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Bauarbeiten

TB73 in Buxtehude gesperrt: Droht ein Pendlerdrama?

Die letzten Momente vor der Schließung der B73. Die Leitbaken werden gerade aufgestellt, um die Fahrbahn abzuriegeln.

Die letzten Momente vor der Schließung der B73. Die Leitbaken werden gerade aufgestellt, um die Fahrbahn abzuriegeln. Foto: Wisser

Pendler auf dem Weg nach Hamburg müssen sich auf Stau einstellen. Doch nicht nur auf der Straße droht Stillstand - auch im Harburger S-Bahntunnel stehen Arbeiten an.

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Von Karsten Wisser
Mittwoch, 06.05.2026, 06:35 Uhr

Buxtehude. Das ist nichts für schwache Nerven. Um 8.08 Uhr ist die Bundesstraße B73 dicht. Sekunden zuvor drängelt sich noch ein weißer Audi am Wagen der Firma Bremer Verkehrstechnik vorbei – und am Mitarbeiter, der auf der Fahrspur Richtung Hamburg an der Kreuzung mit der B3 die Leitbaken setzt.

Jetzt geht in Richtung Hamburg auf der meistbefahrenen Straße im Landkreis Stade nichts mehr. „Wir sind es gewohnt, dass wir angehupt und angemeckert werden“, sagt ein anderer Mitarbeiter. Täglich sind zwischen der Kreuzung B73/B3 und dem Abzweig Harburger Straße auf Höhe Buxtehude 24.000 Autos unterwegs.

Hier ist Schluss: Bis zum 6. Juni darf hier in Richtung Neu Wulmstorf kein Auto durchfahren.

Hier ist Schluss: Bis zum 6. Juni darf hier in Richtung Neu Wulmstorf kein Auto durchfahren. Foto: Wisser

Zwei Fahrzeuge des Unternehmens mit Standort Bremervörde sind unterwegs, um die wichtige Verkehrsachse für Pendler nach Hamburg zu sperren. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter erledigt das schnell und routiniert. „Dass sich Autofahrer bis zum letzten Moment vorbeidrängeln, kennen wir. Gestern hat mich sogar einer gestreift“, erzählt einer der Männer. Bevor die B73 für vier Wochen an dieser Stelle gesperrt wurde, hatte das Team Nebenstraßen und die beiden betroffenen Bundesstraßen mit Hinweisen auf die Einbahnstraßen-Regelung ausgestattet.

An einer Stelle explodiert der Verkehr

Bis zum 6. Juni bleibt die B73 an dieser Stelle dicht. Die Stadt Buxtehude will in dieser Zeit zwei Bushaltestellen an der Straße in Ovelgönne behindertengerecht ausbauen. Dafür wird die Fahrbahn Richtung Hamburg gesperrt. Die Fahrbahn von Neu Wulmstorf nach Buxtehude und in den Landkreis Stade bleibt offen.

Autofahrer aus Buxtehude – meist Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit – sollen die Umleitung über die B3 nach Elstorf und von dort zurück auf die B73 nutzen. Doch schon wenige Minuten, nachdem die letzte Leitbake steht, zeigt sich: Das ist Theorie. Wenige Hundert Meter entfernt fühlt es sich an, als explodiere das Verkehrsaufkommen.

Die Ortskundigen finden einen Schleichweg

Viele Fahrer kennen sich aus. Sie fahren ein kurzes Stück auf der B3, biegen links nach Ketzendorf und Ovelgönne ab. Die erste Möglichkeit, die Straße Hemburg in Ovelgönne, ist noch abgesperrt. Die nächsten beiden Zufahrten nicht. Hier gibt es – abgesehen von einer Gewichtsbegrenzung auf 3,5 Tonnen und einem Tempo-30-Abschnitt in Ketzendorf – keine Hindernisse. Über den Hogenbarg geht es zurück auf die B73.

Schleichweg: Die Straße Hogenbarg in Richtung B73. Hier gab es am Dienstag viel Verkehr.

Schleichweg: Die Straße Hogenbarg in Richtung B73. Hier gab es am Dienstag viel Verkehr. Foto: Wisser

„Wir haben extra die weiträumige Umfahrung über Elstorf gewählt, um den Verkehr aus den Ortschaften herauszuhalten. Andere Möglichkeiten haben wir nicht“, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung auf TAGEBLATT-Nachfrage. Er verweist auf den übergeordneten Charakter der Straße Ketzendorf/Hogenbarg. Das ist die Kreisstraße K84. Kreisstraßen sind öffentliche Straßen, die eine wichtige Rolle im regionalen Verkehrsnetz spielen. Einfach sperren geht nicht.

Am Dienstag ist es auf der Baustelle ruhig

Die Anwohner in beiden Orten sind eine hohe Verkehrsbelastung gewohnt. Selbst ohne Baustelle nutzen viele die K84, um die Kreuzung B73/B3 zu umfahren. Im Sommer 2023 konnten sich die Anwohner immerhin – nach jahrelangem Drängen – eine Tempo-30-Zone erstreiten. Viele parkten damals ihre Autos regelkonform auf der Kreisstraße, um den Verkehr zu bremsen.

An den beiden Bushaltestellen war am Dienstagvormittag noch nicht viel los. Sie sollen behindertengerecht umgebaut werden.

An den beiden Bushaltestellen war am Dienstagvormittag noch nicht viel los. Sie sollen behindertengerecht umgebaut werden. Foto: Wisser

Während ringsum auf den Straßen viel los ist, bietet sich in Ovelgönne ein ganz anderes Bild. An der Baustelle stehen ein Radlader und zwei Bagger. An einer Stelle ist etwas Erde abgetragen. Zwei Bauarbeiter warten auf Anweisungen, was sie als Nächstes tun sollen. Für den Dienstagvormittag war noch eine größere Baubesprechung geplant. Ein Passant kommentiert die Szene mit resignativem Kopfschütteln. „In Richtung Hamburg fahren fast keine Busse. Und dafür dieser Aufwand“, sagt er. Tatsächlich hält an der Bushaltestelle Richtung Hamburg einmal in der Stunde ein Bus.

Nächsten Montag starten die S-Bahn-Bauarbeiten

Wie schlimm die Staus auf der B73 wegen dieser Baustelle werden, lässt sich erst ab Montag, 11. Mai, beurteilen. Dann beginnen im Harburger S-Bahntunnel Bauarbeiten, die die Sperrung dieser wichtigen Bahnstrecke zur Folge haben.

Aus Richtung Landkreis Stade und Neu Wulmstorf fahren eine S-Bahn und ein Regionalexpress durch bis nach Harburg. Die anderen Verbindungen enden in Neugraben, beziehungsweise in Wilhelmsburg. Dazwischen soll ein Busersatzverkehr die Lücke schließen. Harte Zeiten für Pendler.

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