Angriff in Supermarkt: Wolf ist in Wildtierstation in Niedersachsen
Ein Wolf verletzt eine Frau in der Einkaufsmeile Große Bergstraße. (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Ein Wolf greift laut Behörden eine Frau in Hamburg-Altona an und verletzt sie. Polizisten fangen das Tier später an der Alster. Was passiert nun mit dem Wolf und welche Konsequenzen zieht der Senat?
Hamburg. Der eingefangene Wolf, der laut Behörden in Hamburg eine Frau verletzt hat, ist in eine Wildtierauffangstation in Niedersachsen gebracht worden. Dort habe er ein „neues vorläufiges Zuhause“ gefunden, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur.
„In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass der Wolf vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen unterkommt.“ Um welche Station es sich handelt, sagte er nicht. Es sei auch nicht klar, ob der Wolf dort dauerhaft bleiben könne.
Der Wolfsangriff in Hamburg-Altona hat sich nach Angaben von Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in einen Supermarkt zugetragen. Es habe eine Mensch-Wolf-Begegnung gegeben, eine Frau habe eine Bissverletzung erlitten, sagte die Grünen-Politikerin. Die Frau sei im Universitätsklinikum Eppendorf ambulant behandelt worden. Zuvor hatte die Umweltbehörde erklärt, der Vorfall habe sich in einer Einkaufspassage ereignet.
Fegebank wünschte der verletzten Frau gute Besserung und eine Verarbeitung des Schocks. Die Polizei habe den Wolf dann an der Binnenalster gesichert. Das Tier sei im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs untergebracht worden.
Wolf war bereits am Wochenende gesichtet worden
Der Vorfall sei ein Präzedenzfall, wie es ihn nach Informationen der Umweltbehörde in Deutschland noch nicht gegeben habe. Das Tier sei bereits am Samstag in Hamburg gesichtet worden, am Sonntag habe die Behörde davon erfahren. Bis Montagabend habe der Wolf das arttypische scheue Verhalten gezeigt. „Gestern Abend kam es dann zu einer unerwarteten und auch sehr überraschenden Verhaltensänderung.“
Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete den präventiven Abschuss eines streng geschützten Tieres, betonte sie. Eine aktive Treibjagd wäre ein unkalkulierbares Risiko gewesen. Es hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen kommen können. Zum weiteren Umgang mit dem gefangenen Wolf sagte Fegebank: „Wir werden sehr zeitnah eine Lösung finden.“
„Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.
Weiteres Schicksal des eingefangenen Tieres unklar
Umweltsenatorin Katharina Fegebank sagte auf einer Pressekonferenz, man frage sich bei einer Freilassung des eingefangenen Tieres: „Er hat das einmal getan, tut er das wieder?“. Vorstellbar sei eine Situation, in der der Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hinein laufe. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, sagte Fegebank. „Wölfe sind Raubtiere.“
Nach Fegebanks Angaben gibt es drei Optionen zum weiteren Umgang mit dem gefangenen Wolf: auswildern, einschläfern oder ihn in einen Wildpark bringen. „Alle drei Optionen liegen auf dem Tisch“, sagte sie. Aber wenn er ausgewildert werde, sei natürlich nicht ausgeschlossen, dass er bei nächster Gelegenheit wieder in eine kleine Stadt, ein Dorf oder eine Großstadt laufe und er dann noch mal so etwas tue.
Wolfsexperte Fuhr spricht sich für Tötung des Wolfes aus
Der Journalist, Jäger und Wolfsexperte Eckhard Fuhr sprach sich im Interview des Fernsehsenders RTL dafür aus, das Tier zu töten. „Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten“, sagt er. Die Alternative – das Tier wieder freizulassen – hält Fuhr für ebenso problematisch. Unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls sowie der öffentlichen Sicherheit sieht der Experte nur eine vertretbare Lösung: „Es wäre die vernünftigste Lösung, den Wolf zu töten.“
Tier wurde aus der Alster gezogen
Das Tier war am späten Montagabend in der Hamburger Innenstadt eingefangen worden: Am Anleger an der Binnenalster zog die Polizei es mit einer Schlinge aus dem Wasser, wie ein Sprecher des Lagezentrums am Abend schilderte.
Man sei dabei, alle Fakten über das Tier zusammenzutragen, sagte der Sprecher der Umweltbehörde. Die Behörde werde sich im Laufe des Tages äußern.
Ob es sich bei dem eingefangenen Tier um jenen Wolf handelt, der am Wochenende unter anderem im Stadtteil Blankenese gesehen worden war, ist laut Polizei noch nicht sicher. Ein Sprecher der Leitstelle sagte, man halte es für wahrscheinlich, da nicht von mehreren dieser Tiere im Stadtgebiet ausgegangen werde.
Vermutlich junges Tier auf der Suche nach einem eigenen Revier
Die ersten Sichtungen des Tieres waren Angaben von Montag zufolge am Samstag in zwei Parks oberhalb des Falkensteiner Ufers gemacht worden. Am Sonntagvormittag sei der Wolf im Bereich des S-Bahnhofs Othmarschen beobachtet worden, am Nachmittag im Bereich des Stadtteils Nienstedten.
Das Tier soll ein noch recht junger Wolf sein. „Nach Experteneinschätzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel“, hieß es am Montag weiter. In dieser Phase legen die Tiere meist weite Strecken zurück. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der Wolf wohl „versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen“, dass er nun nach einem Weg aus der Stadt suche.
Mittlerweile viele Wölfe in Deutschland
Der Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, Klaus Hackländer, hält es nach den derzeitigen Informationen für realistisch, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“
Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Heute streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde um 21 Uhr aktualisiert.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.