schulen, die Eltern, die Schulaufsicht und die Politik beteiligt.
Ziel ist es, dass alle Buxtehuder Grundschüler vergleichbar gute Unterrichtsbedingungen erhalten. Vorgestellt wurde der Masterplan am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Schulausschuss der Stadt Buxtehude.
Wie seriös ist die Kostenschätzung?
„Wir kennen die Neigung, Projekte erst einmal schlankzurechnen, um sie durchsetzen zu können. Das wollen wir ganz bewusst vermeiden“, sagte Stadtbaurätin Michaela Springhorn. Die Kostenschätzungen sind auf den Zeitpunkt ausgerichtet, an dem das Projekt umgesetzt werden soll. Entsprechende Aufschläge sind in den Preisen eingerechnet.
Wieso gibt es keine neue Grundschule?
Laut neuer Schülerzahlenprognose gibt es den Bedarf für die neue Schule nicht mehr. 2024 sind im Süden Bedarfe für elf Klassen und im Norden für neun Klassen prognostiziert worden. Die 2026-Prognose geht von acht Klassen im Norden und weiterhin elf im Süden aus. Grund für das verlangsamte Wachstum ist der bundesweite Geburtenknick während der Corona-Pandemie. Außerdem ist die Fertigstellung der Wohnungen im Neubaugebiet Giselbertstraße im Rückstand. Das erklärte Schulamtsleiterin Claudia Blaß.
Sanierungsstau
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Der aktuelle Stand bedeutet nicht, dass eine Neugründung niemals notwendig sein wird. Die Geburtenraten erholen sich zwar langsamer als gedacht, aber sie steigen. Zudem werden irgendwann die Bauarbeiten im Neubaugebiet abgeschlossen sein. Kosten würde die neue Schule 30 Millionen Euro.
Was passiert an den einzelnen Schulen?
Oldenburg-Schmidt schlägt vor, die Grundschulen am Rotkäppchenweg für 34 Millionen Euro und am Stieglitzweg für 50 Millionen Euro als Starterprojekte umzubauen. Zuerst sollen die Schulgebäude saniert und teils erweitert oder neu gebaut werden. Das TAGEBLATT berichtete exklusiv. Am Rotkäppchenweg wird das Bestandsgebäude Richtung Verkehrsübungsplatz erweitert. Eine neue Turnhalle entsteht später auf dem Spielplatz hinter der Familienbildungsstätte. Am Ende wird die alte Sporthalle abgerissen. Unabhängig davon werden bald Schulcontainer am Rotkäppchenweg aufgestellt, da Klassenzimmer fehlen.

Letzte Gespräche vor der Vorstellung des Masterplans. Hier reden Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt und der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Riesterer miteinander. Foto: Wisser
An der Stieglitzweg-Schule ersetzt ein Neubau die Unterrichtspavillons. Ob das Hauptgebäude saniert oder abgerissen wird, entscheidet die konkrete Planung. Auch hier wird später eine neue Sporthalle gebaut und die alte abgerissen. Das Gesamtpaket kostet 50 Millionen Euro.
Bei der Grundschule Altkloster beginnen die Arbeiten, wenn der Zug 2 der Freiwilligen Feuerwehr Buxtehude in ein neues Gerätehaus an der Moisburger Straße umzieht. Wo jetzt die Feuerwehrfahrzeuge stehen, entsteht eine neue Sporthalle. Viele marode Schulgebäude werden abgerissen. Das Rotklinkergebäude an der Hauptstraße bleibt als Wahrzeichen der Schule und des Stadtteils Altkloster erhalten. Kosten: 56 Millionen Euro.

Dort wo jetzt die Feuerwehr in Altkloster zu Hause ist, soll eine neue Sporthalle gebaut werden. Feuerwehr und alte Sporthalle werden abgerissen. Foto: Wisser
Die Grundschule Harburger Straße hat die ältesten Gebäude, ist aber in gutem Zustand. Fachleute veranschlagen fünf Millionen Euro für Umbauten. Wegen Platzmangels reduziert man die Klassen von vier auf dreieinhalb. Die Schule bevorzugt drei Klassen pro Jahrgang.
Die Grundschule Hedendorf wird so erweitert und saniert, dass langfristig Schüler aus Neukloster Platz finden. In diesem Fall schließt die Grundschule Neukloster. Hedendorf/Neukloster hätte dann eine gesicherte Zweizügigkeit. Die Stadt müsste 32 Millionen Euro investieren.
Warum ist Neukloster verärgert über die Stadt?
„Ich bin entsetzt über die Planung. Unsere Schule wird nicht erwähnt“, reagierte Neuklosters Bürgermeisterin Anja Heckert (SPD) auf den Masterplan. In den letzten Monaten formierte sich Widerstand in der Buxtehuder Ortschaft. Seit 1845 gibt es eine Schule in Neukloster. Damals nutzte man ein Schul- und Küsterhaus der St.-Marien-Gemeinde. Seit 1959 besteht die Schule am jetzigen Standort.

Neukloster kämpft um die Grundschule: Wilhelm, Matti und Lisa Lühmann sowie Marcus Schulz und Britta Jahnke stehen dafür ein. Foto: Wisser
Bürgermeisterin Oldenburg-Schmidt zeigte Verständnis für den Ärger und versprach, Neukloster in den Masterplan aufzunehmen und die Zusammenlegung erneut zu diskutieren. Die Wahl von Hedendorf als gemeinsamer Standort wird mit der dortigen Sporthalle begründet. „Und was ist mit unserem Lehrschwimmbecken?“, entgegnete Heckert. Sie wirft der Stadt vor, die Erweiterungsmöglichkeiten in Neukloster nie mit den Landesforsten besprochen zu haben.
Wie schnell soll der Masterplan umgesetzt werden?
In diesem und im nächsten Jahr wird viel geplant und organisiert. Wahrnehmbare Bauarbeiten wird es voraussichtlich erst 2028 geben. Bis der Masterplan abgeschlossen ist, wird mehr als ein Jahrzehnt vergehen.
Was passiert mit der Kooperationsklasse am Stieglitzweg?
In den Neubau- und Sanierungsvorschlägen ist die Inklusion mitgedacht. Zum Beispiel bekommen die Schulen alle Fahrstühle, damit auch die oberen Stockwerke barrierefrei erreicht werden können. Problematisch ist die Bauphase am Stieglitzweg. Die Grundschüler werden für mehrere Jahre in Containern unterrichtet werden müssen. Deshalb wollte die Stadt in dieser Phase ursprünglich keine Kooperationsklasse für Schüler aus dem Bereich geistige Entwicklung in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe zulassen. Nachdem Schule und betroffene Eltern interveniert haben, versucht die Stadt, dies zu organisieren.
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„Wir können dies aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantieren“, sagte Gaby Wehrens, zuständige Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung. Eine verbindliche Zusage für die nächsten Jahre könne es erst nach den Sommerferien bei einer weiter fortgeschrittenen Planung geben.
Wie geht es jetzt weiter?
Entschieden ist noch nichts. Bisher handelt es sich bei allen Maßnahmen und den beiden Starterprojekten um Vorschläge. Bürgermeisterin Oldenburg-Schmidt setzt darauf, dass diese Starterprojekte bis zur politischen Sommerpause von der Politik gebilligt werden. Eine weitere gemeinsame Sitzung von Bau- und Schulausschuss ist für den 5. Mai geplant. Ebenso ist die Umsetzung und Ausgestaltung der anderen Projekte jeweils von der Zustimmung der Buxtehuder Ratsmitglieder abhängig.

Die Pavillions der Schule Stieglitzweg werden durch einen Neubau ersetzt. Foto: Wisser
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