T26-jähriger Fan produziert HSV-Songs mit KI - Die Bubble feiert ihn
Als Lennard Lissakowski seinen ersten HSV-Song aus Spaß hochlud, lief er überraschend gut Foto: Scholz
Als der HSV um den Aufstieg kämpfte, schrieb Lennard Lissakowski seine ersten Fansongs - mit Hilfe von KI. Heute hören Zehntausende seine Musik.
Landkreis. Lennard Lissakowski beschreibt sich selbst als introvertiert. Doch wenn er über den Hamburger SV oder die Musik spricht, klingt es schon anders. „Das ist das, worauf ich Bock habe“, sagt der 26-Jährige. Seit März produziert er - Künstlername Lorenz412 - Songs über seinen Lieblingsverein und setzt dabei auf künstliche Intelligenz.
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Auf die Idee kam Lissakowski, als der HSV noch in der zweiten Liga spielte und um den Aufstieg kämpfte. Ihm fiel auf, dass es noch keine „modernen“ Songs über den Verein gab. „Vor allem im Stil Party, Schlager oder Hip-Hop gab es fast gar nichts“, sagt er.

Lennard Lissakowski ist seit frühester Kindheit HSV-Fan. Foto: Scholz
Also setzte er sich hin und schrieb „hier, um zu bleiben“, ein Song, der voll auf Aufstieg ausgelegt war:
Nie, nie mehr, nie mehr zweite Liga
Die Erfolge kommen hoffentlich jetzt wieder
Mein HSV, er ist endlich wieder da
Mein HSV, du bist einfach wunderbar
Absoluter Glaube an die Bundesliga-Rückkehr
Als Lissakowski den Song aus Spaß auf TikTok hochlud, lief er überraschend gut. Der HSV stieg wenig später tatsächlich auf, zum Glück. „Sonst wäre es unangenehm geworden“, sagt er und lacht. Beim entscheidenden Spiel gegen Ulm war er im Volksparkstadion. „Das war eine absolute Gefühlsexplosion. Ich habe geheult, im Chaos sogar meinen Pullover verloren.“
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Lissakowski hatte da schon seinen nächsten Song parat. „Aufstiegstanz“ stellte er so ein, dass dieser kurz nach Abpfiff online gehen würde. Seine Freunde rieten ihm, lieber abzuwarten. „Aber ich habe diesmal voll an den Aufstieg geglaubt“, sagt er und behielt recht. Der Song erreichte schnell 20.000 Streams.

Gefühlsexplosion im Volksparkstadion: So feierten die HSV-Fans den Aufstieg. Foto: Christian Charisius/dpa
Seitdem schreibt er weiter. Die Ideen kommen ihm beim Duschen, im Bett oder beim Autofahren. „Bevor ich sie vergesse, fahre ich direkt rechts ran und schreibe die Zeilen auf“, erzählt er.
Mit KI-Hilfe: So entstehen seine HSV-Songs
Lissakowski ist dualer Student (Soziale Arbeit), arbeitet in einer Kita, mag Party- und Schlagermusik, beschreibt sich selbst aber nicht gerade als musikalisch. „Ich spiele kein Instrument“, sagt er. „Früher habe ich mit einem Kumpel Hip-Hop gemacht, das hat aber Scheiße geklungen.“ Seinen Wohnort im Landkreis Stade möchte er nicht in der Zeitung lesen: „In der Gegend wohnen viele Pauli-Fans“, sagt er.

Lennard Lissakowski nutzt ein KI-Tool, um seine Songs zu produzieren. Foto: Scholz
Lissakowski schreibt seine Songtexte selbst, singt sie über ein Mikrofon ein und gibt sie anschließend in ein KI-Tool. Das Programm erkennt die Melodie des Gesangs, er selbst nimmt noch ein paar Einstellungen vor: Stil, Stimme, Bass. Die KI produziert daraus den fertigen Song.
Die Resonanz ist groß. In der „HSV-Bubble“ bekomme er viel positives Feedback, sagt er und liest wie zum Beweis eine Nachricht vor: „Deine Songs sind echt geil. Meine Verlobte ist schon genervt, so oft lief deine Musik.“

Laptop und Mikrofon - mehr braucht Lennard Lissakowski nicht. Foto: Scholz
Einmal wurde er sogar auf dem Schlagermove in Hamburg erkannt. Auch habe er schon mitbekommen, dass einige HSV-Profis von seinen Songs gehört hätten.
Studium, Kita - und bald im Studio?
Sein Herz schlägt seit frühester Kindheit für den HSV. Den Abstieg 2017 sah er im Stadion, den Aufstieg 2025 ebenfalls. „Die zweite Liga war eine Leidenszeit“, sagt er. Doch er blieb dem Verein treu. „Das ist wie mit einem Geschwisterkind: Mal streitet man sich, aber man bleibt zusammen.“ Er hat immer fest daran geglaubt, dass irgendwann wieder bessere Zeiten kommen.

Lissakowski ist unter dem Künstlernamen Lorenz412 unterwegs. Foto: Scholz
Auf Spotify hat Lissakowski rund 75.000 monatliche Hörer, sein erfolgreichster Song („hier um zu bleiben“) wurde mehr als 300.000 Mal abgespielt. Zum Vergleich: Die HSV-Hymne „Mein Hamburg lieb ich sehr“ kommt auf 7,4 Millionen Streams.
Er berichtet, dass ihn inzwischen schon „große Schlagerkünstler“ angefragt hätten, Songs zu schreiben, ebenso Labels. Sein Ziel: „Irgendwann möchte ich schon gern im Studio produzieren - mit Label im Rücken. Und vielleicht sogar auf Malle auftreten. Der Ballermann ist absolut meins.“
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Wenn Lennard Lissakowski so über den HSV und die Musik spricht, klingt er gar nicht mehr so introvertiert.
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