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Schwedenspeicher

TArchäologie: Wie Sie in Stade die Steinzeit begreifen

68 Jahre und Student der Archäologie: Michael Lischke hat einen steinzeitlichen Wagen nachgebaut.

68 Jahre und Student der Archäologie: Michael Lischke hat einen steinzeitlichen Wagen nachgebaut. Foto: Haardt

Zurück in die Vergangenheit: Der Schwedenspeicher in Stade katapultiert Besucher ab heute in die Steinzeit. Mit Nachbauten zum Anfassen.

Von Rebecca Haardt Sonntag, 10.05.2026, 07:50 Uhr

Stade. Eines der größten Exponate der Ausstellung „Studieren, Probieren, Experimentieren”, die der Schwedenspeicher gemeinsam mit der Uni Hamburg organisiert hat, ist der Nachbau eines steinzeitlichen Wagens. Dabei handelt es sich nicht um eine normale Rekonstruktion, wie man sie in vielen Museen findet. Gebaut hat den Wagen Michael Lischke.

Der 68-jährige Archäologiestudent hat dafür nur Werkzeuge genutzt, die es auch schon in der Steinzeit gab. Denn im Zentrum der Sonderausstellung steht die experimentelle Archäologie.

Bauen und leben wie die Menschen in der Steinzeit

Wie haben die Menschen in der Steinzeit Räder gebaut? Wie wurden Pfeilspitzen hergestellt? Diese Fragen stellen sich experimentelle Archäologen. Sie probieren aus, wie man in der Vergangenheit gelebt, gearbeitet und gebaut hat.

Ziel ist es, archäologische Theorien im Selbstversuch zu überprüfen. Ein bekanntes Beispiel für experimentelle Archäologie ist Thor Heyerdahls Floß Kon-Tiki, mit dem der Anthropologe 1947 von Südamerika nach Polynesien segelte.

An der Uni Hamburg wird seit 20 Jahren archäologisch experimentiert. Im Steinzeitpark Albersdorf bei Dithmarschen bauen Archäologiestudenten der Uni Hamburg Alltagsgegenstände unter anderem aus der Steinzeit, wie Schmuck, Räder oder Werkzeuge, nach. Einige der Ergebnisse werden nun im Schwedenspeicher präsentiert, darunter ein Lederschild, Web- und Flechtarbeiten und Michael Lischkes Wagen.

Knochen ist beim Bearbeiten „einfach explodiert”

An fünf Stationen gibt die Ausstellung Einblicke zu archäologischen Funden wie Schmuck, Waffen und Werkzeugen und wie die Archäologen diese rekonstruiert haben. Beim Bau des Dreieckswagens kamen zum Beispiel Flintsteinmeißel und Spiralbohrer zum Einsatz, wie Michael Lischke erzählt. Etwa eine Woche Arbeit steckt in dem Fahrzeug.

Für den Nachbau eines Dreieckswagens hat Lischke Werkzeuge genutzt, wie die Menschen sie in der Steinzeit schon kannten. Dazu gehören Meißel aus Flintstein und aus dem Gestein Amphibolit (ganz rechts).

Für den Nachbau eines Dreieckswagens hat Lischke Werkzeuge genutzt, wie die Menschen sie in der Steinzeit schon kannten. Dazu gehören Meißel aus Flintstein und aus dem Gestein Amphibolit (ganz rechts). Foto: Haardt

Das Arbeiten mit steinzeitlichen Werkzeugen führte beim Nachbau manchmal zu Problemen, wie Lischke erzählt. So versuchte er zunächst, das Holz mit einem Meißel aus Knochen zu bearbeiten. „Der ist einfach explodiert”, sagt er. Das Holz sei dafür zu hart gewesen.

Daraus schließt Lischke, dass die Steinzeitmenschen das Holz eher mit Flintstein bearbeitet haben. „Erst wenn man wirklich mit steinzeitlichen Werkzeugen arbeitet, stellt man die Schwierigkeiten fest”, erklärt er.

Eine Ausstellung in Stade zum Anfassen

Die Ausstellung richtet sich an Erwachsene und an Kinder. Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade, betont, dass man in der Ausstellung alles anfassen kann: „Das soll Menschen niedrigschwellig an das Thema heranführen.” Außerdem führt eine Rallye durch den Raum, bei der man Exponate suchen muss. Verteilt stehen dort verschiedene Mitmachtische, an denen Besucherinnen und Besucher zum Beispiel flechten oder weben können.

Kindgerechte Informationstafeln und Mitmachtische sollen auch junge Menschen für die Ausstellung begeistern.

Kindgerechte Informationstafeln und Mitmachtische sollen auch junge Menschen für die Ausstellung begeistern. Foto: Haardt

„Da merken insbesondere Kinder, dass es früher ganz normal war, diese Dinge selbst herzustellen”, sagt Lischke. Heutzutage wüssten Menschen immer weniger über die Produktion von Gegenständen. „Das war nicht immer so. Dadurch, dass man die Sachen selbst hergestellt hat, hatten sie einen anderen Wert”, stellt der Student fest. Für Lischke ist das die wichtigste Erkenntnis der Ausstellung.

„Studieren, Probieren, Experimentieren“ ab 10.Mai

Die Ausstellung „Studieren, Probieren, Experimentieren” wird am 10. Mai eröffnet und wird bis zum 1. November im Schwedenspeicher gezeigt. Besuchen kann man die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten des Speichers von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr und am Wochenende zwischen 10 und 18 Uhr.

Zusätzlich bieten Studierende der Uni Hamburg jeden Sonntag Führungen durch die Ausstellung sowie Workshops an. In den Workshops können Kinder und Erwachsene selbst steinzeitliche Arbeitsweisen ausprobieren und zum Beispiel Pfeilspitzen herstellen.

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